Vor drei Jahren: Germanwings-Pilot reisst 149 Menschen mit in den Tod

dpa, gusi

24.3.2018

Es ist ein schwerer Tag für die Angehörigen der Opfer von Germanwings-Flug 9525. Vor genau drei Jahren liess der deutsche Co-Pilot ein Passagierflugzeug bewusst in den französischen Alpen zerschellen – und riss damit 149 Menschen mit in den Tod. Es ist aber nicht nur die Trauer, die die Hinterbliebenen nicht zu Ruhe kommen lässt. Sie erheben weiter massive Vorwürfe gegen die Lufthansa. 

Auch in diesem Jahr versammeln sich die Angehörigen im deutschen Haltern am See und gedenken der Opfer von Germanwings-Flug 9525. 16 Schüler und zwei Lehrerinnen aus der Stadt in Nordrhein-Westfalen verloren bei der Katastrophe vor drei Jahren ihr Leben. Aber auch an der Unglücksstelle in der französischen Gemeinde Prads-Haute-Bélone sind Trauerfeiern geplant.  

Doch es ist längst nicht mehr nur die Trauer, die bei den Hinterbliebenen der Opfer vorherrscht. Bereits vor wenigen Wochen haben sie massive Vorwürfe gegen die Germanwings-Mutter Lufthansa erhoben. In einem an Lufthansa-Chef Carsten Spohr persönlich gerichteten Brief warfen sie dem Konzern eine «Strategie des Mürbemachens und der Drohungen» vor und beklagten aus ihrer Sicht zu geringe Entschädigungen. 

So steht ihn dem Schreiben, dass die Lufthansa direkt nach dem Absturz schnelle und unbürokratische Hilfe zugesagt habe. «Leider müssen wir feststellen, dass Sie diese zentralen Zusagen bis heute nicht eingelöst haben.» Lufthansa verlange «für einen geringen Geldbetrag» den Verzicht auf Klagen und weitere Ansprüche gegen die Airline. Sogar psychotherapeutische Hilfe werde neuerdings an eine solche Verzichtserklärung geknüpft. «Diese Haltung müssen wir als Erpressung empfinden.»

Ähnliche Vorwürfe hatte der Hinterbliebenen-Anwalt Elmar Giemulla bereits Ende 2017 erhoben. Er hat beim Essener Landgericht bereits im vergangenen Jahr Zivilklage für fast 200 Angehörige eingereicht.

Höhe der Entschädigung umstritten

Lufthansa hatte damals in einer Stellungnahme erklärt, freiwillige Leistungen der Lufthansa für Behandlungen würden von einigen Anwälten als Argument genutzt, um juristisch gegen Unternehmen der Lufthansa-Gruppe vorzugehen. Deshalb könne der Konzern diese Angebote nur aufrechterhalten, wenn diese Leistungen nicht gegen Lufthansa verwendet würden.

Ein weiterer Kritikpunkt in dem jetzigen Brief der Angehörigen ist die Höhe der Entschädigungen - pauschal 29'000 Franken pro Opfer und jeweils 12'000 Franken für nahe Angehörige wegen der erlittenen Schmerzen. Sie reichten vielfach nicht aus, um den Verdienstausfall abzudecken.

Laut Lufthansa wurde dagegen deutlich mehr gezahlt. Neben den Pauschalzahlungen habe die Fluggesellschaft als unbürokratische Vorschussleistung nach dem Absturz 59'000 Franken pro Todesopfer aufgebracht und übernehme optional weiter Behandlungskosten. Laut Lufthansa-Sprecher würden sich die Zahlungen pro Opfer auch in Deutschland in den meisten Fällen auf über 117'000 Franken belaufen. Eine Einigung zwischen der Lufthansa und den Angehörigen konnte bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht erzielt werden. 

Abschlussbericht sieht psychische Erkrankung als Ursache

Die französische Untersuchungsbehörde BEA veröffentlichte ihren Abschlussbericht am 13. März 2016. Darin geht die Behörde von einem psychisch kranken Copilot im Cockpit aus, der sich eingeschlossen und das Flugzeug bewusst und absichtlich zum Absturz gebracht habe.

Nach Erkenntnissen der Ermittler hatte der Mann zum Zeitpunkt des Absturzes Antidepressiva und Schlafmittel eingenommen. Zudem habe ein Arzt zwei Wochen vor dem Absturz eine mögliche Psychose bei Lubitz diagnostiziert und eine Einweisung in eine psychiatrische Klinik empfohlen. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen waren aber nicht an Germanwings weitergeleitet worden.

Als Konsequenz auf die Katastrophe empfahl die BEA der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) routinemässige Überprüfungen bei krankheitsbedingten Ausfällen von Piloten auf psychiatrische und psychologische Probleme. Eine Änderung bei der Verriegelung der Cockpit-Türen schlugen die Experten allerdings nicht vor. Viele Fluglinien haben inzwischen eine Zwei-Personen-Regel im Cockpit eingeführt.

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