Roger Federer, mach den Jimmy!

Von Roman Müller

15.7.2021

Roger Federer nimmt nicht an den Olympischen Spielen in Tokio teil
Wie lange noch wird Roger Federer zum Aufschlag ausholen?
Bild: Keystone

«Schreib mal was zu Roger, du als Superfan», sagten sie. Okay, ich bin zugegebenermassen ein Riesenfan des Maestros und zelebriere dies jeden Tag mit einem bunten Hut, auf dem die Initialen «RF» prangen. Aber bevor wir über Roger Federer reden, müssen wir über Jimmy Connors reden.

Von Roman Müller

15.7.2021

Jimmy Connors. Noch nie gehört?

Der Amerikaner war einmal einer der grössten Spieler der Tennisgeschichte, kann auf die damals eindrückliche Zahl von acht Grand-Slam-Triumphen zurückblicken und hat die Rekordzahl von insgesamt 109 gewonnenen Einzeltiteln auch heute noch in der Tasche.

Und genau dieser Jimmy Connors ist die älteste Live-Tennis-Erinnerung meines Lebens. 1991 durfte ich als zwölfjähriger Knirps an die Swiss Indoors und Connors schaffte es dort als 39-Jähriger ins Halbfinale. Zwar verlor er diesen klar, dennoch hatte er ein Lächeln im Gesicht, weil er den Respekt und die Gunst der Zuschauer klar für sich gepachtet hatte.

Ich empfand etwas Bedauern, aber doch auch eine gewisse Bewunderung, dass er die Massen immer noch so mitreissen konnte. Und auch wenn ich insgeheim natürlich mehr für die jüngeren Spieler war, gönnte ich ihm einfach den Moment, denn er schien seinen Auftritt trotz Niederlage echt zu geniessen.

«Mach einfach weiter so, Roger»

Zehn Jahre später, nämlich im Juli 2001, lief mir in einer lauen Sommernacht in Basel, meiner Heimatstadt, Roger Federer entgegen. Ein paar Leute zeigten auf ihn, aber so wie wir Schweizer halt sind, blieb es dabei.

Niemand störte ihn dabei, durch die Steinenvorstadt zu schlendern. Da nahm ich meinen ganzen Mut zusammen, fing ihn ab, streckte ihm meine Hand entgegen und sagte zu ihm: «Hammer Wimbledon-Turnier, Roger. Mach einfach weiter so, dann wird es bestimmt mal mit dem Titel klappen.»

NEW YORK - CIRCA 1981: Jimmy Connors of the United States hits a return during a match in the Men's 1981 US Open Tennis Championships circa 1981 at the USTA National Tennis Center in the Queens borough of New York City. (Photo by Focus on Sport/Getty Images)
Jimmy Connors ist mit 109 Titeln Rekord-Turniersieger des Männertennis (hier 1981 in New York).
Bild: Getty Images

Er hatte mein Händeschütteln zwar erwidert und sich brav bedankt, wirkte aber immer noch etwas zerknirscht so kurz nach seiner Viertelfinal-Niederlage gegen Tim Henman. Ein halbes Jahr nach meinem motivierenden Ansporn gewann er übrigens das zweite Tennisturnier seiner Karriere und zwei Jahre später tatsächlich erstmals Wimbledon.

Aber niemals hätte ich damals auch nur im Entferntesten davon geträumt, dass er einmal alle Rekorde brechen wird, dass er zu einem der beliebtesten Gesichter des Weltsports wird, dass ich einmal 50 bunte Hüte mit seinen Initialen drauf besitzen würde und auch nicht, dass er den Tennissport über 20 Jahre prägen würde.

Wer zuletzt lacht ...

Und weil nach unserem Handshake damals für den Baselbieter alles so gut lief, sage ich heute, erneute 20 Jahre später, wo ihm zum x-ten Mal in seiner Karriere die halbe Tenniswelt den Rücktritt empfiehlt:

Roger, mach den Jimmy! Geh da raus und spiel einfach nur noch für dich und deine Fans. Spiel die kleinen Turniere, geh den grossen Brocken weitgehend aus dem Weg, feiere noch ein paar kleine Siege, ärgere dich nicht zu sehr über Niederlagen und geniess einfach das, was du so sehr liebst: den Tennissport und die ungebremste Begeisterung deiner Abermillionen Fans. Dann beendest du deine Karriere an deinem Heimturnier. Egal, ob mit Sieg oder Niederlage, aber mit einem Lächeln im Gesicht.

Genau, so wie damals Jimmy Connors.

Regelmässig gibt es werktags um 11:30 Uhr und manchmal auch erst um 12 Uhr bei «blue News» die Kolumne am Mittag – sie dreht sich um bekannte Persönlichkeiten, mitunter auch um unbekannte – und manchmal wird sich auch ein Sternchen finden.

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