«Es ist schwierig» – selbst ohne Kontaktdaten-Pflicht

Gil Bieler

8.5.2020 - 16:32

Jetzt ist es definitiv: Wer ab Montag in ein Lokal einkehrt, muss seine Kontaktangaben doch nicht nennen. Es gilt das Prinzip der Freiwilligkeit. Beim Gastroverband traut man sich dennoch nicht, aufzuatmen.

Vor den nächsten Lockerungsschritten am kommenden Montag gibt etwas besonders viel zu reden: die Auflagen, unter denen Restaurants und Beizen wieder öffnen können. Denn das Branchen-Schutzkonzept stellt die Wirte, die wieder aufschliessen möchten, vor hohe Hürden. Schliesslich gilt es, Gäste und Personal vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen.

Eine der Auflagen wurde nun entschärft: Gäste sollen Namen, Telefonnummer und andere Angaben nur noch freiwillig hinterlegen können, wie Bundesrat Alain Berset am Freitagnachmittag vor den Bundeshausmedien bestätigte. Dabei reiche es völlig aus, wenn eine Person pro Besuchergruppe ihre Daten hinterlege. Berset rief dazu auf, dies auch zu tun, um Kontaktketten nachvollziehen zu können.

Alain Berset: Daten-Hinterlegung bei Restaurant-Besuchen ist freiwillig

Alain Berset: Daten-Hinterlegung bei Restaurant-Besuchen ist freiwillig

Die Abgabe von Kontaktdaten für Gäste in Restaurants ist entgegen früheren Informationen des Bundes nun doch nicht zwingend, sondern freiwillig. Bundesrat Alain Berset bestätigte dies am Freitagnachmittag an der Medienkonferenz.

08.05.2020

Auch wenn Berset nichts von einer «Änderung» im Konzept wissen wollte: Zuvor war stets von einer Pflicht die Rede gewesen. Doch hatte sich der eidgenössische Datenschützer Adrian Lobsiger öffentlich klar gegen einen Zwang zur Datenabgabe ausgesprochen.

Der Branchenverband GastroSuisse bestätigt auf Anfrage von «Bluewin», dass zu diesem «kontroversen Thema nochmals intensive Verhandlungen» stattgefunden hätten. Doch selbst ohne diese Pflicht: Die Herausforderungen für Gastronomen blieben gross – und zwar unabhängig von der Grösse eines Lokals.

Rentieren dürfte es trotzdem kaum

«Es ist schwierig, überhaupt kostendeckend arbeiten zu können», heisst es bei GastroSuisse. Die Margen in der Branche seien gering, und wenn ein Gastwirt jetzt – mit Bestuhlung nach Sicherheitsabstand – nur noch 50 Prozent seiner Kapazitäten nutzen könne, müssten einige Mitarbeitende weiterhin in Kurzarbeit bleiben.

Das Mobiliar eines Lokals in Luzern wird für die Wiedereröffnung vorbereitet.
Bild: Keystone

Diese Einschätzung deckt sich mit jener von mehreren Gastrounternehmern, die «Bluewin» diese Woche angefragt hat: Niemand rechnete mit einem rentablen Geschäft ab dem 11. Mai.



Dennoch begrüsst man beim Branchenverband die Möglichkeit der teilweisen Wiedereröffnung: «Bei einer kompletten Schliessung von Restaurants bis etwa Juni oder Juli würden viel mehr Betriebe vor dem Aus stehen, als wenn sie bei einer Teilöffnung einen Umsatz generieren und zumindest einen Teil der Fixkosten decken können», teilt GastroSuisse mit. «Wir brauchen eine Perspektive und die Chance, sukzessiv wieder hochzufahren.»

Was weitere Lockerungsschritte angehe, «orientieren wir uns am Bundesrat». Die Landesregierung habe eine Neubeurteilung der Lage für den 8. Juni in Aussicht gestellt.

Die hiesige Gastrobranche zählt gemäss GastroSuisse rund 30'000 Betriebe und rund 260'000 Mitarbeitende. Wie viele der Restaurants und Beizen unter den geltenden Hygiene- und Abstandsregeln wiedereröffnen können, könne man nicht sagen. «Das ist letztlich ein unternehmerischer Entscheid jedes einzelnen Gastgebers.»

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