«Financial Fairplay» «Anwälte bis an die Zähne bewaffnet»: Wie Man City die UEFA einschüchterte

DPA / wer

14.7.2020

Alles unter Kontrolle bei Man City und seinen Inhabern. In der Mitte: Scheich Mansour Bin Zayed Al Nahyan, Sohn von Zayid bin Sultan Al Nahyan und Mitglied der Herrscherfamilie von Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Alles unter Kontrolle bei Man City und seinen Inhabern. In der Mitte: Scheich Mansour Bin Zayed Al Nahyan, Sohn von Zayid bin Sultan Al Nahyan und Mitglied der Herrscherfamilie von Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Bild: Getty

Die Reaktionen auf die Strafmilderung in der «Causa Manchester City» fallen heftig aus. Das Financial Fair Play scheine «tot oder im Koma zu sein», sagt etwa ein Sportrechtsexperte.

«Ich bin wirklich fassungslos und total enttäuscht. Es ist eine Katastrophe, das Waterloo für die Sportregelwerke. Eine Strafe von zehn Millionen Euro ist einfach eine Lachnummer, das hätte man sich auch sparen können», sagt der frühere Finanzchef der Deutschen Fussball Liga der «ARD Radio Recherche Sport». Müller hatte einst wesentlichen Anteil an der Ausarbeitung der Financial-Fairplay-Regeln der UEFA.



Er hat nach eigener Aussage «aus dem Hause der UEFA oder des europäischen Fussballs in Nyon», gehört, dass ein «unglaublich hoher Druck aufgebaut wurde von Manchester City und dass die Anwälte wirklich bis an die Zähne bewaffnet aggressiv aufgetreten sind». Es hätten «Einschüchterungsversuche» stattgefunden, so der 56-Jährige in dem ARD-Interview.

Das Financial Fairplay ist «tot oder im Koma»

Antoine Duval, Experte für Europäisches und Internationales Sportrecht am ASSER-Institut in Den Haag, sieht das Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs ebenfalls sehr kritisch. «Als Image bleibt hängen: Grosse Clubs, die sich teure Anwälte und kreative Wirtschaftsprüfer leisten können, die kommen viel besser mit den Financial-Fairplay-Regeln zurecht als mittlere und kleinere Clubs, die sich diese Anwälte und Buchhalter nicht leisten können», meint Duval. Das Financial Fairplay scheine seiner Meinung nach «tot oder im Koma zu sein».

Dass Manchester City in den kommenden zwei Spielzeiten doch in der Champions League spielen darf, hatte der Internationale Sportgerichtshof (CAS) am Montag entschieden. Die Richter hoben eine entsprechende Sperre der UEFA auf. Der Verband hatte den englischen Verein wegen Verstössen gegen die Finanzregeln sanktioniert, dagegen war Man City vor den CAS gezogen. Die zusätzliche Geldstrafe in Höhe von 30 Millionen Euro wurde auf zehn Millionen Euro reduziert. Lesen Sie hier unseren Kommentar dazu.


Internationale Pressestimmen zum CAS-Urteil im Fall Manchester City

«Times»: «Manchester City ist nicht freigesprochen – die UEFA hat es schlimm vermasselt.»

«Gazzetta dello Sport»: «Manchester City hat vor Gericht das grösste Spiel des Jahres gewonnen. (...) Dieses Urteil bedeutet eine politische Niederlage für die UEFA und das Financial Fair Play. (...) Dieses Urteil vertreibt die Wolken vom Himmel für Manchester City, aber es öffnet eine neue Front. Pep Guardiola hatte bisher die Einhaltung seines bis 2021 gültigen Vertrags garantiert, doch nun, da es für die internationale Zukunft des Clubs keine Hindernisse mehr gibt, beginnt das Spiel um die Erneuerung. Wird der katalanische Trainer die Verlängerung des Bundes mit Manchester City annehmen, oder wird er nach fünf Jahren in England neue Erfahrungen suchen?»



«BBC»: «Ein aufrecht erhaltenes Zwei-Jahres-Verbot wäre verheerend gewesen für die Finanzen des Clubs, seine Chancen, die besten Spieler halten zu können und – allen voran – seinen Ruf. (...) Die Glaubwürdigkeit des Financial Fair Play (FFP) liegt in Trümmern. Denn wie kann der FFP überleben, nachdem einer der reichsten Clubs der Welt – der der Behinderung einer UEFA-Untersuchung für schuldig befunden wurde, ein Club, der 2014 des Regelbruchs für schuldig befunden wurde – mit einer Geldstrafe von nur zehn Millionen Euro davongekommen ist? (...) Viele werden sich fragen, welche Art von Abschreckung das für andere Clubs, insbesondere für Clubs mit solchen finanziellen Mitteln, darstellt. Es zeigt, wie schwierig es für die Führungsgremien geworden ist, die Regeln durchzusetzen.»

«El Mundo»: «Der Freispruch für Manchester City bringt vergleichbare Delikte wieder auf den Tisch und stellt das aktuelle Modell des europäischen Fussballs in Frage.»

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