Sportphilosoph Gebauer: «Fussball wird Vorbildrolle nicht gerecht»

dpa

27.4.2020

Sportphilosoph Gunter Gebauer sieht den möglichen Bundesliga-Start im Mai kritisch.
Bild: Horst Galuschka/dpa

Die Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der Fussball-Bundesliga mit Geisterspielen wäre für Sportphilosoph Gunter Gebauer «ein falsches Signal».

Zugleich übte er Kritik an den Fussball-Verantwortlichen. «Der Fussball sieht sich ja sonst gerne als Vorbild. Dieser Rolle wird er aber gerade nicht gerecht und bestätigt damit all diejenigen, die ihm ohnehin skeptisch gegenüber stehen», sagte Gebauer im Interview der «Augsburger Allgemeinen».

Fussballspiele in der jetzigen Situation seien verantwortungslos. «Gesang, Theater, Schauspiel, im Wirtshaus zusammensitzen – alles, wo es zu Nähe und Körperkontakt kommt, ist strikt verboten. Und dann wird ein Vollkontaktsport wie Fussball ausgeübt? Bei anderen Sportarten wie Rudern, Gewichtheben oder Golf, wo man Abstand halten kann, wird über Wettkämpfe gar nicht erst nachgedacht», betonte der 76 Jahre alte Wissenschaftler.

«Das hat was von Gefängnisspielen»

Geisterspiele taugen laut Gebauer auch kaum als Stimmungsaufheller für die Gesellschaft. «Ich bin da sehr skeptisch, dass da echter Spass aufkommt, wenn 22 Profis in einem menschenleeren Stadion, das 40'000 oder 50'000 Zuschauer fasst, dem Ball hinterherjagen. Das hat was von Gefängnisspielen.»

Gebauer kritisiert auch, dass die DFL rund 20'000 Tests auf das Coronavirus bei den Spielern zur Durchführung der restlichen Spieltage durchführen lassen will. «Wenn man bedenkt, dass in Alten- und Pflegeheimen definitiv zu wenig getestet wird und an manchen Stellen Mangel herrscht, hinterlässt diese Sonderbehandlung für den Fussball einfach einen schlechten Eindruck», sagte er.

Demgegenüber hatte DFL-Boss Christian Seifert erst am Donnerstag wiederholt betont, keine Sonderrolle für den Fussball zu beanspruchen. Auch hatte es in den vergangenen Tagen wiederholt Berichte gegeben, dass die Labore gar nicht ausgelastet sind. Die DFL hatte dazu eine Kooperationsvereinbarung mit insgesamt fünf Laborverbänden abgeschlossen, die versichert hatten, dass die derzeitigen Kapazitäten ausreichend sind und durch Covid-19 keine Limitierung der Testkapazitäten auftreten.

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