Wie Federer, Wawrinka und Hingis? Was 2020 für Bencic spricht

4.11.2019 - 21:00, Luca Betschart

Hatte in dieser Saison Grund zum Jubeln: Belinda Bencic.
Bild: Getty

Belinda Bencic übertrifft in dieser Saison die Erwartungen und spielt gar erstmals an den Finals. Nicht nur deshalb sind die Aussichten verheissungsvoll, dass ihr 2020 der endgültige Durchbruch gelingt.

Es ist ein unrühmliches Ende einer herausragenden Saison: Im Halbfinal der WTA Finals in Shenzhen muss Belinda Bencic gegen Elina Switolina verletzt aufgeben. Trotz spielerischer Vorteile ist der Titel-Traum geplatzt – die Enttäuschung bei der Schweizerin ist riesig. Dabei ist der 22-Jährigen bereits die erstmalige Qualifikation für das Saisonfinale der besten acht Spielerinnen des Jahres hoch anzurechnen.

Nach einer schwierigen Phase und einhergehendem Absturz in der Weltrangliste kehrt Bencic in diesem Jahr in die Top Ten zurück und gewinnt die Turniere in Moskau und Dubai. An den US Open schafft sie es zudem zum ersten Mal in einen Grand-Slam-Halbfinal. Die starken Leistungen werden mit der Qualifikation für das Finalturnier in China belohnt – und geben Zuversicht für die kommende Saison. «Bluewin» nennt die Gründe, weshalb Belinda Bencic in der Saison 2020 womöglich zur nächsten Schweizer Grand-Slam-Siegerin avanciert.



1. Die Bilanz gegen die Top-Spielerinnen

Bencic beweist in diesem Jahr eindrücklich, dass sie jede Gegnerin in die Knie zwingen kann. Vor den WTA Finals hat niemand mehr Top-10-Spielerinnen geschlagen als die Schweizerin (9). Gegen die Top-5 weist Bencic mit 5:2-Siegen zudem eine klar positive Bilanz auf. Wie sie an den US Open im September Titelverteidigerin Naomi Osaka in zwei Sätzen in die Schranken weist, ist beeindruckend. Vor allem Bencics überragende Defensivarbeit bringt die starke Konkurrenz regelmässig zur Verzweiflung – wobei eine Fähigkeit besonders heraussticht.

2. Die Fähigkeit, das Spiel zu lesen

Bencic verfügt über ein ausgesprochen gutes Spielverständnis. Gegen Osaka in New York scheint die 22-Jährige jeweils bereits im Vorhinein zu wissen, wohin die Japanerin den Ball platziert. So findet sie gegen die druckvolle Osaka stets die richtige Antwort. SRF-Experte Heinz Günthardt meint gar: «Es gibt keine Spielerin, die das Spiel besser liest als Belinda.»

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3. Die Kämpferqualitäten

Überzeugen kann Bencic auch im kämpferischen Bereich. Mehrfach entscheidet sie Matches in extremis noch zu ihren Gunsten und steckt dabei mentale Krisen weg. Ob physisch oder psychisch angeschlagen – abschreiben darf man die aktuelle Weltnummer 8 nie.

Nachdem sie Ende 2017 zwischenzeitlich auf Position 165 der Weltrangliste abrutscht, kämpft sie sich in weniger als zwei Jahren in die Top Ten zurück und findet das Selbstbewusstsein wieder: «Ich bin nun dort, wo ich hingehöre. Ich glaube nun wirklich an mein Spiel und gehe mit sehr viel Selbstvertrauen ins 2020», sagt die Ostschweizerin im Interview mit «SRF» selbstbewusst.

4. Auf den Spuren von Federer, Wawrinka und Hingis

Motivierend ist für Bencic zudem auch ein Blick in die Schweizer Tennisgeschichte. Denn die letzten drei eidgenössischen Grand-Slam-Sieger(innen) haben eines gemeinsam: Sowohl Stan Wawrinka, als auch Roger Federer und Martina Hingis schafften den ersten Major-Triumph in der Saison nach der erstmaligen Qualifikation für das Saisonfinale.

➡️Hingis gehörte 1996 erstmals zu den besten acht Spielerinnen der Welt und gewann im Januar 1997 die Australian Open.
➡️Federer schaffte es 2002 erstmals ans Saisonfinale der Jahresbesten und triumphierte im Sommer 2003 erstmals in Wimbledon.
➡️Wawrinka gelang es 2013, das Jahr als Achtbester abzuschliessen, weshalb er zum ersten Mal an den ATP Finals mit von der Partie war. 2014 gewann er völlig überraschend die Australian Open und seinen ersten Grand-Slam-Titel.

Ob Bencic nachziehen kann? Jedenfalls geht die Ostschweizerin mit ambitionierten Zielen für das nächste Jahr in die Ferien. «Es wäre schön, wenn ich mich wieder für die WTA Finals qualifizieren könnte. Das würde bedeuten, dass ich eine konstante Saison hatte. Und ich will in den Top 10 bleiben.» 

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