Darum macht der Job japanische Frauen krank

rre

8.10.2019 - 00:00

Gleichberechtigung: Für die meisten Japaner immer noch ein Fremdwort. 
Bild: Getty Images

Mehr als ein Drittel aller Japanerinnen, die psychisch erkrankt sind, machen ihr Arbeitsumfeld für ihr Leiden verantwortlich. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der japanischen Regierung hervor.

Frauen, die in Japan beruflich durchstarten wollen, haben es in der traditionell von Männern dominierten Gesellschaft Japans besonders schwer; sie werden am Arbeitsplatz deutlich häufiger diskriminiert, schikaniert und sexuell belästigt als in anderen Ländern.

Hinsichtlich der Teilhabe am Wirtschaftsleben und der wirtschaftlichen Chancen belegt Japan im Ländervergleich gemäss Gender-Gap-Index des World Economic Forums (WEF) Platz 110 (von 149). Ein Resultat, das sich auch bei der Gleichstellung der Geschlechter unter den G7-Ländern widerspiegelt: Hier rangiert Japan an unterster Stelle.

Sexuelle Belästigung und Mobbing

Bekundungen des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe, man wolle die Frauen mit Unterstützung der Politik stärken, dürften wohl nicht mehr sein als ein reines Lippenbekenntnis.



Die Umfrage wurde zwischen Januar 2010 und März 2017 im Auftrag des japanischen Ministeriums für Gesundheit, Arbeit und Soziales durchgeführt.

Dafür wurden 2'374 Personen befragt. Von den 740 Frauen, die daran teilnahmen, gaben fast 20 Prozent an, schon einmal im beruflichen Umfeld sexuell belästigt worden zu sein. Nahezu 17 Prozent wurden Opfer von Belästigung, Mobbing und von Machtmissbrauch durch Vorgesetzte.

Stress und Überstunden

Weitere 21.9 Prozent berichteten, dass ihre psychischen Probleme durch ein traumatisches Ereignis verursacht wurde, beispielsweise durch einen schweren Unfall oder eine Naturkatastrophe.

Veröffentlicht wurde die Umfrage im Rahmen eines Berichts zur Prävention von Todesfällen als direkte Folge von Überarbeitung.



Seit Jahren kämpfen die Japaner mit den Auswirkungen auf die Gesundheit, die die Überlastung durch Stress im Job und lange Arbeitszeiten mit sich bringen: Bei den 1'634 befragten Männern standen ebenfalls Probleme im Vordergrund, die mit dem beruflichen Umfeld zu tun hatten.

Kaum Ruhepausen

Etwa 23,1 Prozent gaben an, dass ihre psychischen Probleme durch strukturelle Veränderungen im Job oder durch hohe Arbeitsbelastung verursacht wurden; 15,9 Prozent machten Belästigung, Mobbing und Machtmissbrauch dafür verantwortlich.

Weitere 15,3 Prozent gaben an, sie hätten Schwierigkeiten mit ihren Vorgesetzten und 12,8 Prozent machen geltend, dass sie zwei Wochen ununterbrochen gearbeitet hatten.

Bilder des Tages

Zurück zur Startseite