«Ist die Krise überwunden, wird Tacheles geredet»

Jennifer Furer

26.3.2020 - 11:40

Besonders gefordert in dieser Zeit: das Spitalpersonal.
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Der Bundesrat hat auf dem Verordnungsweg den arbeitsrechtlichen Schutz des Spitalpersonals abgeschwächt. Eine Petition fordert nun eine spezielle Gefahrenzulage.

Solidarität fürs Spitalpersonal mit Klatschen zu bekunden, reicht nicht. Nun müssten Taten folgen, fordert die VPOD, die Gewerkschaft im Service public. Sie hat eine Petition gestartet, die will, dass Arbeitnehmende in den Kliniken auch in Zeiten der Corona-Krise geschützt werden.

«Das Spitalpersonal erbringt in der aktuellen Situation Höchstleistungen», so die VPOD. Es sei für die Gewerkschaft klar, dass diese Arbeit nach der Krise nicht unentschädigt bleiben dürfe. «Wir fordern eine Gefahrenzulage für alle, die in den Gesundheitsinstitutionen tätig sind.»

Besonders wichtig sei diese Entschädigung, weil der Bundesrat vor Kurzem mit einer Verordnung arbeitsrechtliche Schutzbestimmungen für das Spitalpersonal ausgesetzt hat. Ruhezeiten und Höchstarbeitszeit sind damit vorübergehend nicht mehr gesetzlich geregelt. Vorgesehen ist diese Massnahme für mindestens sechs Monate. 

Eine Frage des Respekts

«Auch ohne diese Verschärfung sind bereits nach heutigem Recht 60-Stundenwochen möglich», so der VPOD. Und weiter: «Wir wissen, dass das vorwiegend weibliche Spitalpersonal unter grossen Belastungen steht und die Gesundheit dieser Frauen gefährdet ist. Ihnen steht der volle Schutz ihrer Gesundheit und Rechte zu.»

Den Gesundheitsschutz des Personals zu gewährleisten, sei eine Frage des Respekts. «Deshalb fordern wir den Bundesrat auf, seine Verantwortung wahrzunehmen und das Spitalpersonal in dieser ausserordentlichen Situation zu schützen», so die VPOD weiter.



Der Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK) versteht die Lancierung der Petition durch die Gewerkschaft, so Geschäftsführerin Yvonne Ribi. «Wir finden es gut, wenn der Schutz des Gesundheitspersonals thematisiert wird.»

Es wäre erfreulich, wenn der Bundesrat eine Gefahrenzulage aussprechen würde. «Im Moment fokussieren wir uns aber darauf, dass das Gesundheitspersonal die Situation meistern kann, dabei gesund bleibt und nicht wegen Arbeitsüberlastung ausfällt.»

«Pflege: Jeder will sie, keiner will dafür bezahlen»: Schon mehrfach hat das Pflegepersonal für mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen gestreikt.
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Der SBK hat sich zusammen mit dem Verband Schweizerischer Assistenz- und Oberärzte (VSAO) in einem Brief an den Bundesrat und an den Spitalverband H+ gewendet. Ziel: Der Bundesrat soll Leitplanken zum Schutz der Arbeits- und Ruhezeiten definieren.

Die Corona-Krise bringt laut Ribi ein schon lange bekanntes Problem wieder und noch deutlicher aufs Parkett. «Auch im Normalzustand hat das Pflegepersonal zu wenig Zeit, und das Fachpersonal ist nicht in ausreichender Zahl vorhanden.»

Sei die jetzige Krise überwunden, werde Tacheles geredet, so Ribi. «Wir wollen dann zusammen mit Politikerinnen und Politikern Rahmenbedingungen sicherstellen, damit die Schweiz auch in Zukunft eine gute pflegerische Versorgung hat.»


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