Bereits in Sion an vorderster Front – Stadionverbot für Stefan N.

lbe

14.5.2019

GC-Chaoten sorgen für den Spielabbruch in Luzern.
Bild: Keystone

Obwohl man ihn beim Grasshopper Club nach dem Spielabbruch in Sion bereits kennt, darf Stefan N. auch gegen den FC Luzern ins Stadion. Jetzt spricht die Liga das überfällige Stadionverbot aus.

Am vergangenen Sonntag tritt der abstiegsbedrohte Grasshopper Club Zürich in der Swisssporarena gegen den FC Luzern zum Spiel der letzten Chance an. Gegen die Innerschweizer ist ein Sieg Pflicht, will man weiterhin vom Ligaerhalt träumen. Doch die Mannschaft von Uli Forte verspielt die Hoffnung leichtfertig, ist nach etwas mehr als einer Stunde in Unterzahl und vier Tore im Rückstand – eine auswegslose Situation.

Das denken sich auch die Anführer der GC-Ultraszene, wie beim Auswärtsspiel in Sion im März, als ebenfalls ein Spielabbruch provoziert wurde. Die meisten Täter verstecken ihre Gesichter hinter Sonnenbrillen, Schals und Kapuzen. Mit einigen wenigen Ausnahmen.

Ein gross gewachsener Mann mit Glatze und grauem Bart, dessen Kopf mit Tattoos überdeckt ist, scheint keinen Hehl aus seiner Identität zu machen. Der Name Stefan N. ist nicht nur den Anwesenden in der Kurve ein Begriff. «Den kennt man. Der war nicht vermummt und bekommt umgehend Stadionverbot wegen Betreten des Stadion-Rasens», sagt Liga-Präsident Heinrich Schifferle.

Bereits in Sion beteiligt

Stefan N. soll seit Jahren im Dunstkreis der Hoppers-Fanszene aktiv sein und bereits zu erfolgreicheren Zeiten im Hardturm hinter dem Tor in der Estrade Ost gestanden haben, berichtet «Blick». Zu Beginn der 2000er-Jahre soll er sich bei der berüchtigten Hooligan-Gruppierung «Hardturm Front» einen Namen gemacht haben. 

Auf Videos ist zu sehen, wie Stefan N. schon beim Spielabbruch in Sion an vorderster Front mitwirkt. Der Aufschrei damals war gross, die Forderungen deutlich. Obwohl GC und die Liga den Übeltäter kennen, ist der Rädelsführer in Luzern aber erneut im Stadion. GC nimmt auf Anfrage Stellung: Man wisse, dass Stefan N. auch in Sion im Stadion war. Dass die Fankurve rechtsorientiert handle, stimme aber nicht, lässt die Pressestelle des Rekordmeisters verlauten.

Braunes Gedankengut in der GC-Kurve?

Aber: In Luzern wird der Fan-Mob von Stefan N. angeführt, einem Mann, der schon beinahe zwei Jahrzehnte in der rechten Szene aktiv ist. Das auf die Brust tätowierte Hakenkreuz lässt keinen Platz für Spekulationen. «Ehre, Treue, Vaterland» steht über dem Symbol. Im Magazin «Facts» erschien bereit vor 16 Jahren ein Artikel über das damalige Mitglied der Skinhead-Organisation «Patriotischer Ostflügel», die gegen Regierung, Linke und die Ausländer kämpfte. «Ich kann nicht zusehen, wie unser Land kaputtgeht», wird Stefan N. darin zitiert.



Der Winterthurer soll auch bei einschlägigen Gruppen wie «Blood and Honour» Mitglied gewesen sein und in einer Neonazi-Band Musik gemacht haben. 2012 sass er bei einem Prozess gegen einen bekennenden Neonazi im Zuschauerraum, um diesen zu unterstützen.

Facebook-Profil gelöscht

Sein Umfeld glaubt, dass sich Stefan N. heute von der rechten Szene losgesagt habe. Tatsächlch wechselte er im Jahr 2014 ausgerechnet zu den «United-Tribuns», eine Gruppe von Rockern aus dem Balkan. Doch gemäss seinem Facebook-Profil ist Stefan N. ideologisch ganz weit rechts anzusiedeln, prangt doch die Abkürzung «Hoonara» auf seiner Profilseite. Ausgeschrieben bedeutet das: «Hooligans, Nazis, Rassisten.»

Doch als «Blick» ihn mit den Vorwürfen konfrontiert, verschwindet das angesprochene Facebook-Profil vom Netz.

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