Spielekritik

«Mount & Blade 2: Bannerlord» – Freiheit, die einschränkt?

Von Fabian Gilgen

9.4.2020

Ob hoch zu Ross oder zu Fuss, die Schlachten in «Mount & Blade 2» sind episch.
Bild: TaleWorlds Entertainment

«Mount & Blade 2» ist weder ein AAA-Titel, noch ist es in der breiten Masse bekannt. Und doch war der Beginn der Early-Acess-Phase bis zum aktuellen Zeitpunkt der stärkste Start eines Spiels 2020. Wir haben das Spiel getestet und versucht nachzuvollziehen, warum das Spiel so eingeschlagen ist.

Bereits 2012 wurde «Mount & Blade 2» vom türkischen Entwicklerteam TaleWorlds Entertainment angekündigt. Nun ist es endlich in die Early-Access-Phase gestartet. Bereits am ersten Tag haben bis zu 170'000 Spieler gleichzeitig «Mount & Blade 2» gespielt, was damit auf den dritten Platz der meistgespielten Spiele auf Steam geklettert ist.

Der Trailer zu «Mount & Blade 2: Bannerlord».

Video: Youtube

Das Setting

«Mount & Blade 2» spielt in Calradia, einem fiktiven Kontinent, in einer mittelalterlichen Epoche über 200 Jahre vor seinem Vorgänger «Mount & Blade: Warband». Das Familienanwesen des Protagonisten wird von Banditen überfallen, wobei die Eltern getötet und zwei Geschwister verschleppt werden. Nur der Protagonist und einer seiner Brüder haben überlebt. Wie sie das geschafft haben, entscheidet der Spieler am Schluss der umfangreichen Charakter-Erstellung.

Denn hier entscheidet der Spieler nicht nur über das Aussehen des Protagonisten, sondern auch seine Herkunft, die Familie in der er hineingeboren wurde, wie er als kleines Kind, heranwachsender Teenager, junger Erwachsener und schliesslich auch Erwachsener war. Dadurch wird nicht nur seine Persönlichkeit geformt, sondern auch über die Verteilung der verschiedenen Attribute entschieden. So kann der Spieler einen wilden Krieger erstellen oder einen geschickten Händler, der es weiss, soziale Kontakte zu pflegen.



Vom einfachen Bürger zum König – Der Calradische Traum

Am Anfang steht man noch mit quasi nichts da und reist mal mit seinem Pferd über die grosse Karte zu den Dörfern und nimmt erste Quests entgegen. Hierbei gilt es Karawanen zu beschützen, Rekruten zu trainieren oder Banditen-Lager aufzuräumen. Diese Aufgaben schafft der Protagonist aber nicht allein. Er braucht Soldaten, die er in Dörfern oder Städten rekrutieren kann. Diese helfen die zahlreichen Schlachten zu schlagen, die in «Mount & Blade 2» einen zentralen Teil des Gameplays ausmachen. Der Spieler baut so langsam seinen Clan auf, für den er auch Gefährten rekrutiert, die er auf Missionen schicken kann, damit er sich nicht mehr selbst die Hände schmutzig machen muss. So kann er sich nun auf grössere Schlachten gegen ganze Heere vorbereiten.

Nichts ist so episch, wie wenn zwei Armeen aufeinander treffen.
Bild: TaleWorlds Entertainment

In diesen Schlachten befehligt der Spieler nicht nur die Armee, sondern schwingt gleichzeitig auch selbst die Waffe als Heerführer. Hierbei greift er unter anderem auf Schwerter, Speere, Äxte und Bogen zurück. Wie der Protagonist auf die Feinde einschlägt, entscheidet der Spieler mit Mausbewegungen und lässt ihn so nach links, rechts, unten oder vorne Hiebe ausführen. In diese Richtungen kann auch geblockt werden, darum muss der Spieler seine Schläge gut abschätzen und nicht einfach draufloshauen, was im Eifer des Gefechts nicht immer einfach ist. Vor allem dann nicht, wenn die eigenen Truppen unselbständig auf Befehle warten. Denn sie wollen wissen welche Formation sie einnehmen und wen sie angreifen sollen.

Solche Schlachten sorgen für viele epische Momente, vor allem dann, wenn man zusammen mit anderen Heeren eine ganze Stadt erobert. Wenn sich der Spieler in seinen Eroberungen genug Ansehen und Einfluss angesammelt hat, muss er dann auch administrativen Tätigkeiten nachkommen. So verwaltet er Armeen, stimmt über Gesetze ab und pflegt diplomatische Beziehungen, bis er selbst zum König ernannt wird.



Eigene Schlachten und Multiplayer

Man muss aber nicht zuerst die Karriereleiter hochklettern, damit man epische Schlachten mit starken Truppen schlagen kann. Denn im Modus «Eigene Schlacht» kann nach belieben eine Armee zusammengestellt und gegen eine KI-Armee angetreten werden. Dies kann man aber im Multiplayer-Modus auch gegen einen menschlichen Gegner tun.

Freiheit um jeden Preis

Nun aber der grosse Reiz von «Mount & Blade 2» ist die grosse Freiheit, die dem Spieler gegeben wird. Die Führung durch eine vorgelegte Geschichte ist so minimal, wie das Tutorial, das einen ins Spiel einführt. Der Spieler bekommt also sogar die Freiheit, das meiste über das Spiel selbst herauszufinden. Diese Freiheit macht es dann teils schwierig das ganze Spiel auszukosten, ohne dass man sehr viel Zeit investieren muss. So gibt es manchen Moment, in dem man froh darüber ist, dass auch andere Spieler vor einem «Mount & Blade 2» gespielt haben und gewisse Dinge im Internet erklären.

Aber wenn gefunden, birgt das Spiel enorm viele Möglichkeiten. Es kann geschickt Handel getrieben, Waffen selbst geschmiedet, eine Familie gegründet, ein Königreich geführt oder mit anderen Adligen Brettspiele gespielt werden. Und das ist bloss eine kleine Auswahl an schier unzähligen Möglichkeiten «Mount & Blade 2» zu spielen.



Fazit

«Mount & Blade 2» bildet ein eigenes Genre. Es lässt sich nicht wirklich mit anderen Spielen vergleichen. Auf der einen Seite ist es ein Strategiespiel und auf der anderen ein Action-Rollenspiel, das vor allem damit wirbt, dass man als Spieler unvergleichliche Freiheiten hat. Diese schier unbegrenzte Freiheit kann den Spieler aber auch mal lähmen, damit er nicht mehr weiss, was er jetzt tun soll. So ist «Mount & Blade 2» vor allem etwas für Freigeister, die gerne von der Leine gelassen werden.

Und natürlich hat es als Early-Access-Titel seine Macken. Vordergründig sind das Performance-Probleme und das teils etwas benutzerunfreundliche Quest-System. Als Spieler kann man aber zuversichtlich sein, da das Entwickler-Team fast täglich Patches herausbringt.

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