Backstage – der Zürcher Teenie und die Rockstars

Bruno Bötschi

7.3.2019 - 00:00

David Bowie, Nena, Judas Priest, Iggy Pop, Blondie, Freddie Mercury: Der Bildband «Als wär's das letzte Mal» zeigt Konzertbilder von Rockgrössen – eingefangen anfangs der 1980er von einem Zürcher Teenager.

Mutter Stettler ist schuld. Sie ermutigte, nein, drängte Bruno, ihren Sohn, 1979 das Zürcher Konzert von Abba zu fotografieren. Später half Elvira Stettler immer wieder, die Fotos zu verpacken und zu versenden.

Vater Stettler ist schuld. Walter Stettler war so grosszügig und hat seinen Sohn als Fotograf erkannt und ihm 1979 die «geilste Kamera der Welt» geschenkt: die Canon A1.

100 Rock- und Popkonzerte hat Bruno Stettler anfangs der 1980er Jahre auf rund 20'000 Bildern festgehalten. Die Namen lesen sich wie ein «Who is who» der Musikgeschichte: AC/DC, Abba, Iggy Pop, Queen, Blondie, Nena, Nina Hagen, Genesis, Dire Straits, David Bowie und Stephan Eicher.

Als Punk und Rock auch Zürich eroberten, stand Teenager Stettler an den Konzerten in der vordersten Reihe und schoss seine Bilder. Von Bands wie AC/DC sei er richtig besessen gewesen, sagte er einmal in einem Interview.

10'000 Foto-Bestellungen

Als Fotolehrling beherrschte Stettler die Technik, und schnell merkte er, dass sich mit Konzertfotos Geld verdienen lässt. Für 1,80 Franken pro Abzug verkaufte er die Bilder aus seinen Konzertbesuchen anderen Fans. Er schaltete dafür Inserate in den Musikheftlis «Bravo» und «Pop Rocky» und wurde bald überschwemmt von Anfragen.

In den 1980er Jahren war er von Bands wie AC/DC richtig besessen: Bruno Stettler, Fotograf.
Bild: zVg

Nach dem Konzert von Abba im Hallenstadion erreichten ihn 10'000 Foto-Bestellungen (!). Mit 18 war Stettler bereits selbständig und reiste in ganz Europa herum, begleitete Sängerin Nena auf ihrer Tour und fotografierte sie.

Den Sinn fürs Geschäft verlor Bruno Stettler auch später nicht, als er der Konzertfotografie längst den Rücken gekehrt hatte. Er wurde Musikproduzent, DJ, war im Erotik-Business tätig.

Nach drei Jahrzehnten Dornröschenschlaf wurden die Negative der Rockstar-Bilder nach und nach digitalisiert. Nun lässt Stettler die Vergangenheit, den Geist einer ganzen Generation, in Buchform nochmals aufleben. Von seinen 20'000 Bildern ist dieser Tage eine Auswahl im 400 Seiten starken Bildband «Als wär's das letzte Mal» erschienen.

Bibliografie: Als wär's das letzte Mal, Bruno Stettler, mit einem Vorwort von Arnold Meyer, Sturm & Drang, 59 Fr.

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