Nach warmem Winter

Jetzt droht eine Wespenplage

uri

16.4.2020

Eine Wespe beisst aus einer Scheibe Schinken ein Stück heraus.
Bild: Keystone

Wegen des warmen Winters sind die Plagegeister früher dran als sonst: Auf die Schweiz könnte eine Wespenplage wie schon 2018 zukommen.

Die Schweiz blickt auf den mildesten Winter seit Messbeginn im Jahr 1864 zurück. Das könnte nicht nur generell zu einem sprunghaften Anstieg von Schädlingen führen, sondern auch zu einer wahren Wespen-Invasion.

Wie der «Verein für Wespenschutz» berichtet, wurden bereits Anfang und Mitte April Wespenköniginnen gesichtet. Auch in der Stadt Zürich seien bereits Königinnen unterwegs, erklärte Gabi Müller, Leiterin der Stadtzürcher Schädlingsprävention und -beratung, dem «Tages-Anzeiger». Normalerweise erwachten die Tiere erst Anfang Mai aus ihrem Winterschlaf.



Die derzeitige Situation ähnle jener im Jahr 2018, meint Müller. Damals habe es einen extremen Wespensommer mit einer Rekordzahl von Feuerwehreinsätzen wegen Wespennestern gegeben. «Sollte es in den kommenden ein bis zwei Monaten schön und warm bleiben, dürfte es in diesem Sommer auch so sein», befürchtet sie.

Wespen dezimieren Mücken

Allerdings könne sich die Situation noch ändern, so die Expertin: Nämlich wenn es über einen längeren Zeitraum heftig regne oder einen Kälteeinbruch gebe. Dann würden noch einige Königinnen sterben oder bereits gegründete Nester zerstört.

Und selbst für den Fall, dass es tatsächlich zur Wespenplage kommt, gibt es Trost: Als hungrige Jäger haben die Tiere es nicht nur auf Grilliertes abgesehen, sondern vor allem auch auf andere Insekten. Sie leisten insofern einen wertvollen Beitrag, um Schädlinge und Mücken zu dezimieren. Ein Hornissenvolk – auch sie gehören zu den Wespen – kann bis zu 500 Gramm anderer Insekten am Tag vertilgen, klärt der «Wespenschutz» auf. Innert zwei bis drei Tagen ergebe das einen gefüllten 35-Liter-Abfallsack.



Und für den Fall, dass Ausgangssperren und Social Distancing im Zuge der Corona-Pandemie auch noch in den Sommer hinein Gültigkeit haben sollten, wird man die Quälgeister dieses Jahr ohnehin seltener zu Gesicht bekommen.

Für gute Abdichtungen am Haus sorgen

Ausserdem ist Wespe nicht gleich Wespe. Hierzulande etwa werden lediglich die «Deutsche Wespe» und «Gemeine Wespe» als «lästig» eingestuft, weil sie es besonders auf süsse Speisen und Getränke abgesehen haben.

Gerade diese beiden Arten bauen jedoch keine gut sichtbaren, freihängenden Nester, sondern legen ihre Brutstätten in Hohlräumen an, etwa in Bäumen oder Mauselöchern. In der Nähe menschlicher Siedlungen findet man hingegen vor allem die sogenannte «Sächsische Wespe». Diese ist laut «Wespenschutz» aber an unseren Speisen wenig interessiert und friedlich.

Um sich Wespennester vom Hals zu halten, empfehlen die Experten, beim Hausbau auf eine gute Abdichtung zu achten und kleine Öffnungen, etwa bei Dachuntersichten und Storenkästen, zu verhindern. Zudem solle man im April und Mai den Anflug von Jungköniginnen beobachten und ein entstehendes Nest möglichst früh entfernen.

Nest zügeln? Besser nicht

Die ökologische «Bekämpfung» – also die Umsiedlung statt der «Giftkeule» – eines Nestes sei nach August nicht mehr möglich. «Daher ist davon abzuraten!», meint der «Wespenschutz». Werden Wespen, weil sie ihre Nester in unmittelbarer Nähe des Wohnortes angelegt haben und in grosser Zahl in den eigenen vier Wänden auftauchen, zur Gefahr für Kleinkinder oder Allergiker, sollte man die örtliche Feuerwehr oder einen professionellen Schädlingsbekämpfer rufen – keinesfalls jedoch selbst Hand anlegen.

Im direkten Umgang mit einzelnen Wespen sollte man darauf verzichten, diese mit der Hand zu verscheuchen. Das nämlich macht sie erst recht nervös und aggressiv. Auch die üblichen Tipps wie Duftkerzen oder mit Wasser gefüllte transparente Plastiksäcke haben mehr mit Aberglauben als mit bewiesener Wirksamkeit zu tun.



Wirken soll angeblich aber, die Insekten mit Wassernebel aus der Sprühflasche zu konfrontieren, weil sie dies als Niederschlag deuten dürften und sich daraufhin idealerweise in ihr Nest zurückziehen.

Wird man trotz aller Vorsichtsmassnahmen gestochen, sollte man eine entsprechende Salbe oder ein Gel auftragen und weiter beobachten, ob es zu allergischen Reaktionen kommt. Beruhigend dürfte auch das Wissen wirken, dass das Wespengift – sogar bei den grossen Hornissen – für den Menschen bedeutend weniger toxisch ist als das der Honigbienen.

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