WM-Ticker vom 10. Juli WM-Ticker: Franzosen spenden ++ Doppelbürger-Debatte in Serbien ++ Sampaoli bleibt im Amt ++ Frankreich gegen Belgien – ein Duell unter Bekannten

Teleclub

10.7.2018

Bereits in jungen Jahren vorbildlich: Kylian Mbappé  
Bereits in jungen Jahren vorbildlich: Kylian Mbappé  
Getty Images

Erster Halbfinal-Tag in Russland: Frankreich trifft in St. Petersburg auf Belgien. Was gibt vor dem Duell zu reden? Wir bleiben für Sie am Ball, damit Sie nichts Wichtiges verpassen.


+++ Verfolgen Sie den Halbfinal zwischen Frankreich und Belgien ab 20 Uhr in unserem Liveticker oder vià Swisscom TV-Air im Livestream +++


Nach dem Vorbild Mbappé: Jeder Franzose spendet

Wie Bluewin berichtete, hat der 19-Jährige französische Superstar bereits vor Beginn der Weltmeisterschaft entschieden, seine komplette Prämie der gemeinnützigen Organisation «Premier de Cordees» zu spenden. Die Einrichtung sorgt sich unter anderem für sportliche Aktivitäten in Kinderkrankenhäusern.

Noël Le Graët, der Präsident des französischen Fussballverbandes (FFF), hatte nach eigener Aussage vor kurzem mit Mbappés Eltern gesprochen. Diese fänden es komplett vernunftwidrig, wie viel Mbappé verdient in seinem jungen Alter. Durch den Halbfinaleinzug der Franzosen beläuft sich die Summe der Prämie auf 150'000 Euro pro Spieler und würde sich bei einem Sieg über Belgien (heute live ab 20.00 Uhr) beinahe verdoppeln.

Le Graët teilte nun mit, dass gemeinsam als Gruppe entschieden wurde, dass jeder Spieler zumindest einen Teil seiner Prämie spendet. In einem Kader von 23 Spielern ergibt dies einen potentiellen Spendebetrag von 6,4 Millionen Euro. Allein diese Entscheidung des FFF liefert Grund genug, heute Abend auf einen Sieg für «Les Bleus» zu hoffen. Insbesondere der sympathischen Nummer 10 würden dies wohl die Meisten gönnen. 


Doppelbürger-Debatte in Serbien: «Subasic verleugnet seine Wurzeln»

Der kroatische Penalty-Held Danijel Subasic steht aktuell im Mittelpunkt des Interesses – nicht nur aufgrund der gezeigten Leistungen. Serbische Medien reklamieren den Torwart wegen der serbischen Herkunft seines Vaters für sich. So behauptet beispielsweise der Miodrag Linta, Chef des serbischen Flüchtlingverbandes, gegnüber der Boulevardzeitung «Srpski telegraf», Subasic würde «seine Wurzeln verleugnen», um Repressalien in Kroatien zu entgehen. 

Subasic hatte bereits früher schlechte Erfahrungen wegen seiner serbischen Wurzeln machen müssen. Als der damals 22-Jährige um die Hand seiner kroatischen Freundin anhalten wollte, stiess dies auf wenig Gegenliebe bei deren Vater Ante Bozza: «Ich werde dich umbringen, wenn du einen Serben heiratest» soll er geschrien haben, bevor er seine Tochter schlug und daraufhin verhaftet wurde. 

Jovo Subasic, Danijels Vater, erklärt, dass sich sein Sohn als Kroate sehe, allerdings orthodoxen und nicht katholischen Glaubens sei. Dies reiche manchmal schon, in Kroatien als Serbe abgestempelt zu werden oder in Serbien als einer der ihren beansprucht zu werden. 

Der Torwart der AS Monaco selbst betont: «Kroatien ist meine Heimat, Zadar ist meine Stadt.» Die Liebe zu seiner Heimat hätte er an dieser WM bisher nicht besser unter Beweis stellen können. 

Der serbische «Kurir» titelte am 1. Juli: Wer ist der Serbe, der Kroatien ins Viertelfinal der WM brachte?
Der serbische «Kurir» titelte am 1. Juli: Wer ist der Serbe, der Kroatien ins Viertelfinal der WM brachte?
Bild: Screenshot kosmo.at

Kroaten entlassen Assistenztrainer

Kurz vor dem Halbfinal-Kracher gegen England hat der kroatische Verband mitgeteilt, dass Assistenztrainer Ognjen Vukojevic nicht mehr teil des Trainerstabs sei. Grund dafür ist das Pro-Ukraine-Video des kroatischen Verteidigers Domagoj Vida, in dem er auf den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine anspielt. Ognjen Vukojevic ist in diesem Video auch zu sehen und wurde deshalb nun aus der kroatischen WM-Delegation ausgeschlossen.

Domagoj Vida wurde von der FIFA für den Clip mit einer Verwarnung belegt, der kroatische Verband musste ausserdem 15’000 Franken Busse bezahlen.


Martinez erwartet schweres Spiel

Belgien-Trainer Roberto Martinez äussert sich vor dem Halbfinal-Kracher zum Gegner aus Frankreich und lobte die «Équipe Tricolore» in den höchsten Tönen: «Sie haben eine starke Kombination mit Mbappé, Giroud, Griezmann und Pogba und eine gute Balance durch Spieler wie Kanté oder Matuidi. Das Talent dieser Mannschaft ist riesig.» Martinez erwartet ein aussergewöhnliches Spiel. Wir hoffen, er behält Recht. 


Sampaoli bleibt vorerst im Amt – und übernimmt auch noch die U20

Trotz der Enttäuschung an der WM in Russland mit dem frühen Ausscheiden in den Achtelfinals bleibt Jorge Sampaoli vorerst Trainer der argentinischen Nationalmannschaft.

Sampaoli übernehme zunächst sogar zusätzlich die Verantwortung für das U20-Team, teilte der Verband nach einem Treffen des früheren Sevilla-Coaches mit der Verbandsspitze mit. Ende dieses Monats wird sich das Exekutivkomitee des Verbands allerdings erneut mit Argentiniens Abschneiden an der WM befassen.

Der 58-jährige Sampaoli besitzt noch einen laufenden Vertrag bis zur WM 2022.


Pavard und Hernandez: Frankreichs grosse Überraschungsmänner sind zwei Aussenverteidiger

Zwei 22-jährige Aussenverteidiger entwickeln sich in Frankreichs Nationalteam überraschend zu Teamstützen. Ihren fulminanten Aufstieg hat nicht zuletzt Didier Deschamps initiiert. Benjamin Pavard und Lucas Hernandez sind bislang die grossen positiven Überraschungen beim EM-Finalisten. Sie spielen nicht nur solide, sondern waren dann entscheidend, als es am meisten zählte. Hier geht's zum kompletten Artikel.


Halbfinal-Prognose: Auf der Redaktion fliegen die Fetzen

Der erste WM-Halbfinal steht vor der Tür. Belgien gegen Frankreich – wer gewinnt? Auf der Redaktion gehen die Wogen hoch. Raubein Lämmle geht davon aus, dass sich die Franzosen durchsetzen. Flügelflitzer Arnet hält mit Argumenten für Belgien dagegen. Hier entlang!

Belgien gegen Frankreich: Auch ein Duell der Superstars. Griezmann und Mbappé gegen Hazard und Lukaku.
Belgien gegen Frankreich: Auch ein Duell der Superstars. Griezmann und Mbappé gegen Hazard und Lukaku.
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Ein Duell unter Bekannten

Frankreich und Belgien machen heute den ersten Finalisten dieser WM unter sich aus. Viele der Protagonisten beider Teams kennen sich aus dem Liga-Alltag und haben einen Bezug zum Gegner.

Das Bild machte in den Tagen vor dem ersten WM-Halbfinal die Runde. Wie Eden Hazard mit seinen beiden Brüdern Thorgan und Kylian im Jahr 2000 in einem Familienurlaub auf einem Foto posiert, alle mit einem Fussball-Shirt mit der Nummer 10. Es ist aber nicht das belgische Nationaltrikot, das die drei Brüder tragen, sondern das französische, jenes von Zinédine Zidane.

Wenn Belgien am Dienstag in St. Petersburg zum zweiten Mal nach 1986 um den Einzug in einen WM-Final spielt, führt Eden Hazard Belgien als Captain im Trikot mit der Nummer 10 auf das Feld. Der 27-Jährige hat einen besonderen Bezug zu Frankreich. Nur wenige Kilometer von der französischen Grenze aufgewachsen, wechselte Hazard als 14-Jähriger in die Nachwuchsabteilung des OSC Lille, wo er zwei Jahre später seinen ersten Profivertrag unterschrieb. Nach dem Gewinn des Double 2011 und als bester Spieler der Ligue 1 (2011/2012) verliess er Frankreich 2012 in Richtung London zu Chelsea.

Hazard steht als Symbol für die vielen Gemeinsamkeiten der beiden Halbfinalisten. «Es wird ein ungewöhnliches Spiel», sagte Frankreichs Captain Hugo Lloris. «Wir sind Nachbarn und kennen uns gegenseitig mehr als nur gut.» Je zwölf Spieler begegnen am Dienstag einem Teamkollegen aus dem Kluballtag. Die belgischen Verteidiger Toby Alderweireld und Jan Vertonghen hören bei Tottenham Hotspur auf die Kommandos von Lloris, mit Eden Hazard, Thibaut Courtois, Olivier Giroud und N'Golo Kanté figurieren auf beiden Seiten je zwei Spieler von Chelsea in der Startaufstellung. Und auch bei Paris Saint-Germain stehen insgesamt vier Spieler beider Teams unter Vertrag, wobei der Belgier Thomas Meunier gesperrt ist.

Thierry Henry als fehlendes Puzzleteil

Eine besondere Rolle nimmt Thierry Henry ein. Der französische Rekord-Torschütze (51 Tore) mit den zweitmeisten Länderspielen in der Geschichte für «Les Bleus» (123) gehört zum Trainer-Staff der Belgier. «Er brachte das ein, was uns gefehlt hat: die Erfahrung, wie man einen grossen Titel gewinnt», sagte Belgiens Trainer Roberto Martinez über seinen berühmten Assistenten. «Er ist das perfekte Puzzlestück, das uns noch gefehlt hat.»

Frankreichs Trainer Didier Deschamps freut sich auf das Wiedersehen mit seinem ehemaligen Nationalmannschaftskollegen, mit dem er 1998 den bisher einzigen WM-Titel für Frankreich errungen hatte und zwei Jahre später auch den EM-Titel gewann. Dies sei sicherlich keine einfache Situation für ihn, sagte Deschamps. Zwar habe Henry mit Arsenal wohl oft gegen französische Teams gespielt, «aber gegen sein Heimatland anzutreten, hat doch noch eine ganz andere Bedeutung».

Co-Trainer, aber irgendwie auch Teamkollege: Thierry Henry.
Co-Trainer, aber irgendwie auch Teamkollege: Thierry Henry.
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Kanté ist Frankreichs Schlüsselspieler

Eine Schlüsselrolle im Duell der beiden besten Offensivteams dieser WM kommt N'Golo Kanté zu. Der defensive Mittelfeldspieler der Franzosen muss das schaffen, was Brasilien im Viertelfinal eine Stunde lang nicht gelungen ist: das belgische Umschaltspiel zu unterbinden. Kevin de Bruyne, Eden Hazard und Romelu Lukaku überforderten mit ihren Tempovorstössen die brasilianische Defensive immer und immer wieder.

Kanté spielt eine starke WM und gehört in den Kategorien Ballgewinne, Balleroberungen und gewonnene Zweikämpfe zu den Top 5 an diesem Turnier. Für das Gleichgewicht innerhalb seines Teams ist der 27-Jährige mit malischen Wurzeln unverzichtbar. «Er ist der beste Spieler der Welt auf dieser Position», lobte Eden Hazard in der «L'Equipe» seinen Teamkollegen von Chelsea. «Wenn er top ist, dann gewinnst du zu 95 Prozent das Spiel.»

Der Meister der Balleroberungen: Ngolo Kanté.
Der Meister der Balleroberungen: Ngolo Kanté.
Getty Images

Das Duell zwischen Hazard und Kanté ist nur eines vieler wegweisenden Duelle der Partie, in der sich die belgische Defensive einem weiteren Härtetest unterzieht. Frankreich verfügt in der Offensive über mindestens so viel Talent wie Brasilien. Schafft es Martinez mit seiner ausgeklügelten Taktik, nach Neymar, Philippe Coutinho und Gabriel Jesus auch Antoine Griezmann, Kylian Mbappé und Olivier Giroud zu stoppen? «Für die Mannschaft und ganz Belgien ist dies eine einmalige Chance», sagt der Spanier.

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