Nicht für Dichtigkeit ausgelegt Expedition zeigt: Atommüll-Fässer im Atlantik teils kaputt

Gabriela Beck

11.7.2025

Etliche Staaten entsorgten vor Jahrzehnten mitten im Atlantik Fässer mit Atommüll. Wo genau sie sind, war lange unklar - jetzt hat ein Forschendenteam rund 3.350 Fässer verortet.
Etliche Staaten entsorgten vor Jahrzehnten mitten im Atlantik Fässer mit Atommüll. Wo genau sie sind, war lange unklar - jetzt hat ein Forschendenteam rund 3.350 Fässer verortet.
dpa/Flotte Océanographique Française

Etliche Staaten entsorgten vor Jahrzehnten mitten im Atlantik Fässer mit Atommüll. Wo genau sie sind, war lange unklar. Eine Expedition kommt ihnen jetzt auf die Schliche.

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  • Einige der vor Jahrzehnten im Nordostatlantik versenkten Atommüll-Fässer sind beschädigt, bislang wurde jedoch keine erhöhte Radioaktivität gemessen.
  • Ein internationales Forschungsteam ortete rund 3.350 Fässer mithilfe eines Tauchroboters und entnahm Wasser-, Sediment- und Tierproben zur weiteren Analyse.
  • Die Fässer sind in sehr unterschiedlichem Zustand und könnten seit längerer Zeit geringe Mengen Radioaktivität freisetzen, da sie ursprünglich nicht für dauerhafte Dichtigkeit ausgelegt waren.

Vor Jahrzehnten entsorgte Atommüll-Fässer im Nordostatlantik sind nach vorläufigen Ergebnissen von Forschenden teils kaputt. Bei einigen Fässern sei nach einer ersten Sichtung von Fotos unbekanntes Material ausgetreten, wahrscheinlich das Bindemittel Bitumen, teilte die französische Forschungsorganisation CNRS mit. Das internationale Team ist von einer Suchmission nach Atommüll-Fässern zurückgekehrt. Erhöhte Radioaktivitätswerte stellte die Gruppe bisher aber nicht fest.

Insgesamt verortete das Team des Projekts NODSSUM (Nuclear Ocean Dump Site Survey Monitoring) den Angaben zufolge um die 3.350 Fässer auf einer Fläche von 163 Quadratkilometern. Dafür setzte es auch einen Tauchroboter ein, der unter anderem über eine Kamera für 3D-Bilder und ein Sonarsystem zur Ortung von Gegenständen verfügt. Die Forschenden analysierten zudem etwa 50 fotografierte Fässer und entnahmen etliche Proben von Wasser, Boden und Tieren.

Einige Oberflächen der untersuchten Fässer seien gerostet und mit Anemonen besiedelt, heisst es in der Mitteilung. Der Zustand der Behältnisse sei unterschiedlich – intakt, verformt oder aufgerissen.

Verfeinerte Messungen zur Radioaktivität stehen noch aus

Die Messinstrumente für Strahlung hätten Werte auf dem Niveau des natürlichen Umgebungs-Hintergrundrauschens gezeigt, führt der CNRS weiter aus. «Feine Radioaktivitätsmessungen im Labor an Sedimenten, Wasser und Fischen werden mehrere Monate Arbeit erfordern», teilte die Forschungsorganisation mit. Zwischen den 1950er und 1980er Jahren entsorgten etliche Staaten nuklearen Abfall im Ozean. Mindestens 200'000 Fässer werden alleine im Nordostatlantik vermutet – in 3000 bis 5000 Metern Tiefe.

Der Tauchroboter Ulyx, mit dessen Hilfe Fachleute im Nordostatlantik nach Fässern mit Atommüll suchen, die dort vor Jahrzehnten entsorgt wurden.
Der Tauchroboter Ulyx, mit dessen Hilfe Fachleute im Nordostatlantik nach Fässern mit Atommüll suchen, die dort vor Jahrzehnten entsorgt wurden.
dpa/Flotte Océanographique Française

Die Gruppe aus 21 Forschenden war vier Wochen lang mit ihrem Schiff «L'Atalante» in einem Areal im Westeuropäischen Becken des Atlantiks unterwegs. In dem Gebiet soll wohl die Hälfte der Abfälle gelandet sein. Die Expertinnen und Experten untersuchten, wo die Fässer liegen und welchen Einfluss sie auf das örtliche Ökosystem haben.

Projektleiter Patrick Chardon geht davon aus, dass bei den allermeisten nuklearen Abfällen im Nordatlantik die Radioaktivität nach etwa 300 bis 400 Jahren quasi verschwunden sein dürfte. Jedoch seien die Fässer damals so konzipiert worden, dass sie dem Druck der Tiefe standhalten, nicht aber so, dass sie die Radioaktivität wirklich einschliessen. Schon seit längerem könnte Radioaktivität aus den Behältern entweichen, vermutet der Atomphysiker.

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