Wie ich drei Meisterpartys in vier Tagen (üb)erlebte

Martina Baltisberger

29.12.2018

Drei Partys innerhalb von vier Tagen: Rappi feiert den Aufstieg, YB den ersten Meistertitel nach 32 Jahren und ZSC Lions den neunten Titel der Geschichte.
Bild: Keystone

Von einer Bierdusche zur anderen: Unsere Reporterin stellte sich dieses Jahr innert vier Tagen zwei Meisterfeiern und einer Aufstiegsparty.

Es hätte eigentlich der grosse Tag der ZSC Lions werden sollen. Doch es kam anders. Es ist Mittwoch, der 25. April, ein angenehmer Frühlingsabend. Ich sitze auf der Medientribüne im Hallenstadion und beobachte das Spiel ZSC gegen Lugano. Alle Augen sind auf die Zürcher Favoriten gerichtet: Sie können an diesem Abend den Sack zumachen und den Meisterpokal in trockene Tücher wickeln. Doch Lugano gibt sich nicht so leicht geschlagen. Die Tessiner machen sich das Siegestor kurz vor Schluss in der 57. Minute. Enttäuschung bei den Zürchern. Es kommt zur Entscheidung in Lugano.

Und dann ist klar: Ich muss nach Kloten

Die Musik an diesem Abend spielt in Kloten. Rapperswil-Jona schafft im letzten Auswärtsspiel der Ligaqualifikation die Sensation. In der Verlängerung der siebten Partie schiessen sie das entscheidende Tor und steigen auf. Für mich ist sofort klar: Ich muss nach Kloten.

Ich packe meine Kameraausrüstung und düse los. Schon bald fahre ich auf das Gelände der Swiss Arena. Die Security will mich nicht durchlassen. Sie versteht nicht, warum ich an einen Match muss, der bereits vorbei ist. Ich lasse nicht locker. Mit Erfolg! Man lässt mich durch. Ich renne in die Halle, die Fans strömen mir entgegen, es gibt fast kein Durchkommen. Ich gehe direkt zur Spielerkabine, um die feiernden Aufsteiger vor die Kamera zu kriegen.

Rappi feiert durch die Nacht

Rappi feiert durch die Nacht

21.12.2018

Geschafft! Als Letzte komme ich in der Kabine an. Meine Berufskollegen sind längst verschwunden. Was dann passiert, hätte ich nicht erwartet. Zur Feier des Tages führen die Spieler gerade ihr Team-Ritual durch. Sie bilden einen Kreis, Schulter an Schulter. Ich befinde mich mit der Kamera in ihrer Mitte, kann alles hautnah filmen. Doch das Ritual endet für mich abrupt – mit einer Bierdusche.

Die Party geht im Bus weiter. Meine biernassen Haare trocknen nur langsam. Aber das ist mir egal: Noch immer bin ich die einzige Journalistin, welche die Spieler in diesen Momenten begleitet. Rappis Hymne «Rose Tattoo» dröhnt aus den Lautsprechern, die Stimmung ist auf dem Höhepunkt. Die Mannschaft realisiert endlich, dass sie es geschafft hat. Ich fange alle Emotionen mit der Kamera ein. In der Altstadt feiern die Spieler und die Fans die ganze Nacht weiter. Morgens um sieben Uhr falle ich nach getaner Arbeit todmüde ins Bett.

ZSC Lions holen doch noch den Titel

Das war erst der Anfang dieser unglaublichen Woche. Am Freitagnachmittag reise ich nach Lugano. Es regnet. Kein gutes Omen für die Sonnenstube der Schweiz, wie sich ein paar Stunden später herausstellen sollte: Die ZSC Lions werden mit einem 2:0-Sieg in der Belle zum neunten Mal Schweizer Meister. Lugano im Elend. Tränen bei Philippe Furrer, der von seinen Teamkollegen in die Arme genommen wird. Das hat mir einmal mehr gezeigt, wie nahe Freud und Leid beisammen sind. Für mich geht es nach einer weiteren ausgelassenen Kabinenfeier zurück nach Zürich, wo die Fans auf ihre Meisterhelden warten.

Jérôme Bachofner übernimmt meine Arbeit und versucht sich bei der Meisterfeier als VJ. 
Bild: Pius Koller

In der Mitte einer gelb-schwarzen Masse

Ich komme am Samstagmorgen um acht Uhr nach Hause. Viel Zeit bleibt nicht, um mich auszuruhen. Denn YB kann an diesem Abend nach 32 Jahren wieder Meister werden. Mit zwei Partys in den Knochen stehe ich schliesslich pünktlich am Spielfeldrand. Die Security kommt kurz vor Spielende auf mich zu. Letzte Instruktionen, falls es zu einer Meisterfeier kommen würde. 

Beim 2:1 brechen alle Dämme

Beim 2:1 brechen alle Dämme

21.12.2018

In der 89. Minute brechen alle Dämme: Jean-Pierre Nsame schiesst das 2:1 für YB. Erlösung! Nach dem Abpfiff gerät alles aus den Fugen. Eine gelb-schwarze Masse rennt auf mich zu und zum Glück auch an mir vorbei. Ich merke schnell, dass ich die letzten Instruktionen vergessen kann. Improvisation ist auch bei diesem Meistertitel gefragt.

Was für eine unglaubliche Woche! Es scheint wahrscheinlich, dass sich eine solche «Triplette» auf längere Zeit nicht mehr abspielen wird. Die Meistertitel der National League und Super League haben sportlich gesehen gewiss einen höheren Stellenwert als der Aufstieg der Lakers. Gerade die Meisterparty in Bern war ganz bestimmt etwas vom Verrücktesten, was die Hauptstadt in den letzten Jahren erleben durfte. Und es war eine Ehre, dabei sein zu dürfen. Doch – obwohl der Biergeruch inzwischen aus meinen Haaren raus ist – hatte die Aufstiegsfeier mit den Rapperswil-Jona Lakers einen Hauch unerwarteter Magie.

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