Beim Neustart

Sex-Verbot, sterilisierte Bälle, Altersbegrenzung – so wird sich der Fussball verändern

Von Jan Arnet

29.4.2020

Roy Hodgson und Claudio Ranieri (r.) sind zwei bekannte Trainer, die zur Risikogruppe gehören. 
Bilder: Getty/Keystone

Während in einigen Fussball-Ligen der Saisonabbruch bereits beschlossene Sache ist, sehen andere das Licht am Ende des Tunnels. Doch wie wird sich der Fussball beim Neustart präsentieren?

Am Dienstag hat es die erste grosse Liga erwischt: Die französische Ligue 1 muss abgebrochen werden, weil die Regierung bis im August weder Fussballspiele mit Zuschauern noch Geisterspiele toleriert.

In den anderen Top-Ligen sieht die Situation anders aus. In der Bundesliga etwa stehen die Zeichen klar auf Neustart. Wie das «RedaktionsNetzwerk Deutschland» berichtet, hat das Bundesarbeitsministerium in Sachen Arbeitsschutz grünes Licht für das Bundesliga-Konzept der Deutschen Fusball Liga (DFL) mit Geisterspielen gegeben. Auch in England, Italien und Spanien geht man Stand jetzt davon aus, dass die Saison zu Ende gebracht werden kann. Die Schweizer Fussball-Liga hat am Mittwoch offiziell grünes Licht für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs ab dem 8. Juni erhalten.



Doch wie wird sich der Fussball in der Corona-Krise verändern? Worauf müssen die Spieler verzichten? Welche Massnahmen sind erforderlich? «Bluewin» sucht nach Antworten.

Sex-Verbot für Fussballstars

Gemäss englischen Medienberichten hat die DFL in ihrem Konzept klargestellt, dass die Fussballer keinen Sex mit ihrer Partnerin haben dürfen, sollte diese Symptome einer Corona-Infizierung haben. Auch Küssen sei nicht erlaubt. Es ist naheliegend, dass diese «Regel» auch bei anderen Ligen aufgestellt wird.

Jubeln mit Abstand

Innige Umarmungen beim Torjubel wird es so schnell wohl auch nicht wieder geben. Die Spieler dürften angehalten werden, sich mit dem nötigen Abstand zu freuen. Womöglich werden die Stars den Fans vor dem TV kreative Gesten in Zusammenhang mit dem Coronavirus präsentieren. Pierre-Emerick Aubameyang zum Beispiel wird vielleicht mit einer Schutzmaske jubeln.

Arsenal-Stürmer Aubameyang zieht sich beim Torjubel gerne eine Maske über – hier im März 2019 präsentierte er sich als «Black Panther».
Bild: Getty

Gelb für Spucken

Spucken – in der Öffentlichkeit ziemlich eklig, auf dem Fussballplatz aber gang und gäbe. Damit soll zumindest vorübergehend Schluss sein. Spieler könnten für Spucken künftig sogar mit einer Gelben Karte bestraft werden.

«Es ist im Fussball verbreitet und nicht sehr hygienisch», meint Michel D'Hooge, FIFA-Vorsitzender des Medizinischen Ausschusses, gegenüber «Telegraph». «Wenn wir also wieder mit dem Fussball beginnen, sollten wir das meiner Meinung nach maximal vermeiden. Denn Spucken erhöht das Risiko, das Virus zu verbreiten. Vielleicht würde eine Gelbe Karte gegen das unhygienische Vorgehen helfen.»



Sterilisierte Bälle

Die Coronaviren können offenbar bis zu 72 Stunden auf Oberflächen überleben, weshalb vor einem Fussballspiel so ziemlich alles sterilisiert werden muss, was sterilisiert werden kann. Ein Staffmitglied der Premier League liess sich kürzlich bei «Sky» wie folgt zitieren: «Alles, was gereinigt werden kann, wird gereinigt. Wir werden nichts dem Zufall überlassen.»

Auch Ralf Ramos, der Präsident der spanischen Vereinsärzte, sagt, dass «alles sterilisiert werden muss – sogar die Spielfelder und Bälle. Es ist möglich, von einem unbehandelten Ball infiziert zu werden. Aber wenn man von einem sterilisierten Ball auf einer sterilisierten Oberfläche getroffen wird, ist es kaum möglich, sich anzustecken.»

Schärfere Penalty-Auslegung

Auch auf das Spiel an sich könnte sich das Coronavirus auswirken. So sollen die Spieler auch aufgefordert werden, den Gegner etwa bei Eckbällen nicht zu umklammern –, um das «Social Distancing» selbst auf dem Fussballplatz so gut es geht zu wahren. So könnten die Schiedsrichter auch schneller auf Elfmeter entscheiden, sollte sich ein Verteidiger etwa bei einem Eckball den Stürmer auch nur leicht zurückhalten. 

«Wenn es wieder losgeht, werden die Spieler nicht den gleichen Kontakt haben, den sie sich gewohnt sind. Wir werden eine andere Art von Fussball sehen. Alles wird ein bisschen anders sein. Die Spieler werden sich weniger aneinander festhalten», glaubt Ralf Ramos. 

Ziehen und reissen könnte künftig schärfer bestraft werden.
Bild: Getty

Fünf Auswechslungen möglich

Je später die Spielbetriebe wieder aufgenommen werden, desto weniger Zeit bleibt den Ligen, ihre Saisons zu beenden. Klar dürfte schon jetzt sein, dass die Mannschaften sich auf mehrere Spiele pro Woche einstellen müssen – zumal ja auch noch Partien im Europacup und in den nationalen Cup-Wettbewerben zu absolvieren sind.

Um die Spieler und Teams etwas zu schützen, hat FIFA den Regelhütern des Ifab nun offenbar vorgeschlagen, dass bis zum Saisonende fünf statt wie bis anhin drei Spielerwechsel in einem Spiel pro Mannschaft möglich sind. 



Fangesänge über Lautsprecher

Die trostlose Stimmung bei den Geisterspielen könnten mit Fangesängen über die Stadion-Lautsprecher verbessert werden. Womöglich würde das für die Spieler aber auch irritierend sein. Premier-League-Rechteinhaber «Sky» will den Fans vor dem TV offenbar anbieten, die Spiele mit aufgenommenem Zuschauer-Lärm zu verfolgen, um die Stadion-Atmosphäre nicht gänzlich zu verlieren.



Ausserdem planen einige Klubs, ihre Tribünen mit Pappaufstellern der Fans zu schmücken. 

Im Borussia-Park in Mönchengladbach stehen bereits hunderte Pappaufsteller.
Bild: Keystone

Altersbegrenzung in Stadien – auch Trainer betroffen?

Selbst bei Geisterspielen werden sich bei einem Fussballspiel weit mehr als 100 Personen im Stadion befinden – auf Spieler, Trainer, Teambetreuer, TV-Leute und Journalisten kann nicht verzichtet werden. Menschen, die zur Risikogruppe gehören – also auch ältere Personen – könnten aber keinen Einlass kriegen. In der Schweiz gilt man ab 65 Jahren als besonders gefährdet.

Sind sogar Trainer betroffen? In der Super League sind Marcel Koller und Alain Geiger mit 59 die ältesten Coaches. In anderen Ligen gibt es weitaus ältere Trainer. Womöglich dürften etwa Sampdoria-Trainer Claudio Ranieri (68) und Crystal-Palace-Coach Roy Hodgson (72) nicht ins Stadion. Genauso wenig wie der an Leukämie erkrankte Bologna-Trainer Sinisa Mihajlovic.

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