Wenn das Gewitter kommt, hilft nur noch hinkauern

Von Gil Bieler

27.7.2021

Je länger das Hudelwetter dauert, desto grösser wird die Ungeduld: Können wir endlich wieder eine Wanderung in den Bergen machen? Ja, aber eine umsichtige Planung ist gerade jetzt das A und O.

Von Gil Bieler

27.7.2021

Der Sommer 2021 ist bislang eher etwas für Stubenhocker. Wegen des wechselhaften und niederschlagsreichen Wetters müssen viele Outdoor-Aktivitäten warten. Man liest von Hochwassern, Erdrutschen, Starkregen. Seit Wochen geht das schon so. Doch in den nächsten Tagen sind wieder trockene Phasen angekündigt. Liegt da auch endlich mal wieder eine Wanderung in den Bergen drin?

Im Prinzip schon, sagt Sibyl Heissenbüttel vom Schweizer Alpen-Club (SAC). «Wenn aber Unwetter angekündigt sind, sind die Vorbereitung, eine gute Zeitplanung und realistische Selbsteinschätzung noch wichtiger als sonst.» Zudem müsse man auch während der Tour aufmerksam bleiben. Und seine Pläne den aktuellen Gegebenheiten anpassen.

Auch Mara Zenhäusern von der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) betont, dass eine umsichtige Planung und gute Ausrüstung entscheidend seien. Vom Ausflug in die Berge will auch sie nicht generell abraten: «Im Moment sollte man aber vielleicht eher defensiv planen.» Sprich: Sich lieber nicht zu viel vornehmen und unterwegs aufmerksam bleiben.

Informationsquellen anzapfen

Beginnen wir am Anfang, bei der Planung. Sibyl Heissenbüttel vom SAC erklärt: «Man muss die lokalen Verhältnisse beachten und im Voraus so gut wie möglich abklären.» Möglichkeiten dafür gibt es viele: «Wenn man in einer SAC-Hütte übernachten will, kann man den Hüttenwart anrufen, er kennt die Lage vor Ort sehr gut.»

Auch ein Anruf bei der Bergbahn oder im Tourismusbüro kann hilfreich sein. Webcams können ebenfalls als Orientierungshilfe dienen, genauso wie das Tourenportal des SAC: Berggänger*innen können dort Problemstellen, die sie unterwegs antreffen, melden. Wer eine Tour plant, kann sich anhand dieser Meldungen einen Überblick über Hindernisse und Gefahren auf der Strecke verschaffen. Wer allein aufbreche, sollte unbedingt jemanden aus seinem Umfeld über seine Pläne informieren, rät Heissenbüttel.

Zur Planung gehört natürlich auch das Studieren der Wetterprognosen. «Dabei gilt: Lieber zu viel Zeit als zu wenig einplanen, im Zweifelsfall lieber eine kürzere Tour machen als eine längere», sagt die SAC-Expertin. Seien etwa Gewitter ab dem Mittag angesagt, müsse man genug früh aufbrechen, damit man dann schon sein Ziel erreicht habe.

Vorsichtig planen

«Das Wetter in den Bergen ist ohnehin unbeständig», sagt Mara Zenhäusern von der BFU. Wegen der «aktuellen Wetterkapriolen» rät sie zu besonderer Vorsicht: «Besser keine Touren mit langen Abschnitten über einem exponierten Grat ohne Rückzugsmöglichkeiten planen. Sondern vielleicht eher kürzere Touren, auf denen man leicht umkehren kann oder auf einen sonstigen Plan B zurückgreifen kann.»

Bleibt das richtige Packen: Schuhe mit gutem Profil sind ein Muss. Weil das Wetter in den Bergen schnell umschlagen kann, gehören in den Rucksack zwingend auch ein Regenschutz, wärmende Kleidung sowie Sonnenschutz, etwa ein Hut und Sonnencreme.

Und gerade weil die Witterung schnell ändern könne, müsse man auch unterwegs die Entwicklung im Auge behalten, sagt Heissenbüttel, etwa mittels Apps. «Es reicht nicht, sich nur vor dem Aufbrechen zu informieren.» Auch sie unterstreicht: «Man muss auch immer vorbereitet sein, umzukehren, wenn Gewitter im Anzug sind.»

Zwei Maenner geniessen die Aussicht auf dem Furggelenstock (1655 m), am Mittwoch, 21. Juli 2021, bei Brunni SZ. (KEYSTONE/Walter Bieri)
Zwei Männer betrachten die aufziehenden Wolken bei Brunni im Kanton Schwyz. 
Bild: Keystone/Walter Bieri

Der beste Tag für Wandern in der laufenden Woche dürfte der Donnerstag sein. Dann erreicht uns «vorübergehend etwas trockenere Luft», heisst es in der Prognose von SRF Meteo. Es dürfte also trocken bleiben. Auch am Samstag soll sich zeitweise die Sonne zeigen, wenngleich es zwischendurch immer wieder zu lokalen Schauern und Gewittern kommen könne – vor allem in den Bergen.

Richtig verhalten

Was aber, wenn man trotz aller Planung von einem Gewitter überrascht wird? «Das Wichtigste ist dann, exponierte Orte wie Kuppen oder Grate zu meiden», so die SAC-Sprecherin. Besser suche man Zuflucht in flachem Gelände oder in Mulden. Auch von alleinstehenden Objekten wie Bäumen solle man sich fernhalten, «so verlockend der Schutz vor Regen auch zu sein scheint».

Die BFU empfiehlt dieselben Vorsichtsmassnahmen. «Relativ sicher sind Höhlen und Felsvorsprünge», heisst es in einem Ratgeber zum Thema. An Felsen sollte man sich nicht anlehnen, sondern mindestens drei Meter Abstand halten.



Ist ein Gewitter bereits in unmittelbarer Nähe, sollte man eine kauernde Stellung einnehmen und die Füsse möglichst geschlossen halten, rät Heissenbüttel. Dadurch werde bei einem Blitzeinschlag die sogenannte Schrittspannung vermieden – der Stromfluss durch den Körper soll so möglichst glimpflich verlaufen.

Auch die BFU empfiehlt: niederkauern statt sich hinsetzen oder hinlegen. Metallene Gegenstände wie Pickel, Steigeisen oder Wanderstöcke solle man von sich weglegen.

Und dann bleibt einem nichts anderes als warten, bis das Gewitter vorbeigezogen ist.