Egal, wie sich Messi entscheidet: Argentinien erfindet sich gerade neu

S10B

22.11.2018

Die Starelf von Argentinien beim letzten Spiel gegen Mexiko bietet einige neue Gesichter.
Bild: Getty

Ohne ihren Superstar Lionel Messi besiegte Argentinien zuletzt zweimal Mexiko. Dabei feierten Dybala und Icardi endlich ihre Torpremiere. Nun soll der längst fällige Umbruch eingeleitet werden.

Argentinien musste an der Weltmeisterschaft bereits im Achtelfinale gegen den späteren Sieger Frankreich die Segel streichen. Mbappé und Co. überforderten die Albiceleste mit ihrem Tempo  – Argentinien stellte mit einem Durchschnittsalter von 29 Jahren das zweitälteste Team an der WM. 

Schon die Gruppenphase war nur schwer zu verdauen für die 44 Millionen fussballverrückten Einwohner. Nur mit Müh und Not rettete sich der zweimalige Weltmeister in die K.o.-Phase. Die Spiele liefen immer im gleichen Muster ab: Das Team hatte zwar viel Ballbesitz (gegen Island 73 Prozent, Kroatien 58 Prozent, Nigeria 65 Prozent, Frankreich 60 Prozent), aber man fand keine kreativen Lösungen, weil die Gegner Taktgeber Messi zustellten. Im zentralen Mittelfeld tummelten sich viele aus der Kategorie Ü-30 (Mascherano 34 Jahre, Banega 30, Perez und Biglia 32), die zwar mit dem Ball umgehen konnten, aber keine Tempofestikeit aufwiesen.

Die Verletzung von Stammtorhüter Sergio Romero in der WM-Vorbereitung war eine zu grosse Hypothek. Die drei nominierten Goalies Armani, Caballero und Guzman brachten es vor der WM zusammen gerade mal auf elf Länderspiele. Kein Wunder, flatterten die Nerven bei den eingesetzten Schlussmännern. Trainer Jorge Sampaoli änderte vor jedem Spiel seine Taktik, was das Team zusätzlich verunsicherte.

Sampaolis unverzeihliche Fehler

Der nervöse Sampaoli liess zudem etliche Spieler nicht oder fast nicht auflaufen. Stürmerhoffnung Paulo Dybala durfte sich ganze 22 Minuten lang präsentieren, das 22-jährige Mittelfeldtalent Giovani Lo Celso blieb ohne Einsatz. Gar nicht erst ins Kader berufen wurde Mauro Icardi. Der 25-Jährige holte sich immerhin vier Mal die Torschützenkrone in der Serie A. Zu allem Übel lastete auf der Albiceleste vom Umfeld ein fast schon unmenschlicher Druck, was jedem Spieler förmlich anzusehen war. 

Icardi und Dybala: Die neuen (Sturm-)Hoffnungen der argentinischen Fussballfans.
Bild. Getty

Mit diesen Umständen war die bittere Niederlage für die einst stolze Fussballnation fast logisch. Immerhin scheint Argentinien nun endlich einen Umbruch einzuleiten. Einige ältere Spieler sind nach der WM schon zurückgetreten (unter anderem Mascherano und Biglia). Und Lionel Messi läuft in Absprache mit Interimstrainer Lionel Scaloni bis zum Jahresende nicht mehr für die Nationalelf auf. Ob der fünffache Weltfussballer danach tatsächlich zurückkehrt, steht in den Sternen. Bei der nächsten WM wäre Messi bereits 35 Jahre alt.

«Wir alle wollen Messi zurück im Nationalteam»

Paolo Dybala

In den letzten zwei Testspielen verzichtete Scaloni auch auf Sergio Agüero und Angel Di Maria. Routinier Gonzalo Higuain, im Nationalteam sowas wie der personifizierte Pechvogel, bekam ebenfalls kein Aufgebot.

Neues Sturmduo?

Beim letzten Spiel gegen Mexiko durften sich in der Offensive dafür Dybla und Icardi versuchen. Die Horrorbilanzen der beiden sonst so zuverlässigen Knipsern vor der Partie: Icardi sieben Spiele ohne Treffer, Dybala gar 17 Spiele erfolglos. Beim 2:0 Erfolg brachen nun endlich die Tordämme bei den Serie-A-Stars. Nach 71 Sekunden pflügte sich zuerst Icardi in seiner typischen Manier durch den Strafraum.  

Und kurz vor Schluss durfte endlich auch Juve-Legionär Dybala (für Icardi eingewechselt) nach einem Konter seinen berühmten Jubel zeigen. Dieser ist übrigens vom Gladiator-Film inspiriert.

Die Ausbeute nach der WM ist ganz ordentlich: Vier Siege, ein Remis (gegen Kolumbien) und eine Niederlage (gegen Brasilien in der Schlussminute). Das Team hat dabei elf Treffer erzielt und nur ein Gegentor zugelassen. Theoretisch war vom argentinischen Verband geplant, dass es die letzte Partie von Scaloni und seinem Co-Trainer Pablo Aimar auf der Bank war. Bei den nächsten Länderspielen im März 2019 sollte dann ein neuer Trainer vorgestellt werden.

Scaloni (l.) bespricht sich mit seinem Co-Trainer Aimar.
Bild. Getty

Die Spieler scheinen sich aber für ihren Chef Scaloni starkzumachen. Icardi meint: «Als ich zum ersten Mal ins Nationalteam kam, war es anders. Jetzt gibt es Unterstützung und Freundschaften.» Selbst Maxi Lopez könnte sich offenbar mit dem Gedanken anfreunden, dass sein Erzfeind Icardi zukünftig die Sturmspitze bildet: «Ich will immer, dass die Nationalmannschaft gewinnt. Also ist mir egal, wer dabei die Tore schiesst.» 

Vielleicht macht diese Tore wieder Lionel Messi. Immer wieder hiess es, der geniale Spielmacher wolle Icardi aufgrund der Geschichte mit Maxi Lopez (Icardi spannte seinem Teamkollegen die Frau aus) nicht im Nationalteam dabei haben. Zumindest Icardi selbst scheint offenbar nicht nachtragend zu sein:

«Messi muss zurückkommen. 2019 brauchen wir ihn bei der Copa America.»

Mauro Icardi
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