Gewicht und Gesundheit Essen im Biorhythmus: Spielt es eine Rolle, um welche Zeit wir essen?

Kerstin Degen

6.8.2018

Nächtliche Überfälle auf den Kühlschrank bringen unseren Metabolismus ins Schwanken und die Folgen wiegen schwer. Regelmässige Mitternachtssnacks förder nicht nur die Gewichtszunahme, sondern können auch Ursachen für Diabetes und Schilddrüsenerkrankungen sein.
Nächtliche Überfälle auf den Kühlschrank bringen unseren Metabolismus ins Schwanken und die Folgen wiegen schwer. Regelmässige Mitternachtssnacks förder nicht nur die Gewichtszunahme, sondern können auch Ursachen für Diabetes und Schilddrüsenerkrankungen sein.
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Welche Ernährung die gesündeste ist, darüber herrscht noch immer Uneinigkeit. Für die einen ist Fleisch verpönt, andere halten Milchprodukte für die Wurzel allen Übels. Doch viel wichtiger als das «was», soll nun sein wann wir essen.

Frühstücken wie ein Kaiser, Mittagessen wie ein König und Abendessen wie ein Bettler; dieses Sprichwort ist den meisten bekannt. Doch genauso häufig wie es propagiert wird, wird der Einfluss dieser Ernährungsweise auf unsere Gesundheit auch wieder in Frage gestellt.

Spielt es wirklich eine Rolle, was wir wann essen?

Eine neue wissenschaftliche Studie bekräftigt diese Aussage. Die Vorgänge in unseren Zellen sind auf einen 24 Stunden Takt eingestellt, die wichtigsten Zeitgeber dafür sind das Licht und die Nahrungsaufnahme. Für Satchin Panda, Professor am Salk Institute für Biological Research in Kalifornien ist daher klar; nur wenn Ernährung und Biorhtyhmus aufeinander abgestimmt sind, kann unser Körper optimal funktionieren.

Wer seinen Biorhythmus konstant ins Schwanken bringt - durch Mitternachtssnacks beispielsweise - nimmt nicht nur schneller zu, sondern wird anfälliger für Stoffwechselstörungen. 

Pandas Forschung beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen unserer inneren Uhr und unserer Gesundheit. Er fördert mit seinem Team immer mehr Resultate zu Tage, die im Kampf gegen die Fettleibigkeit und ihre gesundheitlichen Folgen durchschlagende Erfolge verprechen.

So sollen Menschen, die drei konstante Mahlzeiten innerhalb eines 8 bis 10-stündigen Fensters zu sich nehmen einen deutlich besseren Metabolismus aufweisen als jene, die vom frühen Morgen bis spät in den Abend hinein snacken.

Letztere sind in unserer heutigen Gesellschaft aber weitaus häufiger anzutreffen. Oft nehmen wir gleich nach dem Aufstehen eine erste Mahlzeit, resp. Kaffee mit Milch ein, die letzte Mahlzeit erfolgt spätabends, wir essen also im Schnitt über 15 Stunden verteilt. Und damit kann unser Körper nicht umgehen.

Die Biologische Uhr

Der Grund: Jedes Organ in unserem Körper hat eine eigene innere Uhr. Angefangen beim Hypothalamus, sozusagen unserer Master-Uhr im Zwischenhirn, der aufgrund des Tageslichts unseren Schlaf-Wach-Rhythmus steuert. Vereinfacht ausgedrückt.

Auch die für den Stoffwechsel unverzichtbare Bauchspeicheldrüse ist mehrheitlich tagsüber aktiv. Sie produziert lebenswichtiges Insulin und steuert damit unseren Blutzuckerhaushalt. Gegen Abend nimmt die Produktion jedoch  merklich ab. Die Folge: Was wir jetzt an Zucker zu uns nehmen, kann nicht in Energie umgewandelt werden, also wird der Zucker als Fettgewebe abgespeichert. 

Unser Verdauungstrakt wird ebenfalls gegen Abend träger. Und so laufen eigentlich all unsere Organe zur beinahe gleichen Zeit auf Hochtouren und  verlangsamen ihre Aktivität, in einem immer wiederkehrenden Rhythmus.

Wer also spätabends oder nachts noch isst, sendet seinem Körper widersprüchliche Signale, denn unsere Organe sind bereits am eindämmern.

Es darf auch mal heiss und fettig sein! Was Sie essen ist gar nicht so wichtig, hauptsache Sie schlemmen zum richtigen Zeitpunkt.
Es darf auch mal heiss und fettig sein! Was Sie essen ist gar nicht so wichtig, hauptsache Sie schlemmen zum richtigen Zeitpunkt.
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Wirkungsvolle Diät: TRE (Time-Restricted-Eating)

Zeitbegrenztes Essen (TRE) soll nun helfen, Menschen mit Übergewicht, Diabetes, Schilddrüsenproblemen oder anderen Stoffwechselstörungen zu heilen.

Dass dies funktioniert, zeigt ein wissenschaftliches Experiment, das eine Gruppe prädiabetischer Männer während fünf Wochen über 12 Stunden am Tag mit den gleichen Mahlzeiten versorgte. Die gleiche Gruppe erhielt in einer zweiten Phase nur ein sechstündiges Fenster zur Essensaufnahme der gleichen Kalorienmenge. 

Die Resultate sprachen für sich. Am Ende der zweiten Phase wiesen alle Teilnehmer einen tieferen Insulinspiegel auf, auch die Blutdruckwerte und die oxidative Belastung gingen merklich zurück und die nächtlichen Heisshungerattacken blieben aus.

Eine ähnliche, an Mäusen durchgeführte Studie belegt sogar: Was Sie essen ist gar nicht so relevant, es darf also auch mal deftig sein. Denn die fetthaltig gefütterten Tierchen blieben schlank und gesund, solange sich das Zeitfenster der Nahrungsaufnahme auf 8 Stunden beschränkte.

Essen Sie sich gesund

Obwohl wir unsere Gesundheit mit einer frühen Nahrungsaufnahme positiv beeinflussen können, müssen wir nicht zwingend auf das Abendessen verzichten. Legen Sie zwei Drittel Ihrer Mahlzeiten in die erste Tageshälfte, entscheiden Sie sich für ein leichtes Abendessen und verzichten Sie danach auf weitere Snacks, dann ist der Grundstein für eine optimale Gesundheit gelegt.

Und wir erhalten die Bestätigung: am alten Sprichwort «Frühstücken wie ein Kaiser, Mittagessen wie ein König und Abendessen wie ein Bettler» ist doch etwas dran.

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