Autoklassiker werden elektrisch

uri

1.3.2019

Hoher Verbrauch, verbleites Benzin und mitunter noch exzessiver Einsatz von Motoröl: Oldtimer sind schön – in der Ökobilanz schneiden sie häufig nicht gut ab. Für alle, die mit besserem Gewissen trotzdem klassische Autos fahren wollen, tun sich inzwischen aber Optionen auf.

Kurz nach ihrer Hochzeit düsten Prinz Harry und Meghan, Herzogin von Sussex, in die gemeinsame Zukunft, genauer gesagt in die Flitterwochen. Und das ganz stilecht in einem Jaguar E-Type. Doch ganz klassisch war das Gefährt doch nicht, denn es handelt sich um einen sogenannten «E-Type Zero», einen auf Elektromotor umgerüsteten Sportwagen von 1968.



Mit dem knapp 580'000 Franken teuren Einzelstück schoss das Paar nicht nur leiser, sondern auch noch zügiger ins Eheglück als mit dem Original, denn der 300 PS starke Elektromotor beschleunigt in 5,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h und ist damit noch eine Sekunde flotter als der Verbrennungsmotor des Klassikers.

Kleinserie ab 2020 

In optischer Hinsicht ähnelt das Elektrogefährt dem Ur-E-Type hingegen fast wie ein Ei dem anderen. Lediglich LED-Scheinwerfer bekam der neue alte Sportwagen noch spendiert und im Cockpit moderne Instrumente mit Touch-Display.

Für echte Puristen mag die Umwandlung eines E-Types in einen Elektroflitzer ein Sakrileg sein, doch Jaguar hat mit der öffentlichkeitswirksamen Inszenierung seiner Elektrofahrzeuge natürlich zukünftige Entwicklungen im Blick. Schliesslich will Grossbritannien bereits ab 2040 Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren verbieten, und einige andere Länder könnten hier noch schneller sein.



Zugleich registriert der Autohersteller bei solventen Kunden das wachsende Bedürfnis, zwar klassische Autos zu fahren – das allerdings mit mehr Komfort und ohne dass sie extra eine Schrauber-Ausbildung absolvieren müssen.

Und selbst wenn einem die schöne neue Autowelt dann doch nicht zusagen sollte, ist der etwaige Rückbau eines «E-Type Zero» recht schnell bewerkstelligt. Angeblich nur eine Woche dauert es, bis man dann wieder seinen alten «Verbrenner» fahren kann. Bereits ab Sommer 2020 will Jaguar seinen Elektro-Flitzer im klassischen Gewand in in einer Kleinserie produzieren, zu einem Preis, der auf jeden Fall jenseits der 340'000 Franken liegen dürfte.

Fast jeder Oldtimer kann umgerüstet werden

Wer bereits seine vorhandenen alten Schätze elektrifizieren lassen möchte, kann sich inzwischen an einige hierauf spezialisierte Unternehmen wenden. Die Umrüstung auf Elektroantrieb muss hier «nicht immer gleich ein Vermögen verschlingen», wie das Mobilitätsportal «Edison» des «Handelsblatts» schreibt. Losgehen tun die Preise für Umbauten einfacherer Fahrzeuge bei umgerechnet knapp 12‘000 Franken. Nach oben sind allerdings bei teuren Oldtimern fast keine Grenzen gesetzt. Und natürlich ist auch zu beachten, dass man mit der Umrüstung den Oldtimerstatus seines Fahrzeugs verliert.

Auch das Geschäft elektrifizierter Replikas boomt. Hier sind etwa auch die Schweizer Micro Mobility Systems AG aus Küsnacht vertreten, die mit ihrem «Microlino» die Erinnerung an die legendäre BMW Isetta wachhalten. Das nur 435 Kilogramm schwere Dreirad soll immerhin eine Höchstgewschwindigkeit von 90 km/h erreichen können und eine Reichweite von 200 Kilometer haben. Erste Fahrzeuge sollten Anfang dieses Jahres ausgeliefert werden, zu einem Preis von etwa knapp 14‘000 Franken.



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