Wie Schweizer Seen unter der invasiven Quagga-Muschel ächzen

tafi/SDA

10.3.2020 - 18:06

Quagga-Muscheln  stammen ursprünglich aus dem Einzugsgebiet des Schwarzen Meeres, finden aber auch Schweizer Seen äusserst anziehend – und das wird zunehmend zu einem Problem.
KEYSTONE/AP/TED S. WARREN

Vor nicht einmal vier Jahren wird die Quagga-Muschel erstmals in der Schweiz nachgewiesen. Mittlerweile hat sie den Bodensee und andere Gewässer fest im Griff. Mit drastischen Folgen: Fische finden kein Futter mehr,  und Trinkwasseranlagen verstopfen.

Die Quagga-Muschel breitet sich seit rund drei Jahren massenhaft in Schweizer Seen aus – und richtet teils erheblichen Schaden an. Wie SRF berichtet, ist das ursprmnglich aus dem Einzugsgebiet des Schwarzen Meeres stammende Tier mittlerweile im Bodensee, dem Genfer-, Neuenburger- und im Bielersee nachgewiesen. Dort frisst die Muschel einheimischen Arten die Nahrung weg und bedroht damit den Fischbestand.



«Im Gegensatz zu anderen Muscheln kann sich die Quagga-Muschel das ganze Jahr über vermehren», erklärt Piet Spaak bei SRF. Sie könnten in kurzer Zeit ganz Muschelbänke bilden. Der Ökologe vom Wasserforschungsinstitut Eawag der ETH Zürich befürchtet, dass «in Zukunft für die Fische einfach nicht mehr genügend Futter gibt.» Seine Sorge dürfte berechtigt sein: Im Bodensee gehen die Fangmengen seit Jahren stark zurück.

Quagga-Muscheln wachsen auf dem Boden in einer technischen Anlage der Bodenseewasserversorgung. Die Muschel breitet sich seit mehreren Jahren massiv im Bodensee aus.
Patrick Seeger/dpa

Muscheln verstopfen Wasserleitungen

Aber nicht nur die Fischbestände sind durch die invasive Art bedroht. Die bis zu 40 Millimeter grossen Tiere setzen sich auch an technischen Anlagen in den Seen fest. So habe der Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung vier Mitarbeiter zusätzlich eingestellt um die Anlagen zu reinigen, erklärte eine Sprecherin gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Ausserdem will der Zweckverband seine Aufbereitungsanlagen anpassen und Seeleitungen einsetzen, die ebenfalls gereinigt werden können.



Ziel sei zudem, die Ausbreitung der Muschel ins Trinkwassernetz zu verhindern. Das geschehe unter anderem mit Hilfe von Ozon, das die Larven der Quagga-Muschel abtötet. Sandfilter entfernten sie dann aus dem Wasser. «Wir gehen nach dem heutigen, noch sehr frühen Stand der Planung von Investitionen in Höhe eines mittleren dreistelligen Millionenbetrages aus», sagte die Sprecherin weiter.

Die Quagga-Dreikantmuschel kommt in verschiedenen Grössen und Farben vor. (Archivbild)
Keystone/United States Geological Survey

Per Boot eingeschleppt

Die Quagga-Muschel kommt ursprünglich aus dem Einzugsgebiet des Schwarzen Meeres. 2016 wurden erste Tiere im Bodensee gefunden. Wie sie dorthin gelangt sind, lässt sich den Experten zufolge nicht mehr genau rekonstruieren.



Relativ wahrscheinlich sei eine Einschleppung per Boot oder Wassersportausrüstung, sagte Thorsten Rennebarth vom deutschen Institut für Seenforschung in Langenargen. Denkbar sei auch, dass die Tiere über Wasservögel vom Rhein eingeschleppt wurden.

Auch auf der deutschen Seite des Bodensees beobachtet man genau, welche Auswirkungen die Quagga-Muscheln auf das Ökosystem haben. Auch für Rennebarth ist absehbar, «dass die Muscheln in den Massen, in denen sie den Seegrund besiedeln, eine Nahrungskonkurrenz im See darstellen.»

Berüchtigte invasive Tierarten

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