OK-Chef Näpflin: «Wir sind nicht mehr im Mittelalter»

lbe

21.5.2020 - 12:50

OK-Chef Urs Näpflin will «alles tun und hart kämpfen», um die Zukunft der Lauberhornrennen zu retten.
Bild: Keystone

In einem Interview nimmt Wengens OK-Chef Urs Näpflin Stellung zu den öffentlich erhobenen Vorwürfen gegen Swiss Ski. Jetzt werde gar die Durchführung der Rennen ohne Unterstützung des Verbandes zum Thema.

Die Meldung verbreitet sich am Mittwoch wie ein Lauffeuer: Swiss Ski beantragt bei der FIS, die legendären Lauberhornrennen ab 2022 aus dem Weltcup zu streichen. Grund dafür ist ein offenbar seit Jahren nicht zu beseitigender Streit zwischen dem Verband und dem Organisationskomitee Wengen bezüglich der Verteilung der eingenommenen Gelder.

«Wir sind ganz klar der Meinung, dass uns mehr Geld von Swiss Ski zusteht, vor allem aus den TV-Rechten. Wir sprechen da von einem Betrag in der Grössenordnung von einer Million», sagt OK-Chef Urs Näpflin im Interview mit dem «Tagesanzeiger». Dass Swiss Ski nun mit einem solchen Antrag vorpresche, obwohl die Verantwortlichen seit Monaten keinen Kontakt haben, sei skandalös: «Nun packt Swiss Ski den Zweihänder aus und will uns den Kopf abschlagen».

Die Ausgangslage hat sich verändert

Man sei komplett auf dem falschen Fuss erwischt worden, sagt Näpflin und klagt: «So geht man doch nicht mit seinen Partnern um. Zum Glück hat uns die FIS vorgewarnt, Swiss Ski wollte sogar, dass wir nicht informiert werden.» Bereits am Mittwoch erhebt das OK in einer Stellungnahme deshalb happige Vorwürfe gegen den Schweizer Skiverband.



«Zurecht. Wir haben das Gespräch zuletzt mehrmals gesucht», begründet Näpflin. Man habe den Gang an die Öffentlichkeit verhindern wollen, eine Reaktion von Swiss Ski sei aber ausgeblieben. «Es war nie unser Ziel, Druck aufzubauen, die Öffentlichkeit auf unsere Seite zu ziehen. Aber jetzt ist die Ausgangslage anders. Jetzt ist es ernst. Jetzt ist es eskaliert», macht der OK-Chef klar. Natürlich brauche der Verband Geld für die Ausbildung der Athleten, das sei auch alles gut und recht. «Aber wir sind nicht mehr im Mittelalter, wo man das Gegenüber einfach einen Kopf kleiner machen kann.»

Beim Schweizer Skiverband allerdings streitet man die Vorwürfe entschieden ab. «Von schlechtem Stil kann keine Rede sein», kontert Swiss-Ski-Geschäftsführer Bernhard Aregger im Gespräch mit «Blick». Man habe den Antrag am vorgesehenen Termin gestellt und sich ans Protokoll gehalten.

«Wir haben mit Exponenten der FIS vorgängig gesprochen, haben jedoch niemanden gesagt, dass man nichts zum Lauberhorn-OK sagen darf», sagt Aregger. Im Gegenteil: «Wir haben diesen Schritt, die Rennen aus dem Kalender zu nehmen, im Vorfeld den Wengenern angekündigt. Und nun haben wir das unaufgeregt vollzogen.»



Eine Organisation der Rennen ohne den Verband?

Zudem bestreitet Aregger vehement, dass Swiss Ski nicht gesprächsbereit gewesen sein soll. «Wir haben ihnen mitgeteilt, dass wir etwas Zeit brauchen. Nicht nur Präsident Urs Lehmann und ich entscheiden. Da gibt es mehrere Entscheidungsträger und einen Sitzungsrhythmus, den wir einhalten. So verläuft unser Weg. Ich gehe nicht weiter darauf ein, weil es nicht der Wahrheit entspricht.»

Es sind Aussagen, die nicht auf eine schnelle Einigung zwischen den zerstrittenen Parteien hindeuten. «Nach dem inakzeptablen Vorpreschen des Verbandes sind die Fronten nun richtig verhärtet, ich zweifle an einer einvernehmlichen Lösung», sagt auch OK-Chef Näpflin.

Deshalb ziehe man auch eine Durchführung der Rennen ohne Unterstützung von Swiss Ski in Betracht – auch wenn die Möglichkeiten begrenzt sind. «Aber es gibt hin und wieder Events, die nicht wie üblich via Landesverband, sondern direkt von der FIS an einen Ausrichter vergeben werden. Wir werden sicher einen entsprechenden Antrag stellen. Die FIS muss sich dann gut überlegen, ob sie solch eine Veranstaltung aufs Spiel setzen will», erklärt Näpflin und kündigt an: «Wir werden alles tun und hart kämpfen, um weiterhin Rennen austragen zu können.» 

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