Hier Dein neues Auto. Und tschüss.

Herbie Schmidt

18.4.2019 - 23:30

Ein Tesla Model 3.
Bild: Tesla

Ob man einen Tesla Model 3 abholt oder ein herkömmliches Gefährt, das ist ein himmelweiter Unterschied. Tesla, so geht das nicht auf Dauer.

So nicht, lieber E-Auto-Pionier: Das lange Warten auf den Tesla Model 3 hat für Schweizer Kunden nun zwar ein Ende. Doch kommt es schlicht zu plötzlich, und zwar für alle. Im Februar kamen die ersten 277 Model 3 auf Schweizer Strassen, und im März folgten nochmal 1'094 Stück, womit das Auto als erster Stromwagen überhaupt an die Spitze der Schweizer Monatsverkäufe je Modell sprang.

Dass eine solche Überraschungs-Schwemme der begehrten Elektro-Limousinen gleich mehrere beteiligte Instanzen überfordert hat, ist wieder weniger überraschend. Aber die Abwicklung hätte man besser vorbereiten können, schliesslich ist ein Auto kein Smartphone.

Softdrink statt Prosecco

Per E-Mail wird der Käufer dieser Tage von Tesla aufgerufen, sich zu einem bestimmten Termin pünktlich in einer Industriehalle nahe dem Flughafen Kloten einzufinden, um seinen Model 3 in Empfang zu nehmen. In Windeseile muss dann ein Versicherungsnachweis beschafft werden, und wer die Halle betritt, erhält zwar einen Kaffee oder Softdrink, nicht aber einen Blumenstrauss oder Prosecco. Hier ist Dein Auto, jetzt nimm es mit und spiele zuhause damit herum. Eben so wie jeder iPhone-Käufer. Selbst Gebrauchtwagen werden stilvoller ausgeliefert.

Und wer vor Jahren schon 1'000 Franken angezahlt hat und seither hoffnungsvoll auf seinen Tesla Model 3 wartet, dürfte gerade jetzt enttäuscht und konsterniert sein, denn er geht gerade jetzt erst einmal leer aus. Zwar fluten die Amerikaner gerade den Schweizer Markt mit den kompakten Stromern, aber eben erst einmal nur mit den teureren Varianten, die über eine Batterie mit grösserer Reichweite und Allradantrieb verfügen. Wer Mitte März 2019 ein solches teureres Modell bestellt hat, bekam es nur wenige Wochen später.

Wie ein Bastler

Nächstes Problem ist die Beschaffung der Ladeinfrastruktur. Nicht alle Kabel sind schon im Auto und sollen nachgeliefert werden. Eine Wallbox muss man in einem Service-Zentrum kaufen, nicht etwa in der kalten Industriehalle mit dem Tesla-Logo an der Stahltür. Und was die Installation betrifft, ist man ebenfalls auf sich gestellt wie ein Bastler, der sich seinen eigenen PC zusammenschraubt. So bitte nicht mehr.

An dieser Stelle gibt es an jedem Freitagmorgen eine Autoren-Kolumne –abwechselnd zu den Themen Mode, Essen, Digitales Leben und Mutter. Heute: Digitales Leben.

Herbie Schmidt, 57, leitet bei der NZZ den Bereich Mobilität und treibt sich privat auch noch auf Rennstrecken herum – meist am Steuer sitzend. In seiner Vita stehen sechs Jahre beim Sauber-F1-Team und 13 Jahre als Autojournalist.

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