Olympia Mailand-Cortina 2026 als Blaupause für kommende Spiele

SDA

24.2.2026 - 05:01

Nach den Spielen 2026 in Mailand-Cortina ist vor denen in Frankreich 2030, das an der Schlussfeier in Verona die Olympische Flagge überreicht erhielt
Nach den Spielen 2026 in Mailand-Cortina ist vor denen in Frankreich 2030, das an der Schlussfeier in Verona die Olympische Flagge überreicht erhielt
Keystone

Die Spiele in Mailand-Cortina sind Geschichte – im wahrsten Sinn des Wortes. Es war Olympia, wie es einmal war und wie es sein soll. Frankreich 2030 und vielleicht Schweiz 2038 können draus lernen.

Keystone-SDA

«Grazie mille Italien» – die Worte des Schweizer Delegationsleiters Ralph Stöckli zum Ende der Olympischen Winterspiele im Norden Italiens sind wohl verdient. Mailand-Cortina hatte den Mut, dem viel kritisierten olympischen Gigantismus ein Ende zu setzen und auf bestehende, dezentrale Austragungsorte zu setzen. Es ist der Weg, den das IOC gehen will und muss, wenn es Olympische Spiele auch in den Kernregionen des Wintersports möglich machen will.

Dass die IOC-Präsidentin am Ende den Veranstalter lobt, hat Tradition. Doch Kirsty Coventry übertreibt nicht, wenn sie sagt: «Ihr habt eine neue Generation von Olympischen Spielen etabliert, und ihr habt ein Modell geschaffen für die kommenden Spiele.» Dass das dezentrale Konzept der Italiener funktioniert hat, ist auch für die Schweiz von Bedeutung. Die Pläne für die Ausrichtung der Spiele von 2038 sehen das gleiche Konzept vor.

Italianità mit Ricchi e Poveri

«Es war mutig, wie sich die Italiener der Herausforderung gestellt haben», stellt Stöckli fest. Und im Grossen und Ganzen ist das Risiko aufgegangen. Vieles hat hervorragend funktioniert. Die Spiele strahlten eine ausgeprägte Italianità aus, diese unvergleichliche Mischung aus Lebensfreude und Eleganz.

«Sarà perché ti amo» der 80er-Kultband Ricchi e Poveri wurde zum Ohrwurm von Mailand-Cortina. Und das passt perfekt, denn vor allem in Cortina d'Ampezzo, 1956 schon einmal Olympiaort, war es auch eine Reise in die Vergangenheit. Olympia in den Bergen, mit viel Schnee, Chalet-Charme und der einmaligen Kulisse der Dolomiten. Nostalgiker fühlten sich an Lillehammer 1994 erinnert, das letzte Mal, dass Olympische Spiele so richtig traditionell winterlich daherkamen.

Fehlender Kontakt zu anderen Sportarten

Nicht alles war natürlich perfekt, und daraus gilt es nun für zukünftige Ausrichter zu lernen. Der grösste Kritikpunkt der Athletinnen und Athleten ist der fehlende Olympiageist, wenn die verschiedenen Sportarten unterschiedliche Austragungsorte haben. Kaum Klagen kamen diesbezüglich aus Cortina und Mailand, wo grössere olympische Dörfer bestanden, am lautesten von den Alpin-Fahrern aus Bormio. Das liegt vielleicht daran, dass sie sich von den Januarrennen in Adelboden oder Schladming andere Zuschauermassen gewöhnt sind und deshalb die Stimmung auch von den Fans vermissten. Andere, wie die Freestyler, freuten sich hingegen eher an mehr Zuschauern als sonst üblich.

«Am Ende zählen für die Sportler aber die Wettkampfstätten», betont Stöckli – und die waren, gerade dank des zentralen Konzepts, top. Überraschungssieger blieben weitgehend aus, auch ein Zeichen fairer Bedingungen. Am Ende sind die Wünsche der Sportler auch oft etwas widersprüchlich. Sie wünschen sich mehr olympisches Zusammensein, logieren dann aber in Hotels an der Langlaufloipe oder der Skipiste, selbst wenn es wenige Kilometer entfernt ein olympisches Dorf geben würde.

Wunsch nach richtigen Medaillenfeiern

Ein Punkt, der aber umsetzbar ist und zwingend geändert werden sollte, sind die Medaillenfeiern. Das Fehlen einer Zeremonie auf einer «Medal Plaza» im jeweiligen Dorfzentrum wurde durchs Band hinweg bemängelt, die Medaillenübergabe im Zielraum der Wettkampfstätten im Eiltempo als unwürdig und wenig stimmungsvoll beschrieben. «Das ist sicher eine Lehre», so Stöckli.

Bleibt die Frage nach den Zuschauern. 1,3 Millionen Tickets wurden verkauft, das entspricht 88 Prozent der maximalen Auslastung. 37 Prozent der Besucher waren Italiener, dahinter folgten Deutsche (15 Prozent) und US-Amerikaner (14 Prozent). Ein steter Kritikpunkt bei Sport-Grossanlässen sind die hohen Preise. Es sind nicht immer die grössten Sportfans, die sich Tickets für Olympia und vor allem auch die limitierten Übernachtungsmöglichkeiten leisten können, weshalb auch die Stimmung in den Stadien nicht überall gleich prickelnd ist wie im Weltcup oder bei Weltmeisterschaften.

Viel gelernt für 2038

Im Nobelsportort Cortina mit fünf verschiedenen Sportarten und einer autofreien Fussgängerzone im Zentrum war der olympische Geist sehr spürbar, in einer Grossstadt wie Mailand konzentrierte er sich vor allem auf das Fan Village. Es wird eine der grossen Herausforderungen für zukünftige Olympische Winterspiele sein, den Zusammenhalt zwischen den einzelnen, dezentralen Austragungsorten zu stärken.

«Wir konnten hier viel lernen, und wir werden in vier Jahren bei den Spielen in den französischen Alpen weiter lernen», ist Ralph Stöckli überzeugt. «Und es dann noch etwas besser machen.» Am dezentralen Konzept dürfte zumindest bei Spielen in Europa kein Weg mehr vorbeiführen – mit allen Vor- und Nachteilen. Italien hat nun ein sehr gutes, erstes Muster geliefert. Eines, das durchaus Lust macht auf mehr.