Kryptowährungen: Millionen Franken wandern mit ins Grab

19.7.2018 - 15:37, dj

Matthew Mellon mit seiner zweiten Frau Nicole Hanley. Der US-Amerikaner war Krypto-Spekulant und tragische Figur. Als er früh verstarb, nahm er sein Millionengeheimnis mit ins Grab.
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Immer mehr Menschen legen Teile ihres Vermögens in Kryptowährungen an. Doch das Sichern und Weitergeben von Bitcoin und Co. ist nicht immer ganz ohne Probleme, wie ein tragischer Fall aus den USA beweist.

Jeder Tod, gerade wenn er unerwartet kommt, ist tragisch. Doch auch wenn viel Papierkram zu erledigen ist, die Finanzen lassen sich meistens ordentlich regeln. Ausgestattet mit einem Erbschein bekommt man bei den Banken Zugriff auf die Konten, die Aktien und das weitere Vermögen des Verstorbenen.

Nun haben aber gerade in letzter Zeit immer mehr Menschen ihr Vermögen nicht auf Sparbüchern oder in Wertpapieren angelegt, sondern in Kryptowährungen. Der gigantische Hype um Bitcoin um den Jahreswechsel herum ist wohl niemandem entgangen. Neben vielen Leuten die sich hierbei mächtig verzockt haben, gibt es auch einige, die ordentlich Kasse gemacht haben. Doch was passiert mit all den Coins, wenn man stirbt?

Geld von Krypto-Millionär verschwunden

Dieses Problem haben gerade die Erben von Matthew Mellon. Mellon war Sprössling der gleichnamigen amerikanischen Bankerfamilie. Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte er damit, sein ererbtes Vermögen zu verprassen. Doch in seinen letzten Monaten hatte er mal selbst Glück beim Investieren.

Matthew Mellon machte mit Ripple (XRP) einen Riesengewinn. Wo das Vermögen jetzt ist, weiss nach seinem Tod niemand.
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Mellon steckte 2 Millionen Dollar in die Kryptowährung Ripple, die derzeit hinter Bitcoin und Ethereum die dritthöchste Marktkapitalisierung der Digitalwährungen aufweist. Anfang des Jahres wurde aus dieser Investition auf Papier eine Milliarde Dollar, als der Ripple-Kurs rapide in die Höhe sprang. 350 Millionen Dollar davon soll Mellon wieder in klassische Währungen oder Bitcoin konvertiert haben, den Rest behielt er vermutlich in Ripple. Obwohl die Kryptowährung inzwischen fast 90% ihres damaligen Höchstwerts eingebüsst hat, ist das immer noch eine stattliche Summe.

Doch Mellon war ein paranoider Mensch. «Er dachte immer, irgendjemand wolle seine Millionen stehlen», so Mellons Assistent Jesse Bias zur «Daily Mail». Also speicherte er die Schlüssel zu seinen Kryptomillionen nicht einfach auf seinem Computer, sondern setzte sie in «Cold Storage». Hierbei werden die Schlüssel auf USB-Sticks oder SD-Karten abgelegt. Diese habe Mellon dann in anonymen Bankschliessfächern in den ganzen USA abgelegt, aber niemand ausser ihm habe gewusst, wo genau.

Ohne die Schlüssel hat niemand Zugriff aufs Kryptogeld. Und nachdem Mellon dann im April in Mexiko auf dem Weg in eine Entzugsklinik starb, scheint das Kryptogeld für immer verloren — besonders tragisch für seine drei Kinder. Werden die Schlüssel nicht irgendwie gefunden ist das so, also hätte Mellon Koffer voller Scheine im Wald vergraben. Das Geld ist permanent dem Kreislauf entzogen. Übrigens liest sich die ganze Story um Mellons Leben wie ein Hollywood-Drama und erzählt das Leben eines finanziell erfolgreichen Menschen, der trotzdem nie glücklich wurde.

Bitcoin und andere Kryptowährungen lassen sich am besten auf Wallets mit verteilten Schlüsseln absichern.
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Sicher Kryptogeld vererben

Was also kann man tun um sicherzustellen, dass sich Kryptovermögen sicher vererben lässt? Meistens werden Kryptowährungen in digitalen Portemonnaies, den Wallets, gespeichert. Eine Option ist dabei ein so genanntes Multisignatur-Wallet. Hierbei wird ein Wallet durch drei verschiedene Schlüssel gesichert und wer Zugang zu zwei von diesen hat, kann über das dort abgelegte Geld verfügen.

Die drei Schlüssel können Sie dann beispielsweise wie folgt verteilen: Ein Schlüssel wird auf Ihrem Computer gespeichert, gesichert durch ein Passwort, das nur Sie kennen.

Ein zweiter Schlüssel wird auf einem USB-Stick abgelegt oder auf ein Stück Papier gedruckt und im Safe bei Ihnen zu Hause deponiert. Die Kombination schreiben Sie in das beim Notar hinterlegte Testament.

Ein dritter Schlüssel wird auf gleiche Art produziert und anschliessend in ein Bankschliessfach gelegt, das auf Ihren Namen läuft und auf das nur Sie und Ihre Rechtsnachfolger Zugriff haben.

Mit dieser Methode können zu Lebzeiten jederzeit über die Kryptocoins verfügen, da Sie ja sofort Zugang zu zwei der Schlüssel haben. Nach Ihrem Tod können dann Ihre Erben durch die im Büro-Safe sowie dem Bankschliessfach abgelegten zwei Schlüssel über das Geld verfügen. Potenzielle Diebe hingegen müssten an zwei verschiedenen Orten einbrechen und Hacker bleiben ganz aussen vor, da nur ein Schlüssel auf einem am Netz angeschlossenen Computer liegt.

Das Kryptowährungs-ABC für Anfänger

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