Warum Grace Kelly über Lady Diana thront

Markus Wanderl

12.11.2019 - 11:23

Wer würde sich mit ihr messen wollen? Grace Kelly.
Bild: Getty Images

Grace Kelly, die Fürstin Gracia Patricia von Monaco, wäre heute 90 Jahre alt geworden. Sie und Prinzessin Diana starben jeweils den Unfalltod – welche von beiden ist die grössere Ikone?

Für «The Country Girl» von 1954 erhielt Grace Kelly ihren einzigen Oscar. Aber Kelly selbst war kein «Mädchen vom Lande»:

In Philadelphia als drittes von vier Kindern geboren, starb sie als Fürstin Gracia Patricia von Monaco, dies am 13. September 1982, kein Freitag, ein Montag. 1929 geboren, wäre Kelly heute 90 Jahre alt geworden.

Der braune Rover 3500 war an jenem Tag am Ortseingang von Cap-d’Ail über die Klippen gestürzt, 40 Meter tief, diese verdammte Haarnadelkurve. Zunächst wähnten die Ärzte die Fürstin nicht lebensgefährlich verletzt, doch dann: OP, Koma, einen Tag später starb sie, ihre Tochter Stéphanie, damals 17, überlebte.

Fuhr Stéphanie?

Was genau passiert ist, darüber wurde lange spekuliert. Überhöhte Geschwindigkeit? Schlaganfall? Streit? Fuhr Stéphanie?

20 Jahre nach dem Unfall brach Prinzessin Stéphanie ihr Schweigen – «Paris Match» versicherte die nun 37-Jährige, nicht am Steuer gesessen zu haben.

Eine Auserwählte: Grace Kelly bei der Oscar-Verleihung im Pantages Theatre in Hollywood im März 1955. 
Bild: Keystone

Für ein Leben an der Seite von Fürst Rainier III. von Monaco hatte Kelly ihre Schauspielkarriere sausen lassen. Schade. Denn mit gerade einmal 25 Jahren hatte sie sich schon zu Amerikas grossen Charakterdarstellerinnen gesellt.

Unvergessen: die Hitchcock-Filme «Das Fenster zum Hof», 1954, «Bei Anruf Mord», 1954, und «Über den Dächern von Nizza», 1955. Dass ein weiterer berühmter Film mit ihr – «12 Uhr mittags» (beziehungsweise «High Noon», 1952) – ähnlich heisst wie diese Kolumne, ist bloss ein Zufall.

Fürstin Gracia Patricia und Fürst Rainier III. von Monaco, aufgenommen an einer Gala des Roten Kreuzes am 2. April 1974.
Bild: Keystone

«To Catch A Thief», 1955 – soeben hatte sich eine andere Ikone zu Tode gefahren: James Dean. Es muss hier unbedingt erwähnt werden, dass jener am Morgen des 13. September noch Ursula Andress auf eine Spritztour hatte mitnehmen wollen. Im Porsche.

Aber dann war just John Derek, Regisseur, Schauspieler und nach Andress noch mit Bo Derek (ja, ja, einmalig, wie sie 1979 zur Maurice Ravels Boléro verführte) verheiratet, eingetroffen – und «James sah John und wusste, dass ich John Derek liebte», wie es Andress einmal erzählt hat. Lag jemand der Ostermundigerin eigentlich nicht zu Füssen?

James Dean und Ursula Andress am 29. August 1955 im Ciro's, jenem bekannten Nachtklub in Los Angeles – einen Monat später war Dean tot.
Bild: Getty Images

Daten, die sich einprägen

Prinzessin Diana wurde am Ende von Dodi Al-Fayed, Sohn des ägyptischen «Harrods»-Besitzers und einmal auch am Genfersee wohnhaften Mohammed Al Fayed, gehuldigt – und was wir Normalsterblichen in der Nacht vom 30. auf 31. August 1997, als Diana infolge des Autounfalls nahe der Alma-Brücke in Paris starb, getan haben, wissen viele von uns noch. So geht es den Älteren mit dem 22. November 1963 und jenem Geschehnis in Dallas auch, und erst recht wissen wir, wo wir an 9/11 gewesen sind.

Diana war übrigens ein Mädchen vom Land. Im Haus Sandringham, Grafschaft Norfolk, wurde sie geboren, dort wuchs sie auf, das Städtchen King’s Lynn liegt zwölf Kilometer entfernt, die erste ernstzunehmende Stadt, Norwich, rund 70 Kilometer weit weg.

Die Beziehung zwischen Diana und Charles soll im Juli 1980 begonnen haben, da war Diana 19 – und unaufhaltsam begann ihr Weg zur Medienikone. Die Paparazzi sollten ihr bis in den Tod folgen.

Lady Di und Prinz Charles 1981.
Bild: Keystone

Kelly wiederum war schon eine Ikone, als sie Rainier ehelichte. Kraft ihrer Filme, ihres schauspielerischen Wirkens. Kelly und Cary Grant über Nizzas Dächern – ist da jemand, der nicht verzaubert wäre von dieser Frau, okay, den beiden?

Hitchcock hatte die «arme Marilyn Monroe», der man den Sex vom Gesicht hätte ablesen können, bedauert. Aber Kelly war sein Lieblingsstar, diese unnahbar blonde, unsagbar kühle Hollywood-Prinzessin, die sich später mit Rainier gestritten haben soll, dass die Hotelflure bebten. Charles und Lady Di waren auch hier nur Nachahmer.

Künftig gibt es regelmässig bis unregelmässig um 12 Uhr auf «Bluewin» die Kolumne am Mittag. Geht es heute in Teil 2 um Grace Kelly und ein bisschen um Lady Di, war in Teil 1 von Sophia Thomalla die Rede – traf ich sie doch am Flughafen.

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