Reaktionen auf Prognose «Werden sie jagen»: AfD-Chefin Weidel droht Parteien nach Wahl

Dominik Müller

23.2.2025

Alice Weidel spricht von historischem Ergebnis für die AFD

Alice Weidel spricht von historischem Ergebnis für die AFD

23.02.2025

Deutschland wählt einen neuen Bundestag. Laut ersten Prognosen ist die Union Wahlsiegerin, die AfD verdoppelt ihr Ergebnis von 2021 und die SPD von Kanzler Scholz wird abgestraft. Das sind die ersten Reaktionen.

Redaktion blue News

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Gemäss ersten Prognosen wird die Union die stärkste Kraft im Bundestag.
  • Alle Ampel-Parteien müssen Verluste hinnehmen.
  • Die AfD und die Linke dürfen sich über ein gutes Resultat freuen.
  • Die Reaktionen der Vertreter*innen der Parteien im Überblick.

CDU/CSU

Friedrich Merz äussert sich im Konrad-Adenauer-Haus vor den CDU/CSU-Reihen. Er bedankt sich bei verschiedenen Leuten – und zuallererst bei CSU-Chef Markus Söder für die «tolle Zusammenarbeit.»

Merz betont, dass er um die schwierige Aufgabe wisse, die nun vor ihm stehe. «Aber niemand da draussen wartet auf uns, wir müssen zurück auf die Weltbühne. Deutschland wird jetzt wieder zuverlässig regiert.» Merz bedankt sich bei der Bevölkerung: «Jetzt wird erst mal Rambazamba gemacht – und ab morgen wird gearbeitet.»

Auch für CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann ist klar: «Die Union hat die Wahl gewonnen». Die Menschen wollten einen Politikwechsel und «den wird es geben». Es sei wichtig, dass die «Depression rauskommt aus dem Land. Das ist bitte möglich.» Deutschland brauche nun eine stabile Regierung, sagte er in der ARD.

Alexander Dobrindt (CSU) freut sich über ein «gutes Ergebnis» aus Bayern. Er bekräftigt die Absage der CSU an eine Koalition mit den Grünen. «Mit den Grünen gibt es keinen Politikwechsel», so Dobrindt. Zu einer Koalition würden sie nicht gebraucht.

Friedrich Merz proklamiert Sieg

Friedrich Merz proklamiert Sieg

23.02.2025

AfD

«Wir haben uns verdoppeln können, das ist ein historischer Erfolg», sagt AfD-Chefin Alice Weidel. Die Hand sei ausgestreckt, man sei offen für eine Koalitionsverhandlung. Grosse Kompromisse für die CDU/CSU-Koalition brauche es nicht. «Die CDU hat ja unser Wahlprogramm faktisch abgeschrieben», sagt sie gegenüber der ARD. Man werde nun in Zukunft «sinnvollen Anträgen der Union zustimmen» und: «Wir werden die anderen Parteien jagen, dass sie sinnvolle Politik für unser Land machen.»

Jubel bei der AfD

Jubel bei der AfD

23.02.2025

Tino Chrupalla, gemeinsam mit Alice Weidel Vorsitzender der AfD-Bundestagsfraktion, sagt in der ARD: «Die Wähler haben uns ein ganz klares Votum gegeben. Wir haben uns verdoppelt.» Das Resultat – insbesondere in Ostdeutschland – deute er auch als ganz klares Zeichen gegen die von Friedrich Merz proklamierte Brandmauer. Es entspreche dem Willen der Wähler, dass «die AfD politisch mehr Gehör findet».

In Richtung Merz wiederholt er die Worte von Parteichefin Alice Weidel: «Unsere Hand ist ausgestreckt.» Wenn Merz seine Wahlversprechen umsetzen möchte, könne er dies nur mit der AfD zusammen erreichen. Im Umgang mit der AfD müsse sich nun sowohl politisch als auch medial in Deutschland etwas ändern.

SPD

«Das ist ein bitteres Wahlergebnis und eine deutliche Niederlage», sagt Kanzler Olaf Scholz vor seinen Anhängern. «Wir müssen nun gemeinsam nach vorne gehen.» Scholz betont, er übernehme die Verantwortung für das schlechte Wahlergebnis und gratuliert Friedrich Merz für den Wahlsieg. Dann geht er auf die AfD ein. «Dass eine solche Partei solche Wahlergebnisse bekommt, damit werde ich mich niemals abfinden.»

Umfrage unter SPD-Mitgliedern zum schlechten Ergebnis

Umfrage unter SPD-Mitgliedern zum schlechten Ergebnis

23.02.2025

Auch SPD.-Generalsekretär Matthias Miersch betont im ZDF: «Das ist eine historische Niederlage für die SPD.» Es sei ein ganz bitterer Abend. Er gratuliere CDU-Chef Friedrich Merz und der Union für den Regierungsauftrag. Die Ampel sei abgewählt worden. Klar sei, dass es einen Regierungsauftrag für Merz gebe. Dann müsse auf Grundlage des Endergebnisses verhandelt werden. Ob die SPD dann in der Regierungsverantwortung stehe, «da gibt es überhaupt keinen Automatismus», so Miersch.

SPD mit langen Gesichtern nach der ersten Prognose

SPD mit langen Gesichtern nach der ersten Prognose

23.02.2025

Grüne

Franziska Brantner, Bundesvorsitzende der Grünen relativiert bei der ARD die voraussichtlichen Verluste: «Wir sind aus einer der unbeliebtesten Regierungen dieser Bundesrepublik hervorgegangen und haben uns nach oben gekämpft.» Mit Blick auf mögliche Koalitionsoptionen sei es noch zu früh, um etwas auszuschliessen.

Und Brantner nutzt die Gelegenheit für eine Ansage an den designierten Wahlsieger Friedrich Merz: «Wir brauchen einen Kanzler der zusammenführt, nicht spaltet.» Die Entscheidung von Merz, für eine Abstimmung die Stimmen der AfD billigend in Kauf zu nehmen, habe das Land gespalten und weiter polarisiert.

Linke

Heidi Reichinnek, gemeinsam mit Jan van Aken Spitzenkandidatin der Linke, freut sich über das Abschneiden ihrer Partei. «Ich bin so unfassbar glücklich über unser Ergebnis», sagt sie in der ARD. Es sei richtig gewesen, sich auf das Thema Soziales zu konzentrieren. Man werde auch künftig für bezahlbaren Wohnraum und ein gerechtes Steuersystem eintreten.

Jan van Aken freut sich ebenfalls über das Resultat: «Ich habe immer daran geglaubt, dass die Linke wieder in den Bundestag kommt. Aber in der Höhe überrascht mich das Resultat», sagt er zur ARD.

Die Linkspartei hat zuletzt in den Umfragen einen unverhofften Aufschwung erlebt, der sich nun in den ersten Hochrechnungen bestätigt. Trotzdem meint van Aken: «Ehrlicherweise glaube ich, dass wir noch besser gewesen wären, wenn wir normal im nächsten September gewählt hätten. Aber bei über 8 Prozent kann man sich nicht beklagen.»

FDP

Die FDP muss noch um das Erreichen der Fünf-Prozent-Hürde und das damit verbundene Verbleiben im Bundestag zittern. Für FDP-Vize Wolfgang Kubicki haben es die Liberalen «nicht geschafft, Vertrauen zurückzugewinnen». Die «Mehrheit unserer Wähler hat mit der Rolle der FDP in der Ampel gehadert». Man sei unter den Erwartungen geblieben. Mit Blick auf künftige Koalitionen, sollte die FDP doch in den Bundestag einziehen, sagt er in der ARD: «Das kann ich für meine Partei ausschliessen: Jamaika wird es in Berlin nicht geben.» Jamaika wird eine Koalition aus Union, FDP und Grünen genannt.

BSW

«Wir werden noch zittern müssen», sagt BSW-Kanzlerkandidatin Sahra Wagenknecht zu den Parteimitgliedern. «Egal wie es ausgeht, dass wir überhaupt dort stehen, wo wir aktuell stehen, verdanken wir einem tollen Wahlkampf», ergänzt sie.

Ralph Suikat, Schatzmeister des BSW, zeigt sich im Interview mit der ARD erfreut über das Resultat: «Noch nie hat es eine Partei geschafft, im ersten Anlauf in den Bundestag zu kommen.» Aktuell sehe es so aus, als würde das BSW bei der Bundestagswahl «einen ganz grossen Erfolg einfahren».

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