Impfaktion gestartet

Natalie Rickli: «Mit einem so grossen Ansturm haben wir nicht gerechnet»

tmxh/SDA

5.1.2021

Natalie Rickli, Vorsteherin Gesundheitsdirektion, im durch das Stadtspital Triemli und Waid im Auftrag der Gesundheitsdirektion Zuerich neu eroeffneten Testzentrum auf dem Kasernenareal am Montag, 9. November 2020, in Zuerich. (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli im Testzentrum auf dem Kasernenareal in Zürich.
(KEYSTONE/Gaetan Bally)

Nach dem schweizweiten Start der Corona-Impfaktion ist die Nachfrage in vielen Kantonen sehr hoch. Während auf ein IT-Impftool des Bundes gewartet wird, hofft man auf die Zulassung eines weiteren Impfstoffes.

In der Schweiz hat die grösste Impfaktion in der Geschichte des Landes begonnen, die ersten Dosen wurden verabreicht. Doch der Start gestaltet sich nicht ohne Hürden: Die Menge des Impfstoffes reicht noch nicht weit.

Die Nachfrage nach Impfungen ist in zahlreichen Kantonen so hoch, dass gar nicht alle Interessierten einen Termin für eine Impfung bekommen. Schweizweit stehen mit der Lieferung von weiteren 126'000 Impfdosen von Pfizer/Biontech vom Montag nun insgesamt 233'000 Dosen dieses Herstellers zur Verfügung. Da es zwei Dosen pro Person braucht, können erst gut 115'000 Personen geimpft werden.

«Wir müssen es langsam starten»

«Wir haben alles getestet und geprüft und gedacht, dass es reicht. Aber mit einem so grossen Ansturm haben wir nicht gerechnet», zitiert SRF die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP). Allein in der ersten Stunde habe es im Kanton Zürich, wo täglich etwa 600 Menschen geimpft werden können, 100'000 Seitenaufrufe und 60'000 Anrufe beim Ärztefon gegeben – wobei es sich nicht nur um die prioritär behandelten Menschen über 75 Jahre und Risikopatienten gehandelt habe.



Für Philipp Luchsinger, Präsident des Verbandes der Haus- und Kinderärzte Schweiz (MFE), steht fest, warum der Ansturm so gross ist: «Man hat den Leuten Hoffnung gemacht, jetzt haben wir eine Impfung, jetzt wird alles gut», erklärte er gegenüber SRF. «Aber wir haben nicht viele Impfungen, wir müssen es langsam starten».

Hausärzte hoffen auf weiteren Impfstoff

Für die Hausärzte ist der aktuell zugelassene Impfstoff eine grosse Herausforderung. Die Impfungen müssten in Chargen von 1000 Stück verabreicht werden, sagte Luchsinger in der Sendung «Rendez-vous» von Schweizer Radio SRF. Das sei selbst in einer grösseren Gruppenpraxis nicht möglich.

Daher warten Impfwillige und Ärzte nun auf die Zulassung eines weiteren Impfstoffs. Die Rede ist davon, dass der Impfstoff des Herstellers Moderna demnächst zugelassen werden könnte. Mit diesem werde es besser, so Luchsinger. Das seien 100er-Fraktionen und es sei ein Impfstoff, der eine Woche im Kühlschrank gelagert werden könne. 100 Impfungen in einer Wochen – das sei auch für kleinere Gruppenpraxen machbar.

Warten auf IT-Impftool

Ein weiteres Problem sieht Luchsinger jedoch darin, «dass einige Kantone das Fachpersonal haben und andere weniger». Jeder Kanton müsse ein eigenes Konzept erarbeiten, anstatt voneinander zu profitieren, zitiert SRF den MFE-Präsidenten. BAG-Vize-Direktorin Nora Kronig ist derweil guter Dinge: «Ich bin überzeugt, dass die Kantone das nicht nur können, sondern auch alles getan wird, dass es klappt», sagte sie SRF.



Währenddessen warten die Kantone ohnehin auf das versprochene IT-Impftool des Bundes, mit dem sich Impfwillige anmelden können sollen. Dieses sei bislang nur für die mobilen Impfequipen eingetroffen, nicht jedoch für die Allgemeinheit, wie etwa die Graubündner Kantonsärztin Marina Jamnicki gegenüber SRF betonte. Der Kanton sei personell vorbereitet – nur das IT-Modul fehle noch.

Laut BAG sollen im Januar eine halbe Million Impfdosen zur Verfügung stehen, im Februar bereits eine Million. Dann sollen täglich mehr als 75'000 Impfungen möglich sein.

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