Scharfseher: So sexy ist die neue SRF-Erotikserie «Seitentriebe»

27.2.2018 - 09:05, von Lukas Rüttimann

Die Geschichte von Nele und Gianni interessiert immer weniger Zuschauer. Sie wollen noch einsteigen? Darum gehts in «Seitentriebe».
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Nele und Gianni sind beide attraktive, sympathische Normalos ...
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... , denen jedoch die Leidenschaft in ihrer Langzeitbeziehung abhanden gekommen ist.
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Das mag zwar abgelutscht klingen, wird aber lustvoll inszeniert.
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Der Sex im Kopf ist heiss, die Realität lauwarm – und dass die Hauptfiguren Städter sind, darf man durchaus als mutigen Schritt werten.
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Als sie sich ausgerechnet an ihrem Hochzeitstag auf einem Seitensprungportal begegnen, ...
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... beschliessen sie, Hilfe bei einem Paartherapeuten zu suchen.
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Auch ihre Freunde Monika und Heinz führen eine Mittelstandsehe mit klarer Rollenverteilung.
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Nele (Vera Bommer) mit Michi (Nicola Perot) nach ihrem Seitensprung.
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Ehemann Gianni (Nicola Mastroberardino) entdeckt die beiden und schmeisst den Lover Michi (Nicola Perot) im hohen Bogen raus.
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Mit Clara (Sunnyi Melles) und Anton (Peter Jecklin) lebt ein drittes, etwas älteres Paar den beiden jüngeren vor, wie eine Langzeitbeziehung aufregend und harmonisch bleiben könnte.
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Vera Bommer als Nele.
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Nicola Mastroberardino als Gianni.
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Leonardo Nigro als Heinz.
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Wanda Wylowa als Monika.
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Monika (Wanda Wylowa), Heinz (Leonardo Nigro), Anton (Peter Jecklin), Clara (Sunnyi Melles) und ihr Mann Gianni (Nicola Mastroberardino) überraschen Nele (Vera Bommer) zum 10. Hochzeitstag
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Nele (Vera Bommer, l.) und Davorka (Anne Haug) begutachten Gianni (Nicola Mastroberardino).
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Männerfreundschaft: Heinz (Leonardo Nigro) und Gianni (Nicola Mastroberardino).
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Auch Gianni (Nicola Mastroberardino) begeht einen Seitensprung, mit Davorka (Anne Haug).
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Monika, gespielt von Wanda Wylowa, geht zuviel Risiken ein.
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Der Töfflibub Timo (Jérôme Humm) verehrt Nele (Vera Bommer) und nimmt sie auf seinem fahrbaren Untersatz mit.
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Monika (Wanda Wylowa, l.) und Nele (Vera Bommer) sind beste Freundinnen.
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Wie können Gianni (Nicola Mastroberardino) und Nele (Vera Bommer) wieder Schwung in ihre Beziehung bringen?
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Nackte Haut ist bei «Seitentriebe» nur ein Mittel zum Zweck. Mindestens so prickelnd ist das Aufbrechen von gängigen Beziehungsmustern.
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Die neue SRF-Serie «Seitentriebe» läuft montags, ab dem 26. Februar, immer um 20.10 Uhr auf SRF zwei.
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Frisch, frech, unverkrampft: Der Auftakt zu «Seitentriebe» ist vielversprechend – und zeigt mehr Mut, als man sich sonst auf SRF zur Prime Time gewohnt ist.

Witzig und sexy? Da hat sich das Schweizer Fernsehen mit «Seitentriebe» aber tüchtig was eingebrockt. Für ein breites Publikum lustig zu sein ist schon schwierig genug. Aber auch noch auf Ankündigung sexy? Man muss kein Casanova sein, um zu wissen, dass vorbestellte Erotik in den meisten Fällen in die Hose geht.

Schlechte Karten also für «Seitentriebe», die neue Montagabend-Serie auf SRF eins. Glücklicherweise steht mit Güzin Kar eine Frau hinter der Kamera, die um solche Gefahren weiss.

Bereits bei der Recherche hat die Regisseurin erfahren müssen, dass man in Sachen Sex nichts erzwingen kann: Als die Autorin Langezeitpaare über ihr Sexleben befragen wollte, versteiften sich diese. Erst mit einer gewissen Beiläufigkeit kam die Filmemacherin an jene Informationen heran, die sie für ihre Geschichte brauchte (lesen Sie mehr in unserem Interview).

Güzin Kar

Neue Gesichter, viel Haut

Diese Lockerheit merkt man «Seitentreibe» von Beginn weg an. Das fängt schon damit an, dass hier nicht die üblichen Verdächtigen des SRF-Schaffens ihr Unwesen treiben, sondern frische Gesichter zu sehen sind: Statt eines Mike Müller oder einer Tonia Maria Zindel spielen die bislang völlig unbekannten Vera Bommer und Nicola Mastroberardino die Hauptrollen – und beide machen das hervorragend.

Bommer und Mastroberardino sind das Paar, das in Folge eins den Takt vorgibt. Sie sind beide attraktive, sympathische Normalos, denen die Leidenschaft in ihrer Langzeitbeziehung abhanden gekommen ist. Das mag zwar abgelutscht klingen, wird aber lustvoll inszeniert. Der Sex im Kopf ist heiss, die Realität lauwarm – und dass die Hauptfiguren Städter sind, darf man durchaus als mutigen Schritt werten.

Denn eines wird schon nach der ersten Folge klar: In «Seitentriebe» wird nicht übliche SRF-Prime Time-Unterhaltung à la Hartmann oder «Happy Day» oder sonstigen Folklore-Shows zelebriert, sondern ein modernes, frisches Serienkonzept. Eine Produktion, die vermehrt ein junges und urbanes Publikum ansprechen soll, «Potzmusig»-Fans aber dennoch immer noch zugemutet werden kann.

Unverkrampft und deshalb sexy

Nackte Haut ist dabei nur ein Mittel zum Zweck. Mindestens so prickelnd ist das Aufbrechen von gängigen Beziehungsmustern. Eine Affäre zwischen einer älteren Frau und einem Jugendlichen wird angedeutet, die forsche Anmache einer Frau ist Balsam für #metoo-geschädigte Zuschauerseelen – und ein kleiner Vorgeschmack auf die kommende Action in «Seitentriebe». Denn auf politische oder sexuelle Korrektheit gibt Kar erfrischend wenig; auf hohes Tempo, unpeinliche Dialoge und treffende Situationskomik dafür viel.

Perfekt ist das alles nicht. Über Wendungen wie jene, dass sich das gelangweilte Paar über Tinder zufälligerweise gleich wieder matcht, kann man sicher streiten. Doch über weite Strecken kommen Figuren und Geschehnisse aus «Seitentriebe» unterhaltsam, authentisch und vor allem völlig unverkrampft daher.

Und dass genau das sexy ist, wissen Casanovas genauso gut wie Liebhaber von tollen TV-Serien.

«Seitentriebe» lief am Montag, 26. Februar, um  20.10 Uhr auf SRF zwei. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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