Strafanzeige gegen Infantino – Staatsanwaltschaft in ungemütlicher Lage

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8.5.2019

Unter Druck: Gegen Fifa-Präsident Gianni Infantino wurde eine Strafanzeige eingereicht.
Bild: Keystone/Antonio Lacerda

Gegen Fifa-Präsident Gianni Infantino wurde vom früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger Strafanzeige eingereicht. Ob ein Verfahren eingeleitet wird, ist offen. Bundesanwalt Michael Lauber traf sich zuvor mehrere Male mit Infantino.

Es geht um 20’000 Franken. Nicht viel Geld im Zusammenhang mit dem Weltfussballverband Fifa. Und doch ist in diesem Zusammenhang eine Strafanzeige bei der Bundesanwaltschaft gegen den Fifa-Präsidenten Gianni Infantino eingegangen. Das schreibt die NZZ. Anzeigeerstatter ist Theo Zwanziger, der frühere Präsident des Deutschen Fussball-Bundes.

Zwanzigers Begründung: Infantino habe damit ungetreue Geschäftsbesorgung begangen. Bei den 20’000 Franken geht es um Zuwendungen, die Infantino seinem Jugendfreund Rinaldo Arnold gewährt hat. Zuvor hatte Arnold für Infantino mehrere informelle Treffen mit Bundesanwalt Michael Lauber arrangiert. Neben der strafrechtlichen Abklärung verlangt Zwanziger nun auch eine Prüfung durch die Fifa – die grosszügigen Geschenke widersprächen dem internen Ethikkodex, so die Argumentation des Deutschen.



Brisant: Anzeigeerstatter Zwanziger ist selber Beschuldigter. Seit über drei Jahren ermittelt die Bundesanwaltschaft im Zusammenhang mit einer umstrittenen Zahlung im Vorfeld der Fussball-WM 2006 gegen ihn und weitere deutsche Fussballfunktionäre. In Deutschland sind diese Vorfälle allerdings längst verjährt – gegen die verantwortlichen Bundesstaatsanwälte hat Zwanziger inzwischen Strafanzeige wegen Amtsmissbrauchs eingereicht.

Laut der NZZ ist Zwanziger am Dienstag in Frankfurt am Main von der Bundesanwaltschaft ein zweites Mal einvernommen worden. Bei dieser Gelegenheit soll er ein Ausstandsbegehren gegen die betroffenen Bundesstaatsanwälte gestellt haben – wegen der nicht protokollierten Treffen von Lauber und Infantino. Zwanziger ist damit nicht allein: Auch andere Beschuldigte aus dem Fussballkomplex werfen der Bundesanwaltschaft Befangenheit vor.

Nun also muss die Bundesanwaltschaft entscheiden, ob sie gegen Infantino ein Strafverfahren eröffnet. Bereits einmal hat sie das abgelehnt: Im vergangenen September entschied sie, dies in einem anderen Zusammenhang, keine Strafanzeige gegen Infantino anzunehmen.

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