Horrorclowns und Zombies beschäftigen auch die Forschung

Sebastian Fischer, dpa

31.10.2020

Eine furchteinflössende Clownmaske steht zum Kauf.
Bild: Keystone

Clowns sind vielen Menschen nicht ganz geheuer – das gilt nicht nur an Halloween. Woher diese Angst kommt und ob Knobli tatsächlich vor Vampiren schützt: Wissenschaftler haben genau hingeschaut.

Zu Halloween kommen sie aus ihren Verstecken: Vampire, Zombies, Geister und Hexen. Dass dieses Jahr der Schreckabstand coronabedingt etwas grösser ausfallen muss, hält Monster womöglich nicht von einem Angriff ab.

Gut, wer gegen eine Vampir-Attacke mit Knoblauch ausgerüstet ist – das sagt zumindest der Volksmund. Ist daran etwas dran? Diese und andere Grusel-Mythen auf dem Prüfstand:

Kann man sich Vampire mit Knoblauch vom Hals halten?

Knobli zu naschen in der Hoffnung, damit einen nächtlichen Besuch Draculas abwehren zu können – das könnte sich als fataler Irrtum herausstellen. Denn das weisse Gewächs ist dafür bekannt, das menschliche Blut gesünder und dünner machen zu können. Für Vampire wäre es womöglich der reinste Festschmaus.

Zwei norwegische Forscher haben vor Jahren das Verhalten von Blutsaugern gegenüber der duftenden Knolle untersucht. «Aufgrund des Mangels an Vampiren verwendeten wir stattdessen Blutegel», schreiben Hogne Sandvik und Anders Baerheim in ihrer Untersuchung von 1994.

Die Tiere mussten sich zwischen einer mit Knoblauch beschmierten und einer sauberen Hand entscheiden. Das Ergebnis: Zwei von drei wählten die Stinkepranke. Ausserdem brauchten sie an der Knoblauch-Hand nur knapp 15 Sekunden, um sich festzusaugen – an der sauberen dauerte es dreimal länger.

Bei einer anderen Blutsauger-Spezies, der Mücke, haben Laborstudien dagegen überhaupt keinen Einfluss des Knoblauchs feststellen können, wie die American Mosquito Control Association schreibt: weder als Abwehr- noch als Lockmittel. Ob sich Vampire am Ende doch anders als Blutegel oder Mücken verhalten? Abwarten.

Knobli hat zumindest bei Blutegeln keine abschreckende Wirkung.
Bild: Keystone

Warum wirken Clowns auf manche Menschen gruselig?

Es gibt Horrorclowns wie Pennywise aus Stephen Kings Kultroman «Es» oder den fiesen Batman-Gegenspieler «Joker». Diese Figuren wurden eigens erdacht, um Angst und Schrecken zu verbreiten. Doch auch die vermeintlich netten Spassmacher, die Luftballonfiguren formen und tollpatschig über die eigenen Quadratlatschen stolpern, treiben dem einen oder der anderen Angstschweiss auf die Stirn. Die krankhafte Furcht vor Clowns hat sogar einen eigenen Namen: Coulrophobie.



Die US-Psychologen Francis T. McAndrew und Sara S. Koehnke fanden 2015 in ihrer Untersuchung über das Wesen des Gruselns («On the Nature of Creepiness») heraus: Viele haben ein mulmiges Gefühl bei Eigenschaften, die Clowns häufig zugeschrieben werden – etwa wenn das Verhalten eines Gegenübers nicht vorherzusagen ist oder Mimik und Gestik nicht richtig gedeutet werden können.

Zwar hätten bei der Befragung ungewöhnliche Merkmale wie übermässig lange Finger, hervortretende Augen oder ein eigenartiges Lächeln an und für sich das Gruselempfinden nicht erhöht, schreibt McAndrew. «Doch können seltsame körperliche Merkmale alle anderen unheimlichen Tendenzen verstärken.» Die Probanden fanden Clowns am schaurigsten – vor Tierpräparatoren, Sexshop-Besitzern und Bestattern.

Doch das ist nur die eine Seite: Studien belegen andererseits, dass sich Clowns zum Beispiel bei kranken Kindern positiv auf die Genesung auswirken können. Und auch Horror-Altmeister Stephen King schrieb einmal: «Die meisten von ihnen sind gut, muntern die Kids auf, bringen die Leute zum Lachen.»

Warum laufen Zombies so komisch?

Im Kino werden Zombies meist als langsam trottende, steife Wünschelruten gezeigt, die getrieben vom Drang nach Frischfleisch ihren Opfern mit ausgestreckten Armen und abgehackten Schritten hinterherlaufen. Die Opfer segneten in Filmen wie «Dawn of the Dead» (1978) meist erst dann das Zeitliche, wenn sie von einer ganzen Horde umzingelt waren.



Was ist nur los im Hirn der Untoten? Dieser Frage sind die beiden US-Neurowissenschaftler Timothy Verstynen und Bradley Voytek 2014 in ihrem Buch «Do Zombies Dream of Undead Sheep?» («Träumen Zombies von untoten Schafen?») nachgegangen.

Weil die Monster zielgerichtet auf ihre Opfer zusteuern, sind nach Meinung der beiden Forscher zwar die für Bewegungsabläufe wichtigen Bereiche in der Grosshirnrinde – der Motorcortex – weitestgehend intakt. Doch aus dem schwerfälligen Schritt und den starren Bewegungen schliessen sie, dass möglicherweise die sogenannten Basalganglien oder das Kleinhirn nicht mehr richtig funktionieren. Ganz so wie bei Parkinson-Patienten, Menschen mit Ticks oder Ataxie-Kranken, bei denen das flüssige Zusammenspiel von Bewegungsabläufen gestört ist.

Forscher Voytek machte aber klar: «Keine Art von Hirnschaden könnte so etwas wie einen Zombie ermöglichen.»

Zombie-Fans treffen sich immer wieder zu sogenannten Zombie Walks, wie hier 2012 in Paris.
Bild: Keystone
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