Ein Milliardär kauft ein: America's Cup, Team Sky und bald FC Chelsea?

DPA / wer

6.4.2019 - 11:23

Jim Ratcliffe: Ingenieur, Gründer und Vorstand des Chemieunternehmens Ineos.
Bild: Getty / Teleclub

Milliardär Jim Ratcliffe hat seine Liebe zum Sport entdeckt. 2021 greift er im America's Cup nach der Krone. Im März kaufte er das Radsport-Team Sky. Demnächst könnte der FC Chelsea auf seinem Einkaufszettel stehen. Projekte fürs Image?

Gemessen an seinem Vermögen ist das Investment in den britischen Top-Radrennstall Sky für Jim Ratcliffe gerade einmal ein kleines Taschengeld. Der zukünftige Arbeitgeber von Chris Froome und Geraint Thomas führt laut «Sunday Times» die Liste der reichsten Briten im Jahr 2018 an. Geschätztes Vermögen: 24,5 Milliarden Euro. Da sollte für das Budget der Sky-Mannschaft, die ab Mai den Namen von Ratcliffes Chemie-Unternehmen Ineos trägt, von derzeit 36 Millionen Euro pro Saison kein Problem darstellen.

Dass ein derartiger Global Player in den Radsport einsteigt, ist für die von vielen Dopingskandalen gebeutelte Branche per se ein gutes Zeichen. Der Spannung dürfte der Einstieg des Milliardärs aber nicht unbedingt zuträglich sein. Seit Jahren beherrscht Sky die Szenerie. In den vergangenen sieben Jahren hat das Team durch Bradley Wiggins, Chris Froome und zuletzt Geraint Thomas sechsmal die Tour de France gewonnen und geradezu beherrscht. «Jetzt werden sie wahrscheinlich Aston Martins als Teamautos und ein Space Shuttle als Bus haben», scherzte bereits Max Sciandri, Sportdirektor des konkurrierenden Teams Movistar.

126 Millionen für den America's Cup

Für Ratcliffe ist es das nächste Engagement im Sport. Zuvor war er bereits in den Segelsport eingestiegen. Mit einem Budget von 126 Millionen Euro unterstützt der 66-Jährige das Projekt des viermaligen Olympiasiegers Sir Ben Ainslie um den America's Cup 2021.

Und der nächste Deal ist womöglich in der Pipeline. Laut britischen Medienberichten soll Ratcliffe an einem Kauf des englischen Fussball-Spitzenclubs FC Chelsea interessiert sein. Das wäre dann aber nicht gar so preiswert. Der bisherige Club-Besitzer Roman Abramowitsch soll erst ab einer Summe von 2,5 Milliarden Pfund, also rund 2,9 Milliarden Euro, bereit für Verhandlungen sein.

Risikofeld Radsport

Segeln, Radsport, Fussball – grosse Investitionen, die dem Image von Ratcliffe nicht schaden dürften. Denn der Ruf des Unternehmers hat in den vergangenen Wochen doch arg gelitten. Die Berichte, wonach Ratcliffe ins Steuerparadies Monaco übersiedeln wolle, hätten an sich nicht weiter für grosses Aufsehen gesorgt. Doch gerade Ratcliffe war es, der sich in der Vergangenheit stark für den Brexit eingesetzt hatte. Entsprechend verärgert fielen die Reaktionen aus, wie etwa von John McDonnell, dem Schattenkanzler der oppositionellen Labour-Partei.

Ganz ohne Risiko ist zumindest der Einstieg in den Radsport für Ratcliffe nicht. Denn die Mannschaft geniesst nicht erst seit der Dopingaffäre um Froome einen zweifelhaften Ruf. Beim viermaligen Tour-Champion waren im September 2017 erhöhte Salbutamol-Werte registriert worden, von der Welt-Anti-Doping-Agentur wurde der Brite aber freigesprochen. Auch die Praktiken des Teams bei den Ausnahmegenehmigungen für Wiggins zur Einnahme des Mittels Triamcinolon hatten einen Schatten auf den Rennstall geworfen und sogar eine Untersuchung durch das britische Parlament ausgelöst. In Frankreich wird der Rennstall bei der Tour mitunter heftig angefeindet.



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