Weihnachten – das grosse Fressen

7.12.2018 - 00:00, Charoline Bauer

Gefülltes Geflügel – nur wenige Wege führen an Weihnachten, überhaupt im Dezember daran vorbei.
Bild: Getty

Ab Dezember beginnt die Mast – ob man will oder nicht. Ein Plädoyer für eine genussvolle Weihnachtszeit, natürlich ein Kipferli kauend.

Die Verführung startet schon im September mit den ersten Lebkuchen und Spekulatius in den Supermärkten. Doch nicht mit mir! Weihnachten beginnt für mich traditionell erst im Dezember. Vorher kommt mir kein Plätzchen und kein Schokonikolaus über die Lippen.



Und das ist auch gut so, denn ab Dezember beginnt die Mast – ob man will oder nicht. Nur Menschen mit übernatürlicher Selbstbeherrschung schaffen es, die Vor- und Weihnachtszeit ohne Naschen und Schlemmen zu überstehen.

Stopfgans, dann schickes Silvestermenü

Leckereien, noch dazu meist süss und fettig, warten jetzt überall. Da ist die Kita-Weihnachtsfeier, das Plätzchenbacken mit den lieben Kleinen, das Firmen-Weihnachtsessen, der gemütliche Raclette-Abend mit Freunden, der Besuch auf dem Weihnachtsmarkt mit Glühwein und gebrannten Mandeln und dann kommen erst die Weihnachtsfeiertage – die langen Tage der Völlerei. Zum Jahreswechsel fühlt man sich dann wie eine Stopfgans und trotzdem verleibt man sich noch ein schickes Silvestermenü ein. Dann ist es endlich geschafft!

Während ich genüsslich selbstgebackene Vanillekipferl esse, blättere ich in einer Frauenzeitschrift und lese, wie ich kalorienarm und ernährungsbewusst durch die Weihnachtszeit komme: Bei Weihnachtsfeiern möglichst schon zuhause etwas Leichtes, Gesundes und Füllendes essen, damit man ohne Hunger vor dem festlichen Buffet steht und sich ganz bewusst für die wenigen kalorienarmen Häppchen entscheiden kann. Wenn Menüs serviert werden, niemals zum dazu gereichten Brot greifen, wenn Weihnachtsschoggi dann bitte nur dunkle – und Plätzchen kann man auch ganz wunderbar ohne Zucker und Mehl (und Geschmack) backen.

Käse, nichts als Käse

Interessant, denke ich mir und stecke mit noch ein Kipferl in den Mund. Kann man so machen. Mach ich aber nicht. Ich drehe das Ganze lieber um: Ich achte den Rest des Jahres auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung in Kombi mit ausreichend Bewegung und nehme zu Weihnachten alles mit, was die Weihnachtsbäckerei hergibt. Ich backe Plätzchen und Stollen (und esse sie auch auf), mache so viele Raclette-Abende mit Freunden – bis mir der Käse zu den Ohren herauskommt, und zum Weihnachtsfest gibt es ein mehrgängiges Menu mit allem, was wir gern essen. Inklusive Tiramisu zum Nachtisch. Für das gute Gewissen gibt es noch ein paar exotische Früchte dazu. Und eine Käseplatte.

Mit meinem ausgeprägten Hang zur Schlemmerei bin ich nicht alleine. Gut 30 Prozent der Schweizer verbinden Weihnachten zuallererst mit Essen. Davor rankt nur die Zeit mit der Familie, aber auch die verbringt man ja meist mit essen. Was auch gut ist, denn mit vollem Mund streitet man weniger. Deshalb plädiere ich für eine genussvolle Weihnachtszeit mit guten Freunden, guten Gesprächen und gutem Essen – und wünsche guten Appetit!

Hier gibt es an jedem Freitagmorgen eine Autoren-Kolumne – abwechselnd zu den Themen Mode, Digitales Leben, Essen und Muttersein. Heute: Essen.

Charoline Bauer ist Autorin und Ernährungscoach aus Berlin. Sie schreibt für verschiedene Verlage zu allen Themen, die das Leben lebenswert machen. Als Ghostwriterin realisierte sie in den letzten Jahren mehrere Bücher in Zusammenarbeit mit bekannten Social-Media-Stars. Mit ihrer Schwester betreibt sie ausserdem einen eigenen Fitness- und Ernährungsblog.

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