Arsenal

Xhaka über seine härteste Zeit: «Niemand sollte dieses Gefühl erleben müssen»

SB10

6.2.2021

Arsenal's Granit Xhaka during the English Premier League soccer match between West Bromwich Albion and Arsenal at the Hawthorns stadium in West Bromwich, England, Saturday Jan 2, 2021. (AP Photo/Rui Vieira)
Bild:  KEYSTONE

Seit 2016 spielt Granit Xhaka bei Arsenal. Beim Traditionsklub erlebt er nicht nur die Sonnenseite seines Berufs. Der Schweizer Nati-Spieler sprach über einige bewegende Episoden aus seinem Leben.

Granit Xhaka machte bei Arsenal schwierige Zeiten durch: «Ich hatte die grosse Sache gegen Palace (nach Zuschauerbeleidigungen von eigenen Fans warf er schimpfend sein Trikot weg – d. Red.) ... Ich hatte auch die Sache mit Burnley (er ging einem Gegenspieler an die Gurgel und flog vom Platz – d. Red.) ...

Nach dem ersten Vorfall gegen Crystal Palace schien die Trennung von den Nordlondonern nur noch eine Frage der Zeit. Sein damaliger Trainer Unai Emery stellte ihn aufs Abstellgleis und verbannte ihn zeitweise aus dem Kader. Zugleich hetzten in den sozialen Medien einige Unverbesserliche mit teilweise wüsten Beschimpfungen gegen seine Familie. 

«Der Oktober 2019 war die härteste Zeit in meiner Karriere als Fussballer», blickt er im Gespräch mit dem «Guardian» zurück. Gross in die Vergangenheit blicken will er aber nicht mehr, obwohl er weiss, dass «die Sache an mir hängen bleiben wird – es ist ein Teil meiner Geschichte als Spieler». Er fügt hinzu: «Es ist etwas, das ich keinem Spieler wünschen würde. Niemand sollte dieses Gefühl erleben müssen.»

Rückkehr in die Bundesliga war schon fast fix

Kein Wunder, forcierte er einen Wechsel. «Mit Hertha waren nur noch ein paar Details zu klären.» Doch dann kam mit Mikel Arteta ein neuer Trainer, was alles änderte. Der Spanier habe seine Seite der Geschichte hören wollen, erläutert Xhaka. «Er hat mich überzeugt, dass wir gemeinsam bei Arsenal weitermachen sollten. Ich bin glücklich, dass ich diese Entscheidung getroffen habe.»

Schätzen sich: Coach Mikel Arteta und Granit Xhaka. 
Schätzen sich: Coach Mikel Arteta und Granit Xhaka. 
Bild: Keystone

Geholfen hat ihm sein Mantra: «Ich versuche immer, bei allem, was ich im Fussball mache, das Positive zu finden. Ich habe mir gesagt: 'Ich kann nicht ändern, was passiert ist, es ist eine vollendete Tatsache. Aber es ist mein Fehler und ich kann daraus lernen.' Es war wichtig, die Leute wissen zu lassen, dass sich das Team immer noch auf mich verlassen kann, dass ich als stärkerer und besserer Mensch aus dieser Sache zurückkommen werde. Genau das ist passiert. Körperlich und geistig bin ich in einer sehr guten Verfassung.»

Dass er nicht an den schwierigen Umständen scheiterte, hat er seiner mentalen Stärke zu verdanken. Diese Eigenschaft habe er von seinen Eltern, insbesondere von seinem Vater Ragip, der ab 1986 dreieinhalb Jahre als politischer Gefangener in Jugoslawien verbrachte, erzählt der 28-Jährige.  Nach der Entlassung des Vaters aus dem Gefängnis suchte die Familie in der Fremde einen Neuanfang. «Wir haben in der Schweiz mit weniger als Null angefangen. Wir hatten nichts, wir kannten dort niemanden. Es ist für die Leute heute schwer zu begreifen, was so etwas bewirkt; im Grunde ein politischer Flüchtling zu sein als junger Mensch. Es ist definitiv ein Teil meines Charakters, ein starker Mensch zu sein. Ich bin nie vor etwas weggelaufen», so Xhaka. 

Provokationen von gewissen TV-Experten kein Zufall

Auch nicht vor seinen Kritikern. Auf der Insel herrscht auch bei Experten ein rauer Umgangston, unter dem auch schon Xhaka litt. So erzählte etwa Patrice Evra live im TV, dass Thierry Henry einmal den Fernseher ausgeschaltet und sich geweigert habe, ein Arsenal-Spiel zu sehen, als er Xhaka als Captain sah. «Es gab Kommentare von Evra, Henry ... sie äussern sich als Ex-Spieler, manchmal reden sie speziell über die Leistung eines bestimmten Spielers.» Sie würden damit diese Kritik-Welle in die sozialen Medien bringen, meint Xhaka. «Ich denke, dass einige Experten diese Kritik sogar bewusst provozieren», mutmasst der Mittelfeldspieler.  



Sein Team ist derzeit nicht gut in Form, Arsenal rutschte in der Tabelle ins Niemandsland ab. Für den 85-fachen Nationalspieler (noch) kein Grund zur Besorgnis. «Wir hatten einen Lauf ohne Siege, aber selbst in dieser Zeit haben wir, glaube ich, ohne Selbstzweifel gespielt.» Es seien individuelle Fehler gewesen, was nichts mit dem Plan zu tun hätte, so der Basler. «Als Kollektiv haben wir gut funktioniert und wir können etwas Besonderes leisten – auch in dieser Saison.»

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