Müssen es wirklich 10'000 Schritte pro Tag sein?

bb

11.8.2021

Laut einer neuen Studie sollen mehr als 8000 Schritte täglich keinen signifikanten Zusatznutzen für die Gesundheit bescheren.
Bild; Getty Images/Westend61

Wer 10'000 Schritte am Tag macht, bleibt gesund, heisst es. Eine Einschätzung, die auf einen Werbegag zurückgeht. Jetzt haben US-Wissenschaftler herausgefunden, dass auch mit deutlich weniger Schritten das Krankheitsrisiko minimiert werden kann.

bb

11.8.2021

Fakt ist: Bewegung tut gut.

Die Frage ist nur: Wie viel Bewegung braucht der Mensch wirklich?

Fitnessarmbänder gibt es bereits seit einigen Jahren – und wann immer die Trägerin oder der Träger damit am Tag 10’000 Schritte abgespult hat, gratuliert das Band ausnehmend fröhlich, was für ein toller und sportiver Mensch man sei.

Wer 10’000 Schritte täglich geht, bleibt gesund, glauben deshalb viele Menschen. Doch hinter dieser magischen Fitnessgrenze steckt keineswegs medizinische Forschung, sondern ein Werbegag, verriet «Spiegel Online» im Jahr 2019.

Und das ging so: 1964 nutzte die Firma Yamasa den Hype um die Olympischen Spiele in Tokio, Japan, und brachte den ersten transportablen Schrittzähler auf den Markt, den «Manpo-kei», was übersetzt so viel heisst wie: der 10’000-Schritt-Zähler. Diese Anzahl der Schritte sei gesund und Ausdruck eines gesunden Lebensstils, meldete der Hersteller.

Wissenschaftliche Studien brauchte er für die Einschätzung damals offenbar nicht. Über die Jahre setzte sich die willkürlich gesetzte Grenze trotzdem durch, selbst bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

«Die Zahl ist ein Mythos»

Woher die Empfehlung ursprünglich kam, geriet sodann in Vergessenheit – seither empfehlen Expertinnen und Experten stoisch: Wer gesund leben, sprich Diabetes, Übergewicht und Schlaganfälle vorbeugen möchte, solle täglich 10'000 Schritte gehen, was umgerechnet rund sieben Kilometer entspricht.

Doch nun hegt eine neue Studie Zweifel an dieser These: US-Wissenschaftler haben herausgefunden, dass schon 8000 Schritte am Tag das Risiko halbieren, an einer Herz- oder Krebserkrankung zu sterben.

Aber das ist längst noch nicht alles: Auch bei «nur» 6000 Schritten sinkt die Sterblichkeitsrate bereits deutlich, erklärt Pedro F. Saint-Maurice, gegenüber dem Nachrichtenmagazin «Spiegel». Saint-Maurice ist Experte für chronische Krankheiten an den National Institutes of Health in Bethesda, Maryland, einer US-Gesundheitsbehörde.



Herausgefunden haben die Forscherinnen und Forscher dies, in dem sie über 4800 Männer und Frauen mittleren Alters während mehreren Jahren und bis zu sieben Tage wöchentlich mit einem Beschleunigungsmesser ausstatteten.

«Die Zahl 10'000 ist ein Mythos», so Saint-Maurice weiter. Die Japaner seien jedoch mit ihrem Marketing-Gag gar nicht so weit von der Realität entfernt.

«Besser als nur zu Hause auf der Couch herumzuliegen»

Die WHO empfiehlt übrigens mindestens 150 Minuten körperliche Ausdauer in der Woche, was umgerechnet gegen 2000 bis 3000 Schritten am Tag entspricht.

Rechnet man die Wege hinzu, die ein Mensch im Alltag ohnehin zurücklegt, sollten selbst Bewegungsmuffel auf jene 6000 Schritte kommen, die die Sterblichkeitsrate, gemäss der neuen US-Studie, schon deutlich senkt.

«Eine Alltagsaktivität wie zu Fuss zum Einkaufen zu gehen ist zwar auch lebensverlängernd, kann gezieltes Training indes nicht ersetzen», sagt dazu Thomas Thouet, Sportmediziner an der Berliner Charité im «Spiegel». Und weiter: «Alles ist aber besser, als nur zu Hause auf der Couch herumzuliegen.»

Fazit: Um gesund zu bleiben, reichen auch einmal weniger als 10'000 Schritte am Tag. Man sollte die gewonnene Zeit aber nicht dafür nutzen, um noch mehr Netflix-Serien zu schauen. Denn stundenlanges TV-Schauen raubt nicht nur den Schlaf, sondern sorgt irgendwann für zusätzliches ungesundes Hüftgold.