Für wen sind Fitnessapps eine «gute Sache»? – Dieser Test zeigt es klar

Sulamith Ehrensperger

13.1.2020 - 18:10

Mit dem Smartphone läuft es bei vielen auch beim Sporttreiben besser. Sind mehr Fitness und Kondition damit nur eine Frage der Zeit?
Bild: Getty Images

Tipp, tipp, fit – so simpel soll trainieren mithilfe von Apps sein. Welche uns helfen, spielerisch fit zu werden, das hat «Bluewin» mit Maria Kühr, Personaltrainerin in Zürich, ausprobiert.

Wer im neuen Jahr gesund und fit bleiben oder werden möchte, muss nicht zwingend viel Geld investieren. Maria Kühr, welche Vorteile bieten Fitness-Apps?

Richtig eingesetzt, machen sie uns vieles bewusster. Denn wer viel arbeitet und unter Dauerstress steht, hat oft verlernt, auf den eigenen Körper zu hören.

Können Fitness-Apps und Smartwatch einen Personaltrainer ersetzen?

Ersetzen können sie uns wohl nicht. Aber gewisse Bewegungs- und auch Schlaf-Apps erleichtern mir die Arbeit. Sie helfen bei Kunden, die ständig unter Stress stehen und auch im Training das Gefühl haben, sie müssten Vollgas geben, obwohl das körperlich nicht drin liegt. Diese sehen erst ein, dass sie wohl besser meditieren, wenn sie es nicht nur von mir hören, sondern auch von der App.



Erzählen Sie bitte mehr darüber, wie Ihre Kunden den Weg zu einem gesünderen Alltag gefunden haben?

Ich betreue Topmanager, die sich am Anfang gegen das Schlaftracking gewehrt haben. Heute schicken sie mir einmal pro Woche ihre Aufzeichnungen, ich kann das Training entsprechend anpassen. Seit sie aufzeichnen, hat sich ihr Lebensstil von Grund auf geändert. Sie schlafen, regenerieren und trainieren besser und verzichten teilweise aufs Weintrinken am Abend. Ohne Apps wäre das Ganze nicht so handfest und vielleicht nicht so leicht umsetzbar.

Braucht es eine Smartwatch oder kann ich mit Apps alleine trainieren?

Mit gewissen Apps geht das schon, wenn du nicht gerade Berglaufprofi werden möchtest oder sonst total ambitioniert bist. Die Smartwatch sagt dir auch im Alltag, wie viele Schritte du gemacht hast, dass du mal wieder von Bürostuhl aufstehen solltest – und ob du dein Bewegungsziel erreicht hast. Ich persönlich schätze es, ohne Handy joggen zu gehen, Musik zu hören oder im Notfall auch mal zu telefonieren.

Maria Kühr ist Inhaberin und Head Coach von My Personal Gym in Zürich. Menschen zu coachen ist für sie mehr als ein Job, es liegt ihr quasi in den Genen. Ihr Vater war als Fitnesscoach tätig.
Bild: Stefan Soeser

Welches sind die häufigsten Stolpersteine bei App-Training? 

Weil viele nicht mehr auf ihren Körper hören können, besteht manchmal die Gefahr, dass sie zu stark nach den Apps leben. Da wäre es vielleicht sinnvoll, das Handy und die Smartwatch ab und an zur Seite zu legen, an die frische Luft zu gehen und mal wieder auf den Körper zu hören.

Mich persönlich überfordert die Flut an Daten, die man über sich sammeln kann. Wie kann ich diese besser für den eigenen Zweck nutzen?

Ich empfehle, von Anfang an zu schauen, was einem wichtig ist und was ich wirklich brauche. Den Rest einfach mal wegschalten, um nicht so von Daten überflutet zu werden. Vieles ist gar nicht so leicht zu interpretieren, daher für Hobbysportler nicht wirklich nötig.



Kann ein Anfänger wirklich von einer App lernen, die Bewegungsabläufe korrekt auszuführen?

Ein Trainer kann Bewegungsausführungen individuell korrigieren, das kann eine App nicht. Wer viel Sport macht und ein gutes Körpergefühl hat, für den sind sie aber eine gute Sache. Wer hingegen lange keinen Sport gemacht hat, dem empfehle ich, das Training erst mit einem Coach anzuschauen oder einen Einführungskurs zu besuchen. So wird Trainieren mit einer App effektiver – und macht auch mehr Spass.

Sieben Apps, die Lust auf Fitness machen

Pocket Yoga: Den Yogalehrer immer mit dabei

Die Praktiken von Pocket Yoga wurden von Gaia Flow Yoga geschaffen.
Bild: Sulamith Ehrensperger 

Den Yogainstruktor immer mit dabei, ob in der Hosentasche oder am Handgelenk.

⊕ Sie können zwischen 27 verschiedenen Sessions von unterschiedlicher Dauer und Schwierigkeit wählen. Die App zeigt die Posen an und beschreibt sie akustisch. Wer eine Apple Watch trägt, dem zeigt sie am Handgelenk die Posen inklusive der Variationen in der Haltung.

 Die App ist nicht kostenfrei (drei Franken) und nur auf Englisch zu haben. Zudem sind die Programme relativ ähnlich, insbesonders bei den weniger hohen Schwierigkeitsgraden.

Fazit:  Für alle, die ein einfaches, moderates oder intensives Yoga praktizieren möchten, wenn sie es brauchen oder wollen. Eine tolle Ergänzung zum Unterricht im Studio oder anderen Trainingsformen.

Pocket Yoga ist erhältlich für iPhone, iPad, Mac und Android.

Carrot Fit: Training mit Extraportion Humor

Die meisten Fitness-Apps ermutigen auf nette Weise zu einem gesünderen Leben. Carrot Fit ist da anders.
Bild: Sulamith Ehrensperger 

Mit «Hello Meatbag» («Hallo Fleischsack») begrüsst einen Carrot Fit. Und mit dieser Prise Sarkasmus geht es weiter. Das Kurzworkout heisst «7 Minutes in Hell», und die App bezeichnet sich selbst als «Overlord», der beim Abnehmen hilft.

 Die Übungen zeigt ein lustig animiertes Dickerchen. Das Workout ist überall und für alle anwendbar, auch wenn es manchmal viel von uns abverlangt. Carrot Fit ist eine Art erbarmungsloser Drillmeister, der kein Blatt vor den Mund nimmt: Er vergibt fiese Spitznamen und macht sich über einem lustig, weil man nicht härter trainieren kann.

 Die App kostet fünf Franken. Die Tonalität der App ist Sarkasmus durch und durch, das ist auch ihr (Verkaufs-)Konzept. Das kann jene anspornen, die so etwas gern mögen, anderen mag es vielleicht auf die Nerven gehen.

Fazit: Wer über sich selber lachen mag und sich nach mehr Fitness sehnt, für den ist Carrot Fit das Richtige für Zuhause oder als ergänzendes Training.

Carrot Fit ist für iPhone, Android, iPad und Apple Watch verfügbar.

Strava: Mit Challenges zur Bestform

Ob Laufen, Radfahren oder Schwimmen: Strava ist eine der beliebtesten Apps, um sportliche Aktivitäten aufzuzeichnen und diese mit anderen zu teilen.
Bild: Sulamith Ehrensperger

Strava ist nicht nur ein Tracker, sondern ein soziales Netzwerk für Sportler mit dem Fokus auf Laufen, Radfahren, Schwimmen. Wer Motivation und Challenges sucht, gern selber plant und keine geführte Anleitung braucht, der liegt hier richtig.

⊕ Mit Strava können Sie das Training aufzeichnen, analysieren und vergleichen. Die App bietet eine zuverlässige Aufzeichnung von Strecke, Zeit, Distanz und Geschwindigkeit, ein klares und verständliches Audio-Feedback.

⊖ Durch Challenges und Streben nach Bestzeiten gehen manche an ihre Leistungsgrenze und darüber hinaus. Verletzungen oder Unfälle könnten die Folge sein. Die Trainingspläne sind kostenpflichtig, wodurch sich das Programm eher an erfahrenere Läufer richtet, die bereits wissen, mit welchen Methoden sie trainieren müssen. Die App kostet (Monatsabo: sechs Franken). 

Fazit: Für alle, die Challenges und Social Networks mögen – und zur Motivation Daten und Aufzeichnungen brauchen, um Fortschritte sehen zu können.

Strava ist erhältlich für iPhone, Android, iPad und iPod touch.

Headspace: Stress lass nach

Headspace präsentiert sich als «Fitnessstudio für deinen Geist».
Bild: Sulamith Ehrensperger

Headspace ist eine Meditations-App, die helfen soll, sich weniger zu stressen, sich besser zu konzentrieren und zu schlafen. Die Meditationen widmen sich dem Stressabbau, Angstzuständen, Atmung, Ruhe oder Konzentration. Die App zeigt die eigenen Fortschritte an, man kann sich mit anderen verbinden und gegenseitig motivieren.

⊕ Erst führt Headspace mit einer kleinen, erfrischenden Anleitung zur ersten Meditation. Die App ist leicht handzuhaben, einfach im Alltag zu integrieren und vermittelt Meditationstechnik auf eine verständliche Art. Die Meditationen umfassen viele Themenbereiche und sind dementsprechend vielfältig. In kurzer Zeit kann die App mehr Balance in den Alltag bringen.

⊖ Neue Nutzer führt Headspace durch ein zehntägiges Programm, dann werden sie zur Kasse gebeten (Monatsabo: 13 Franken). Vor allem wer die App noch nicht so lange verwendet, verbringt noch mehr Zeit am Smartphone.

Fazit: Wer sich nach mehr Gelassenheit sehnt und wenig von Esoterik hält, für den ist Headspace genau das Richtige.

Headspace ist für iPhone und Android erhältlich.

Just Dance now: Den Tänzer in dir entfesseln

Tanzen zu den eigenen Lieblingssongs und dies dank Just Dance Now schon bald mit einem lockeren Fingerschnippen.
Bild: Sulamith Ehrensperger 

Vorhang auf für mehr Tanzlust. Bei den Sessions mit Just Dance Now bewegen Sie sich nach Lust und Laune und kommen ganz ohne Fitnessstudio ins Schwitzen. Die Tänzer auf dem Bildschirm zeigen die Moves, nun gilt es diese nachzutanzen und zu punkten. Alles was man braucht, um jeden Raum in eine Tanzfläche zu verwandeln, ist ein mit dem Internet verbundener Bildschirm und ein Smartphone.

⊕ Tanzen lernen wie ein Star funktioniert in der Praxis erstaunlich gut. Die Bewegungen werden gut erkannt und im Spiel umgesetzt. Aus den über 500 Songs ist für jeden Geschmack und jede Stimmung ein Stück dabei. Und das Beste: Beim Tanzen denkt niemand mehr an Sport oder ans Kalorienzählen. 

⊖ In der App, die kostenfrei downloadbar ist, gibt es eine Bibliothek mit fünf kostenlosen Songs. Ohne VIP-Pass ist jedoch nur diese Liederauswahl möglich, die nach einem Tag wieder wechselt.

Fazit:  Tanzen bringt das Herz-Kreislaufsystem in Schwung und steigert die Ausdauer. Das Training ist super vielseitig und macht einfach nur Spass, auch wenn die Tanzlehrer nur virtuell existieren.

Just Dance Now ist kompatibel mit iPhone, Android, iPad und Apple TV.

Zombies, Run!: Fordere die Untoten heraus

Zombie, Run! hetzt Ihnen Untote auf den Hals. 
Bild: Sulamith Ehrensperger

Statt kühler Statistiken wartet jetzt eine Zombieapokalypse als Fitnessprogramm. Zombies, Run! verbindet das Lauftraining mit einem spannenden und interaktiven Hörspiel. Über die Geschichte erhalten wir Aufgaben und Ziele, die wir erfüllen sollen. 

⊕ Die App macht uns spielerisch Beine zum Lauftraining. In 30 Missionen, die zwischen einer halben oder ganzen Stunde andauern, schlagen Sie sich als «Runner 5» durch die von Zombies bevölkerten Gebiete. Die App zeichnet dabei Route, Distanz und Geschwindigkeit auf. 

⊖ Bisher ist die App nur auf Englisch verfügbar, was den einen oder anderen zögern lassen dürfte. Wer sich zu fest in die Geschichte vertieft, vergisst vielleicht beim Training auch auf seinen Körper zu hören. 

Fazit:  Blutgierige Zombies im Rücken sorgen für spielerischen Spass beim Intervall- und Lauftraining. Das richtige Training für Horror- und Hörbuch-Fanatiker. Die Zombies können bis zu zwölf Stundenkilometer schnell werden. Wer zu wenig schnell ist, verliert sein Spielerleben.

«Zombies, Run!» ist kompatibel mit iPhone, Android, iPad und iPod touch.

Timeless: Eine App gegen das Vergessen

Timeless lehrt praktische Techniken, die im modernen Alltag funktionieren. 
Bild: Sulamith Ehrensperger 

Die App «Timeless» soll helfen, die eigene Meditationspraxis zu vertiefen und zu entdecken. Die Sitzungen umfassen Entspannung, Schlaf, Konzentration, emotionales Wohlbefinden, Laufmeditation und vieles mehr. Sie beginnen mit einem Gong und dauern zwischen acht und 32 Minuten.

⊕ Timeless ist ein eleganter, minimalistischer Übungstimer, der alles bietet, was man braucht, um die Meditationspraxis zu lernen wie auch zu erweitern. Die Fortschrittsanzeigen, die benutzerdefinierten Ziele und Erinnerungen bieten zudem detaillierte Einsichten. Die geführten Meditationen sind auf das moderne Leben zugeschnitten. Die App funktioniert auch bestens auf der Apple Watch, zu meditieren ist somit immer und überall möglich.

⊖ Die ersten sieben Tage sind kostenlos, danach kostet die App (Monatsabo: zehn Franken). Die Apple Watch zählt jede Meditation als Workout, was manche User in ihren Bewertungen kritisieren.

Fazit:  Eine unkomplizierte App, die einen (wieder) zur täglichen Meditation bringt. Eine praktische Option für alle, die kurze, zeitlich abgestimmte Meditationen mit Smartphone oder Apple Watch mögen.

Timeless ist kompatibel mit iPhone, Android, Apple Watch, iPad und iPod touch.

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