Experten von Immoblienboom während Coronakrise überrascht

twei

15.10.2020

Die Stadt Zürich passt auf 2024 das Mietreglement für städtische Wohnungen an. (Symbolbild)
Wohneigentum in der Schweiz ist auch in der Coronakrise weiterhin beliebt. (Symbolbild)
Bild: Keystone

Kaufen statt mieten: Trotz der wirtschaftlichen Einschnitte der Coronakrise zeigen sich die Schweizer in Sachen Wohneigentum investitionsfreudig. Dabei hatten Experten eigentlich einen ganz anderen Trend prognostiziert.

Die Coronakrise hat die Welt weiter fest im Griff, überall in Europa und auch in der Schweiz steigen die Infektionszahlen und die negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft sind enorm. Während viele Unternehmen zu Einsparungen gezwungen sind und eine ungewisse Zukunft vor sich haben, sieht die Lage im Privatsektor anders aus.

Wie «Blick» berichtet, scheuen die Schweizer auch in Krisenzeiten keine grösseren Investitionen auf dem Immobilienmarkt. Das geht aus dem jüngsten Immobilienbarometer der Zürcher Kantonalbank (ZKB) hervor. Darin stellte die Expertin Ursina Kubli eine Parallele zu früheren Krisen wie der Zeit nach dem Anschlag auf die Twin Towers 2001 her. Sie bezeichnete die derzeitige Entwicklung als «Ansturm auf Sachwerte».



Ausserdem mutmasste Kubli, der sogenannte «Cocooning-Trend» beeinflusse das Investitionsgeschehen im Immobiliensektor. «Viele Haushalte haben noch nie so viel Zeit in der eigenen Wohnung verbracht», so die Vermutung der Expertin.

Ikea und Co. profitieren von der Krise

Die Prognosen von Beginn der Pandemie sind damit hinfällig. Eigentlich hatten Experten auch im Immobiliensektor eine Rezession vorhergesagt und erwartet, dass Anleger ihr Geld zusammenhalten. «Wir haben womöglich den psychologischen Effekt unterschätzt», räumte Kubli ein.

Ausserdem würden «tiefe Hypothekarzinsen», verhältnismässig sichere Aussichten auf dem Arbeitsmarkt und «die Knappheit von Wohneigentum aufgrund des forcierten Mietwohnungsbaus» ihre Wirkung entfalten, wie die Expertin beschrieb.



Doch nicht nur beim Immobilienkauf legen die Schweizer in diesem Jahr bereitwillig Geld auf den Tisch. Die eigenen vier Wände müssen nach dem Kauf schliesslich auch noch gemütlich eingerichtet werden. Dementsprechend verbuchen Möbelfirmen einen Aufwind in Sachen Bestellungen. Laut Ursina Kubli könnte sich diese Entwicklung noch weiter fortsetzen: «So lange das Virus grassiert und viel Zeit zu Hause verbracht wird, dürfte das Wohnen diesen besonderen Stellenwert halten.»

Gegensätzlicher Trend bei Mietwohnungen

Während der Kauf von Immobilien boomt, ist die Lage bei Mietwohnungen gegenläufig. Alleine in den vergangenen beiden Jahren stieg die Anzahl an leerstehenden Wohnungen um 6'000 an. Aktuell sind laut ZKB 66'000 Wohnungen in der Schweiz verfügbar.

Weil wegen der Coronakrise jedoch weniger Menschen ihren Lebensmittelpunkt in die Schweiz verlagern, dürfte die Zahl nur eine Momentaufnahme sein. Bereits im kommenden Jahr gehe man von bis zu 2'000 weiteren leeren Mietwohnungen aus, wie Kubli beschrieb.

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