Emotionale Wiedergutmachung für SRF-Paradiesvogel Kurt Aeschbacher

Lukas Rüttimann

26.11.2018

Ende Jahr geht die Ära Kurt Aeschbacher bei SRF zu Ende. Zuvor gab es eine grosse Hommage an den TV-Talker – ohne Zwischentöne, dafür mit viel Herz.

Rausschmisse sind selten schön. Doch in der jüngsten Schweizer Geschichte waren zwei prominente Beispiele besonders diskutabel. Als Nati-Trainer Vladimir Petkovic Mittelfeld-Kämpfer Valon Behrami mitteilte, dass er künftig auf Jüngere baue, soll er das mit einem mittlerweile legendären Kurz-Telefonat getan haben. Auch Kurt Aeschbacher erfuhr von seiner Absetzung per Telefon: SRF-Chef Ruedi Matter rief ihn in seinem Haus in Südfrankreich an und teilte ihm mit, dass seine Ära beim SRF zu Ende sei.

Die Reaktionen sind bekannt, die Folgen ziemlich unterschiedlich. Behrami trat zurück, polterte in den Medien, und durfte den 5:2-Sieg der Nati gegen Belgien am TV verfolgen. Aeschbacher dagegen blieb Gentleman, doch Publikum und ein Teil der Medien enervierten sich über den unsensiblen Umgang mit der Legende. Als Wiedergutmachung programmierte SRF darauf eine Hommage für sein langjähriges Aushängeschild.

Symbolisches Treffen

Gestern nun war es also soweit, die SRF-Legende wurde mit der zweistündigen Show «Danke, Kurt Aeschbacher» mehr oder weniger offiziell verdankt und verabschiedet. Dabei hatte es fast schon etwas Symbolisches, als sich die Moderatorin und ihr Stargast zu Beginn gegenseitig herzten. Denn Sandra Studer und Kurt Aeschbacher, das steht für eine gute alte SRF-Zeit, die wohl nie mehr wiederkommt.

Nostalgie kam in der Folge auch dank vieler denkwürdiger Aufnahmen aus dem SRF-Archiv sowie den geladenen Gästen auf. Ehemalige Weggefährten wie Leutschenbach-Haudegen Toni Wachter, Werber Frank Baumann oder Ex-Unterhaltungschef Christoph Bürge hatten den Weg ins Studio gefunden und plauderten über alte Zeiten. Bezeichnend waren Aussagen wie jene eines Redaktionskollegen von Aeschbis Reisesendung «City-Trends». Man habe damals nur den Finger auf die Weltkarte legen und sagen müssen «Dorthin geht’s». Das, da war man sich einig, «würde heute nicht mehr gehen».

Geniales «Grell-pastell»

Herzstück der Hommage waren jedoch die Archivaufnahmen aus «Grell-pastell», das Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger für hohe Einschaltquoten und noch mehr Schlagzeilen sorgte. Zu Recht: Wäre Kurt Aeschbacher die Beatles, diese Sendung wäre sein «White Album». Die richtige Sendung zur rechten Zeit mit dem passenden Personal – «Grell-pastell» war innovativ, informativ, unterhaltsam und originell.



Unvergessene Highlights aus Sendungen wie jene zum Tierpelztragen oder über Schönheitsideale, Roger Schawinskis vernichtende, live vorgetragene Sendungs-Kritik oder die immer wieder originell umgesetzten Diskussionen zum Dauerbrenner-Thema Liebe, Sex und Erotik erinnerten noch einmal daran, wie und weshalb Kurt Aeschbacher zum grössten Schweizer TV-Star seiner Zeit avancierte. Keiner war so bunt wie er, keiner wagte so viel wie er, und keiner tat es mit mehr Charme.

So mutig wie damals war der Berner danach allerdings nie mehr. Das Schweizer Fernsehen konnte und wollte er nicht mehr neu erfinden, dafür konzentrierte er sich zunehmend darauf, einer der besten Interviewer im Leutschenbach zu sein. Wie drückte es Christoph Bürge so treffend aus? «Kurt Aeschbacher hat einen Passepartout für andere Menschen – alle haben ihm ihr Herz geöffnet.»

Emotionaler Schlusspunkt

Auf der Strecke blieb dagegen Aeschbachers Leben abseits der Kameras. Das hatten offenbar auch die Macher gemerkt und fuhren Andrin Schweizer auf. Der Ex-Partner des Moderators öffnete das Fenster zum privaten Aeschbi immerhin ein wenig. Etwa als er über die Trennung sprach oder als er erzählte, dass sich «Aeschbi» permanent über zu viel Arbeit beklage, gleichzeitig Arbeit über alles liebe und nicht ohne sie sein könne.

Schattenseiten oder gar Tiefpunkte fehlten in dieser bittersüssen Wiedergutmachungs-Show dennoch gänzlich. Dass die unschöne Absetzung seiner Talkshow nicht thematisiert wurde, ist jedoch verständlich. Immerhin sprang Satiriker Michael Elsener in die Bresche und verpasste Ex-SRF-Chef Ruedi Matter einen süffisanten Seitenhieb.

«Aeschbi» selbst gab sich die ganze Zeit über auffallend zurückhaltend, fast schon scheu. Am Ende jedoch lief der Geehrte noch einmal zu grosser Form auf. Er übernahm das Wort von Sandra Studer und verteidigte in einer eindringlichen Rede seine Philosophie vom Fernsehmachen, in der ein ehrliches Interesse am Publikum über alles andere gestellt wird.

«Danke für Ihre Treue», sagte «Aeschbi» am Schluss mit Tränen in den Augen. Danke sagen auch wir.

«Danke, Kurt Aeschbacher» lief am Sonntag, 25. November, um 20.05 Uhr auf SRF 1. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

Kurt Aeschbacher
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