Nati-Coach Petkovic: «Wir müssen den Willen haben, Weltmeister zu werden»

pat

25.2.2020

Vladimir Petkovic will die Nati Schritt für Schritt besser machen.
Vladimir Petkovic will die Nati Schritt für Schritt besser machen.
Bild: Keystone

Nun ist es offiziell: Vladimir Petkovic bleibt bis 2022 Trainer der Schweizer Nationalmannschaft. An der Medienkonferenz spricht er über Fehler, Herausforderungen und Ziele.

Petkovic beantwortet Fragen

Für Sie war von Anfang an klar, dass Sie verlängern wollen?

Vor einiger Zeit hatte ich Zweifel gehabt. Aber als wir angefangen haben zu sprechen, ist es eigentlich schnell klar gewesen, dass ich weiter machen möchte.

Was meinen Sie mit einiger Zeit?

Das war in Russland. Da ist viel Negatives passiert in dieser Zeit. Ich habe mit Resultaten überlebt. Und jetzt habe ich mich weiterentwickelt und will besser auf Leute zugehen, nicht nur auf Journalisten.

Es gab Kritik, dass Sie die Spieler nicht oft genug besuchen …

Vier Jahre war ich sehr, sehr oft in den Stadien. Ein Jahr haben wir das etwas vernachlässigt. Aber in der letzten Zeit hat man mich wieder oft in den Stadien gesehen, nicht nur in der Schweiz.

Sind Sie nachtragend?

Ich war jetzt gerade essen, aber ich erinnere mich nicht, was ich gegessen habe.

Was sind die grössten Herausforderungen in den folgenden Monaten?

Wir müssen uns noch mehr stabilisieren. Aber gleichzeitig müssen wir hungrig bleiben. Im Klub muss man das Maximum herausholen, mehr spielen, zum richtigen Zeitpunkt in Form kommen. Im Kopf muss man unbegrenzte Ziele haben. Aber wir müssen Schritt für Schritt gehen. Wir müssen die Ambition und den Willen haben, Weltmeister zu werden.



Es gibt Spieler, die Probleme im Verein haben. Allen voran Shaqiri, aber auch Akanji, Seferovic und Embolo. Wie gehen Sie damit um?

Das muss man von weit weg betrachten. Ich wünsche allen, dass sie gesund bleiben. Xherdan hat schon einige Verletzungen gehabt und jetzt hoffen wir, dass er in den nächsten Wochen wieder auf dem Platz steht.

Was mit Akanji oder Seferovic passiert ist … Vielleicht bin ich sogar froh, dass sie eine Pause haben. So sind sie im Juni vielleicht sogar noch frischer. Aber allgemein wünsche ich meinen Spielern, dass sie spielen und dass sie in guter Form einrücken, denn wir haben nicht viel Zeit, uns vorzubereiten. Das Physische können alle verbessern, auch wenn sie nicht spielen. Aber ganz ohne Spielpraxis ist es schwierig bei uns zu spielen. Voraussetzung für alle Spieler ist, dass sie spielen. 

Wissen Sie mehr über Shaqiris Gesundheitszustand?

Vor ein paar Tagen habe ich das letzte Mal mit ihm gesprochen. Aber der medizinische Staff sollte darüber sprechen. Er ist noch nicht bereit, 100 Prozent zu leisten. Er ist nach einer Verletzung zu früh zurückgekehrt und so hat sich der Zustand wieder verschlechtert. Wir sind grundsätzlich mit allen Vereinen und Spielern in Kontakt. Wir haben uns diesbezüglich professionalisiert, auch im gesundheitlichen und taktischen Bereich, überall. Bei fast jedem Spiel ist jemand von uns dabei, das muss nicht immer ich sein.

Ist Ihnen ein Spieler aufgefallen, der noch nie gespielt hat in der Nati und nun zum Thema werden könnte?

Für den Sommer dürfte es schwierig werden. Aber es gibt viele interessante junge Spieler. Und wenn ich einen 16- oder 17-Jährigen sehe, der konkurrenzfähig ist, dann werde ich ihn gerne nehmen.



Die Statements von Blanc, Petkovic und Tami

Zentralpräsident Dominique Blanc erklärt, weshalb man den Vertrag mit Petkovic verlängert hat: «Mit Vladimir Petkovic hat sich die Nationalmannschaft für alle grossen Finalturniere qualifiziert. Er hat die Mannschaft kontinuierlich verjüngt und zu einer starken Einheit geformt, welche regelmässig unsere Bevölkerung begeistert. Petkovic steht für Qualität und Kontinuität. Wir sind überzeugt, dass wir zusammen mit ihm ein weiteres Kapitel der Erfolgsgeschichte des Schweizer Fussballs schreiben können.»

Vladimir Petkovic: «Ich bin sehr glücklich und stolz, dieses tolle Team, das unser Land repräsentiert, weiterhin coachen zu dürfen. Wir haben uns sportlich und strukturell neu organisiert und professionalisiert, um uns weiter zu verbessern. Es ist nicht selbstverständlich, dass mir meine Spieler, der Verband und die Liga ein so starkes Vertrauen schenken. Ich werde alles tun, um ihnen, der Schweiz und unseren treuen Fans dieses Vertrauen zurückzubezahlen.» Petkovic betont auch, dass er alle mit ins Boot nehmen will und spricht diesbezüglich die Kommunikation an.

Pierluigi Tami: «Vladimir Petkovic hat überzeugende Arbeit geleistet. Er hat Resultate geliefert und weist den höchsten Punkteschnitt eines Schweizer Nationaltrainers seit fast 100 Jahren auf. Kein anderer kennt diese Mannschaft wie er. Als Direktor der Nationalmannschaft bin ich stolz, dass wir ihn weiterverpflichten konnten.»

Der Leistungsausweis von Petkovic

Petkovic hatte das Schweizer A-Nationalteam im Sommer 2014 nach dem Out im WM-Achtelfinal gegen Argentinien übernommen. Unter dem 56-jährigen Nachfolger von Ottmar Hitzfeld schaffte es die SFV-Auswahl seitdem, sich für sämtliche Endrunden zu qualifizieren. Die Schweiz nahm unter Petkovic an der EM 2016 in Frankreich, an der WM 2018 in Russland und am erstmals durchgeführten Final-4-Turnier der UEFA Nations League 2019 in Portugal teil. Als Gruppensiegerin schaffte sie auch den Sprung an die Endrunde der EURO 2020.

Seit Petkovics Debüt Anfang September 2014 totalisierte das A-Nationalteam in 60 Spielen 34 Siege, zwölf Unentschieden und ein Torverhältnis von 114:52. Die 1,9 Zähler pro Partie entsprechen dem höchsten Punkteschnitt eines Schweizer Cheftrainers seit den 1920er-Jahren. In der FIFA-Weltrangliste wurde die Schweiz unter Petkovic nie schlechter als im 18. Rang geführt, während eines nicht unerheblichen Teils der Amtszeit des Coaches figurierte sie in den Top 10.

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