Wie es dazu kam, dass Trump Infantino «Johnny» nannte

24.1.2020 - 00:00, Anna Kappeler

Donald Trump und Gianni Infantino an einem Abendessen am WEF.
Bild: Keystone

Wenn wie am WEF viele Menschen aufeinandertreffen, wird viel geredet. «Bluewin» sagt, welche Sätze in Erinnerung bleiben – und wieso.

«Amerika gewinnt wieder wie niemals zuvor.»
US-Präsident Donald Trump

Diesen Text mit der Rede des überhaupt mächtigsten Mannes zu starten, ist nur folgerichtig, denn in den ersten beiden Tagen gab es am WEF nur ein Thema: Trump. Also hörten wir zu und staunten: Trumps Rede liess jeden Optimisten erbleichen, so gut klang die Weltlage auf einmal. «Spektakulär» wachse die US-Wirtschaft seit seiner Präsidentschaft, deshalb solle man nun unbedingt dieses tun: «Carpe Diem!» 

Trump nutzte das enorme Medieninteresse, um wiederum sein Interesse zu verfolgen: den eigenen Wahlkampf. Eine Wahlkampfrede mitten im Wahlkampfjahr? «Spektakulär», würde Trump wie in seiner Rede wohl auch hier urteilen. Auf das Umweltthema ging er kaum ein, ist wohl was für Pessimisten.

«Unser Haus brennt noch immer.»
Greta Thunberg, Klimaaktivistin

Greta Thunbergs Rede bildete den klaren Gegenpunkt zu jener Trumps. Am Tag vor ihrer WEF-Rede hatte die 17-jährige Klimaaktivistin einen geplanten Auftritt wegen Fiebers noch absagen müssen. Bei der Rede dann, noch sichtlich geschwächt, doch wütend wie seit je, attackierte sie die anwesende Elite so: «Eure Untätigkeit heizt die Flammen stündlich an.»



«Wenn Sie jeden Tag am Eiffelturm eine Schraube lösen, passiert zunächst nichts, bis es dann zu spät ist.»
Simonetta Sommaruga, Bundespräsidentin

Ins gleiche Horn wie Greta blies Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga, als sie die 50. Ausgabe des WEF eröffnete. In ihrer Rede erinnerte die SP-Politikerin daran, dass die Welt in Flammen stehe. Aktuelles Beispiel: die Buschbrände in Australien. Danach zeigte Sommaruga einen zwei-minütigen Ausschnitt aus dem Schweizer Dokumentarfilm «More than Honey» über das Bienensterben. Gut, der ist preisgekrönt, zählt allerdings bereits acht Lenzen.

«Wir wollen Lösungen für den Klimawandel.»
Klaus Schwab, WEF-Gründer

Bleiben wir also beim Thema Umweltschutz, um das in diesem Jahr auch WEF-Gründer Klaus Schwab in seiner Eröffnungsrede keinen Bogen machte. Das ist gut und recht – und wohl auch redlich gemeint. Doch die Realität ist grausam: Rund 1'000 zusätzliche Flugbewegungen verzeichnet die Schweizer Flugaufsicht Skyguid während des WEF, wie ein Sprecher sagte. Die zusätzlichen Flüge kommen von kleinen und grösseren Staatsmaschinen, von Geschäftsreiseflugzeugen und von Helikoptern.

«Wir müssen unseren bisherigen Lebenswandel, wie wir ihn seit der Industrialisierung kannten, verlassen.»
Angela Merkel, Deutsche Bundeskanzlerin

Frau Merkel, wie bitte: einen Lebenswandel verlassen? 


«So, wie das läuft, kann man sich langsam vorstellen, dass eine andere Welt möglich ist.»
Teilnehmerin der Winterwanderung für Klimagerechtigkeit

Ein schöner Satz. Und: Rund 1'400 Menschen sind übrigens laut «WOZ» für die Gegen-Demo nach Davos gewandert. 

«Johnny, bitte, leg los.»
«Ich stehe. Ich stehe. Ich stehe.»                                                                          Gianni Infantino, Fifa-Präsident, im Dialog mit Donald Trump, US-Präsident

Manchmal bleiben Sätze schlicht deshalb in Erinnerung, weil sie unfreiwillig komisch sind. Beispielsweise eine Rede von Fifa-Präsident Gianni Infantino an einem Abendessen am WEF am Dienstag mit unter anderem Donald Trump. Statt den mächtigsten Mann der Welt auf seinen richtigen Vornamen hinzuweisen, schien Infantino mit etwas anderem zu kämpfen: Damit, ob er wohl stehen oder sitzen solle.

Die Sätze haben wir übrigens nicht erfunden – das Weisse Haus hat sie nach dem Essen als wortgetreues Transkript der geführten Gespräche veröffentlicht, wie die «NZZ» berichtet hat. So endete der Dialog der beiden dann:

«Well, vielen Dank, Johnny. Danke.»
Woraufhin Infantino Trump einen Ball schenkte und sagte:
«Um jeden daran zu erinnern, was die wirklichen Prioritäten im Leben sind.»
«Das ist ein sehr schöner, gut aussehender Ball.»



«Blablabla»
Anonym.

Das ist der vielleicht wichtigste Satz des WEFs. Wichtig deshalb, weil er für alle diejenigen Sätze stehen mag, die am Anlass gesagt wurden, und von denen wir nie erfahren werden.

Postscriptum: Noch drei zusätzliche Sätze, die wir Ihnen, liebe Leser*innen, nicht vorenthalten möchten. Ihre Wirkung entfalten sie auch unkommentiert. Gesagt vom US-Botschafter in der Schweiz, Edward McMullen, im «Blick»-Interview.

«Und es war wirklich ein grossartiger, grossartiger Erfolg für den Präsidenten!»

«Wissen Sie, der Präsident ist kein Gourmet, (…), er mag Fleisch und Kartoffeln.»

«Das Tolle an Davos ist ja, dass man nie weiss, wen man trifft.»


Das grosse WEF-ABC

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