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Komfort statt Klimaschutz: Nationalbank fliegt weiter Business

tafi

10.3.2020

Entspannt auf Geschäftsreise: Mitarbeitende der Nationalbank reisen schon ab vier Stunden Flugzeit grundsätzlich in der Businessclass.
KEYSTONE/Christian Beutler

Mit dem «Aktionsplan Flugreisen» will der Bundesrat die CO2-Emissionen der Bundesverwaltung reduzieren. Die Nationalbank macht dabei nicht mit: SNB-Angestellte fliegen weiter in der Businessclass.

«Aktionsplan Flugreisen» heisst das Projekt, mit dem der Bundesrat die CO2-Emissionen aus Flugreisen der Bundesverwaltung bis 2030 um 30 Prozent senken will. Bei kurzen Reisen sollen Mitarbeitende künftig den Zug statt dem Flugzeug nehmen. Auf Langstreckenflügen sollen sie vermehrt in der Economy- statt in der Business-Klasse reisen.  

Vom Klimaschutzprogramm aus dem Berner Bundeshaus wird man auch bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) gehörten haben. Allerdings, so berichtet es der «Tages-Anzeiger», wird der Aktionsplan dort ignoriert. Bei der SNB wird erstens weiter geflogen, und zweitens häufig in der Businessclass.



Die SNB gehört nicht zur zentralen Bundesverwaltung, der Aktionsplan gelte daher laut «Tages-Anzeiger» nicht für die 900 Mitarbeitenden der Nationalbank. Und freiwillig wird er auch nicht angewendet.

Wer fliegt, fliegt Business 

Stattdessen komme es zu einigen paradoxen Auffälligkeiten. Während Mitarbeitende der SNB schon bei Geschäftsreisen ab vier Stunden Flugzeit generell Businessclass fliegen, müssen Bundesangestellte bis neun Stunden Direktflug Economy buchen. Bei Flügen mit Zwischenstopp sogar bis zu einer Flugzeit von elf Stunden. In einigen Fällen seien begründete Wechsel in die Businessclass allerdings möglich.

Prinzipiell gilt aber die Regelung «Economy statt Business», und zwar für die Angestellten aller Funktionsstufen – auch für die ranghöchsten Mitarbeitenden. Bei der SNB hingegen herrscht interne Gleichberechtigung: Die Hierarchiestufe ist egal, wer fliegt, fliegt Business. Die unterschiedlichen Regelungen, könnten dazu führen, dass einfache Angestellte der SNB in der Businessclass und hochrangige Mitglieder der Bundesverwaltung in der Economy in derselben Maschine zur gleichen Konferenz fliegen.



Dass die Tickets für die Businessclass bedeutend teurer sind als für die Economy, dürfte die SNB verschmerzen. Sie hat 2019 einen Jahresgewinn von 49 Milliarden Franken gemacht. Dass Fliegen in der Businessclass bedeutend klimaschädlicher ist, als in der Economy lässt sich allerdings nicht wegrechnen. Weil die Sessel in der Businessclass mehr Platz brauchen, die Passagiere mehr Gepäck mitnehmen dürfen und die Auslastung geringer ist, ergibt sich ein höherer Treibstoffverbrauch pro Passagier. Auf kurzen Strecken führe das zu einem anderthalbmal höheren CO2-Ausstoss, auf Langstrecken sei er dreimal so hoch wie in der Economy.

Die Chefs fliegen First Class

Bei der SNB wolle man gleichwohl CO2-Emissionen vermeiden oder reduzieren, heisst es in einer Stellungnahme, aus der der «Tages-Anzeiger» zitiert. Die eigenen Prozesse seien seit 2011 treibhausgasneutral, «nicht vermeidbare» Emissionen, die etwa beim Fliegen anfallen, würden zu hundert Prozent kompensiert. Da fallen einige Zahlungen an Klimaschutzprojekte an: Laut «Tages-Anzeiger» sind die SNB-Angestellten 2018 mehr als vier Millionen Kilometer geflogen, die Anzahl der Flugkilometer habe sich in den letzten 15 Jahren mehr als verdoppelt.



Ausserdem würde man «in der Praxis» manchmal auch tiefere Flugklassen buchen. Das gilt allerdings nicht für das dreiköpfige SNB-Direktorium: Präsident Thomas Jordan und Co. haben ab vier Stunden Anspruch auf einen Sitz in der First Class.

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