Android-Flaggschiff

Galaxy S10+ im Test: Samsung setzt den Massstab

Henning Steier

1.3.2019

Ab 1100 Franken zu haben: das Samsung Galaxy S10+.
Bild: PD

Das neue Flaggschiff der Südkoreaner lässt kaum Wünsche offen. Die Frage ist, ob das Ende März noch so sein wird.

Wer sich über die Geschwindigkeit von Samsungs neuen Top-Smartphones beschwert, der jammert auf sehr hohem Niveau. So haben etwa Tester von anandtech.com in den Benchmarks PCMark und Speedometer 2.0 erhebliche Unterschiede zwischen der Version für den europäischen und den amerikanischen Markt festgestellt. Das mag in erster Linie damit zu tun haben, dass hier Samsung Rechenkern Exynos 9820 und in den USA der Qualcomm Snapdragen 855 zum Einsatz kommt. 

Abgesehen davon, dass solche Vergleichstests eher theoretiscchen Charakter haben, kann im Android-Lager Samsung derzeit offenbar nur sich selbst schlagen – wenn man dem Benchmark Antutu 7.1 vertraut: Dieser weist fürs Galaxy S10+ 330'000 Punkte aus. Zum Vergleich: Das Huawei Mate 20 Pro zum Beispiel kommt auf 249'200 Zähler. Fairerweise sei angemerkt, dass mit dem Huawei P30 Ende März das nächste Flaggschiff und der echte Rivale des Galaxy S10+ vorgestellt werden wird. Schweizer Verkaufsstart für das S10+ ist übrigens der 8. März. 

Samsung lanciert das Galaxy S10, Galaxy S10e und das Galaxy S10+. Wir konzentrieren uns im Test aber auf letztgenanntes, das Spitzenmodell der Highend-Serie. 

Auffälligste Designänderung im Vergleich zum S9+ ist die 19:9-Anzeige, Infinity- O-Display genannt. Das 6,4 Zoll grosse Dual-Edge-OLED-Display nimmt fast die gesamte Vorderseite ein und löst mit 1440 x 3040 Pixeln auf. Das ergibt eine hohe Pixeldichte von 522 ppi. Die Keramik- statt Kunststoff- oder Glasoberfläche verspricht nicht nur einen besseren Schutz vor Kratzern, sie löste dieses Versprechen bei einigen Beschädigungsversuchen auch ein.

Fingerabdrucksensor im Display

Auch weil die Frontkamera nun im Displaybereich zu finden ist, hat Samsung es geschafft, die Masse auf dem Niveau des Galaxy S9+ zu halten – und teilweise sogar zu unterbieten. Auch ein Grund dafür ist der Ultraschallfingerabdrucksensor im Display, der im Test zwar tadellos funktionierte, aber wie der im Huawei Mate 20 Pro nicht der schnellste ist. Als Alternative bei akzeptablen Lichtverhältnissen empfiehlt sich die gewohnt rasante laufende Gesichtserkennung. 

Die weiteren Spezfikationen, etwa LTE Cat 20 (2 Gbit/s im Down- und 150 Mbit/s im Upload), Bluetooth 5.0, ax-WLAN, NFC und USB-C-3.1-Buchse, sind der aktuellste Stand der Technologie(n). Mindestens genauso wichtig: Was leistet der mit 4100 mAh deutlich stärkere Akku des S10+ im Vergleich zum Stromspeicher des S9+? Fast elf Stunden im Displaymodus sind ein Spitzenwert. 

Intelligent Wi-Fi nennt sich eine Funktion, dank der das Smartphone unterbrechungsfrei zwischen WLAN und mobiler Datenverbindung umschaltet, um die beste Geschwindigkeit zu erzielen. Maschinelles Lernen erkennt Orte mit schlechter Verbindung, etwa den Aufzug im Arbeitsgebäude, und lässt das Gerät ins Mobilnetzwerk wechseln, um beispielsweise den Videoanruf nicht abbrechen zu lassen.  

Wie Huaweis Mate 20 Pro bietet Samsungs Top-Serie nun das Aufladen anderer Geräte per Induktion an. Die Funktion nennt sich Wireless Power Share. Wir haben es mit den neuen komplett kabellosen Kopfhörern Galaxy Buds ausprobiert. Die Ladezeiten sind allerdings immer noch viel zu lang. Durchdacht: Mittels Dual Charging kann ein weiteres Gadget kabellos geladen werden, während das S10 per Kabel geladen wird.

Gut gefallen haben uns im Test die sogenannten Bixby Routinen. Samsungs digitaler Assistent analysiert Nutzerverhalten und schlägt Automatisierungen vor. So kann man beispielsweise den WLAN-Empfang ab- und Bluetooth einschalten lassen, wenn man ins Auto steigt. Apropos: Bixby Voice, die Sprachassistenz ist nun endlich auf Deutsch verfügbar. Ein ausführlicher Test folgt demnächst bei Bluewin. Angemerkt sei noch, dass Bixby wie auch die neue Oberfläche One UI, die uns kürzlich im Test grosses Lob entlockte, natürlich nicht auf die S10er-Serie beschränkt sind. 

Optimierte Szenen

Mit die wichtigste Funktion eines Smartphones ist für viele Nutzer die Kamera. Das Galaxy S10+ hat derer drei auf der Rückseite. Man kennt bereits die beiden 12-Megapixel-Sensoren mit optischer Bildstabilisierung. Auch bekannt ist die sehr gute Menüführung. Neu ist hingegen die Optimierung von Szenen; es gibt nun 30 Motive, die das Gros der Aufnahmen abdecken und etwa Farbtöne justieren. 

Sehr gut im Test funktioniert hat auch der Aufnahmevorschlag: Man bekommt die beste Auslöseposition angezeigt. Das Smartphone nutzt dabei laut Samsung 200 Millionen Beispielaufnahmen. Dankenswerterweise hat Samsung auch den Live-Fokus für Bokeh-Aufnahmen verbessert; neu werden in Echtzeit auch Farbpunkt-, Drehungs- und Vergrösserungseffekte präsentiert. Auch eine Bestnote verdient sich der neue Bildstabilisator für Videos. 

Die Kamera setzt sich also auch im oberen Bereich des Konkurrenzvergleichs fest: Im Benchmark Dxomark, sofern man ihn denn als Referenz akzeptiert (siehe oben), belegt das Galaxy S10+ mit dem Huawei Mate 20 Pro und Mate 20 den ersten Rang. Als gröbstes Fazit lässt sich festhalten, dass die S10+-Kamera bei gutem Licht den Benchmark setzt, die Konkurrenz aber etwa in der Nacht knapp vorn liegt. Die Selfie-Kamera des Samsung-Geräts ist jenen der beiden Huawei-Smartphones aber stets klar voraus. Anzumerken ist, dass Dual-Frontkamera ist eigentlich nur eine Kamera mit einem zusätzlichen Tiefensensor ist.

Fazit

Ab rund 1100 Franken ist das Galaxy S10+ in der kleinsten Speichervariante (128 GByte) zu haben. Dafür bekommt man ein Smartphone, das nur den Wunsch nach einem besseren Fingerabdrucksensor offen lässt. Ob das Gesamtpaket in ein Wochen noch das stimmigste sein wird, wird die Präsentation des Huawei-Konkurrenten zeigen.

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