Smart und lustig – Aeschbi läuft nochmals zur Höchstform auf

Lukas Rüttimann

14.12.2018

Kurt Aeschbacher nimmt Ende Jahr den Hut. Bereits Mitte Dezember wurde seine letzte Sendung aufgezeichnet.
Bild: Bluewin/Lukas Rüttimann

Ende Jahr sagt Kurt Aeschbacher adieu. Am Donnerstag fand die Aufzeichnung zur «Aeschbacher»-Dernière statt – mit Aeschbi in Höchstform vor und abseits der Kamera.

Ein «Weichei» sei er, sagt er von sich selber; bei ihm müsse man nie Angst haben, fertig gemacht zu werden. Tatsächlich verbinden die meisten Zuschauer den Namen Kurt Aeschbacher mit Begriffe wie «einfühlsam», «höflich», vielleicht auch noch mit «bunt».

Aber bissig, selbstironisch, frech? Diese Seite würde man eher einem modernen Kollegen wie Roman Kilchsperger zuschreiben – vor allem jenes Publikum, das den einstigen «Grell-pastell»-Paradiesvogel erst in den letzten 20 Jahren seiner TV-Karriere kennengelernt hat.

Tatsächlich moderiert der freundliche Berner die nach ihm benannte Sendung aus der Zürcher Labor-Bar fast genau so lange. Bei der Aufzeichnung zur letzten Show konnte das Publikum gestern Abend (Donnerstag, 13. Dezember) jedoch einen ganz anderen Kurt Aeschbacher kennenlernen. Denn seine rund 30 Minuten Warm-up für die Studiogäste waren so smart, selbstironisch und lustig, dass man fast um die dramaturgische Steigerung für die eigentliche Show fürchten musste.

Kurt Aeschbacher: Die Bilder

Viele prominente Gäste

Ganz offenbar spielte es keine Rolle, dass im Publikum prominente Wegbegleiter wie SRF-Chef Ruedi Matter, Ex-Unterhaltungschef Christoph Gebel oder sein Ex-Freund Andrin Schweizer sassen. Der mit schwarzem Jackett, schwarzer Fliege und weissem Hemd auftretende Moderator liess die letzten 18 Jahre «Aeschbacher» mit viel Witz und Drive Revue passieren – und scheute sich auch nicht, mal einen bösen Spruch fallen zu lassen.

Wunderbar etwa, wie er in bester Stand-up-Comedy-Manier einen typischen Familiensonntag beschrieb, bei dem man nach einem öden Tag am Abend noch «in diese Wohnwand glotzen muss und dort auch nur Gesichtern mit einem ‹Lätsch› sieht». Deshalb, so die Aufforderung ans Labor-Publikum, solle man doch bitte in die Kameras lächeln. 15 Minuten Berühmtheit seien schliesslich «die Erfüllung des Daseins», das habe schon Andy Warhol gewusst.

Sich selbst bezeichnete Aeschbacher unter Gelächter als «fernsehmässiges Fossil», das in letzter Zeit «immer mehr Zeit für die Maske» brauche. Von seinem TV-Studio in der Labor-Bar, «die, anders als ich, unter Denkmalschutz steht», schwärmte er mit echter Leidenschaft; und überhaupt sei es ihm bei «785 Sendungen mit 3'000 Gästen und jeweils 120 bis 140 Zuschauern immer nur darum gegangen, so authentisch wie möglich» zu bleiben.

Tief blicken liess er auch. Als ihm sein damaliger Partner vor 18 Jahren gesagt habe, er müsse aufpassen, dass er «nicht lächerlich» werde mit all seinen Stunts und Verkleidungen, «tat das weh». Doch das sei nötig gewesen; nur so habe er etwas Neues beginnen können. Er habe darauf den Samstagabend – die «hohe Schule der TV-Unterhaltung» – hingeschmissen und ein Gesprächsformat gesucht, bei dem er «ohne Brimborium mit Menschen reden» könne.

Tolle Dernière

Genau das tat er dann auch wieder für seine letzte Sendung, die den Titel «Einfach Aeschbacher» trägt. Über den Inhalt soll an dieser Stelle noch nichts verraten werden. Nur so viel: Sie dauert länger als sonst, und mit Hazel Brugger, Cecilia Bartoli, Christian Jenny oder den Drillingsschwestern aus der ersten Sendung bietet sie gut aufgelegte, spannende Gäste. Vor allem aber zeigte sich der Gastgeber darin noch einmal in grosser Form. Nicht so bissig wie beim Warm-up. Dafür so, wie ihn das Publikum kennt: aufmerksam und authentisch.

Er habe «vor Nervosität fast in die Hosen gemacht», erzählt er «Bluewin» später. Doch davon merkt man während der Sendung nichts. Selbst als der Berner von Nachwuchs-Moderatorin Tama Vakeesan spontan über sich selbst ausgefragt wird, bleibt er souverän: Das Fernsehen werde er nicht gross vermissen, sagt er – «aber die Erlebnisse schon». Er habe tausend Pläne, ihm werde sicher nicht langweilig. Als erstes fahre er nach Bali in die Ferien. Trotzdem hoffe er, dass er «nicht in ein Loch» fällt. Und was macht ein gutes Interview aus? Wie aus der Pistole geschossen kommt Aeschbis Antwort: «Schweigen. Und gut zuhören».

Nachwuchs-Moderatorin Tama Vakeesan fühlt Talk-Veteran Kurt Aeschbacher auf den Zahn.
Bild: Bluewin/Lukas Rüttimann

Rosen und «My Way»

Am Schluss wird der Moderator vom abtretenden SRF-Chef Ruedi Matter mit grossen Worten verabschiedet. «Ich verneige mich vor deiner Lebensleistung», sagt der Mann, der «Aeschbacher» aus Spargründen absetzen musste. Er sei gekommen, um danke zu sagen: «Deine Zeit, lieber Kurt, wird später einmal als die Kurt-Aeschbacher-Ära bekannt sein».

Und der Geehrte? Der umarmt seinen Chef herzlich, packt zum Finale einen Strauss roter Rosen und verteilt diese zu Frank Sinatras «My Way» an sein Team, die Gäste und das Publikum. «Bleibt neugierig, dann kommt alles gut» ruft er noch einmal ins Publikum. Tränen fliessen – allerdings nur bei seinen Mitarbeitern, nicht aber beim Verabschiedeten.

Nicht traurig über den Abschied vom SRF-Bildschirm, Kurt Aeschbacher? Er lächelt: «Vielleicht kommt das noch».

Die allerletzte Ausgabe von «Aeschbacher» läuft am Sonntag, 30. Dezember, um 21.35 Uhr auf SRF 1. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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