Der Sex der Frau: Unscharfe Einsichten mit Eva Wannenmacher

von Lukas Rüttimann

1.3.2018

Der «Kulturplatz» widmete sich dem Thema «Der Sex der Frau». Höhepunkte gabs dabei auch für Männer.

Der «Kulturplatz» am Mittwochabend, man weiss es, nähert sich selbst lustvollen Themen gern etwas verkopft an. Dazu übt sich das Format in originellen Inszenierungen, verwendet abenteuerliche Kameraeinstellungen, wechselt die Schärfen und zoomt zuweilen etwas wild im Zeug herum. Das kann man künstlerisch wertvoll oder einfach nur affektiert finden. Speziell ist es auf jeden Fall.

Auch gestern wurde Moderatorin Eva Wannenmacher wieder mehrfach unscharf ins Bild gerückt – und das zu einem eigentlich scharfen Thema. «Der Sex der Frau – Zwischen Lust, Last und Leid», so der Titel der Sendung, sollte sich der weiblichen Lust im Kontext der aktuellen Sexismus-Debatte annehmen.

Wenig Tiefgang

Prickelnd war das nicht immer. Der Beitrag über das heute 80-jährige Ex-Groupie und -Callgirl Susi Wyss etwa, die sich in den 60ern und 70ern durch die VIP-Szene in Paris schlief, sorgte eher für Mitleid als für Erregung. Zu trist wirkte ihr heutiges Dasein zwischen Taubenfüttern und Katzenstreicheln, zu widersprüchlich geriet die Einordnung ihres bewegten Lebens. Und als die alte Dame beim Thema #MeToo so richtig in Fahrt kam und sich auf die Seite der Männer schlug, war der Beitrag zu Ende.

Überhaupt, das Pacing. Neben der Meinung von Susi Wyss zu Weinstein, Spacey und Co. hätte man auch über Klitoris-Forscher Daniel Haag-Wackernagel und dessen Arbeit gern etwas mehr gesehen. Zumal bei der Erläuterung des inneren und äusseren Orgasmus der Frau und dessen wechselhafter Geschichte auch Männer etwas lernen konnten.

Das Gespräch mit der Hamburger Psychologin Sandra Konrad, die sich über den Trugschluss der vermeintlich befreiten weiblichen Sexualität Gedanken machte, hinterliess ebenfalls den Eindruck, dass man hier vor allem an der Oberfläche gekratzt hat. Die Fragen zur aktuellen Sexismus-Debatte wirkten sogar so, als hätte man sie noch schnell reinwürgen müssen. Dabei hätte gerade eine Frau mit dem Fachgebiet «Grenzen setzen» Erhellendes zum Thema beitragen können.

Kumpelhaftes Gespräch

Ausführlich zu Wort kam dagegen «Seitentriebe»-Regisseurin Güzin Kar (lesen Sie hier auch ein Interview). Die Filmemacherin zeigte sich im Gespräch mit Eva Wannenmacher einmal mehr als smarte Beobachterin – und als Frau, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Unverhohlen erzählte sie von Frauen, die einfach nur Sex wollen, und forderte mehr nackte Frauen im Film. Bei Wannenmacher stiess sie damit auf offene Ohren; gegen Ende der Sendung driftete das Gespräch dann aber etwas sehr ins Kumpelhafte ab.

Fazit: Etwas tiefer in die Materie eindringen hätte man bei diesem «Kulturplatz»-Thema durchaus können. Den einen oder anderen Höhepunkt gabs dennoch – sogar für interessierte Männer.

«Kulturplatz» lief am Mittwoch, 28. Februar, um 22.25 Uhr auf SRF 1. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

Güzin Kar
Sex mit Robotern
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