Dolly Röschli: Das Medium und die Stimmen aus dem Jenseits

9.9.2018 - 10:00, Dolly Röschli/bb

Dolly Röschli über ihre Biografie: «Das Buch widerspiegelt meine Erfahrungen seit meiner Kindheit und legt meine Sichtweise und meine ganz persönliche Meinung dar. Ich habe dabei keine Anspruch auf Allgemeingültigkeit, und schon gar nicht will ich irgendeiner Religion zu nahe treten.»
Bild: michelphotography

Dolly Röschli sah schon als Kind Menschen, die andere nicht sehen konnte. In ihrer Biografie «Hallo, Jenseits» beschreibt sie ihren Weg hin zur Akeptanz ihre Medialität, und zeigt auf, wie Jenseitskontakte funktionieren.

«Hallo, Jenseits – Mein Dialog mit der geistigen Welt» ist das Buch einer Frau, die ihre eigenen Ängste besiegen musste, denn schon als Kleinkind begann für sie ein Albtraum, der nicht enden wollte. Im Teenageralter wurde Dolly Röschli (43) klar – entweder sie befasst sich mit ihre Medialität, oder sie muss ihre Fähigkeit bewusst unterbinden.

Nach langem Ringen entschied sie sich, anzunehmen, was ihr in die Wiege gelegt wurde. Im Buch «Hallo, Jenseits», dass dieser Tage im Wörterseh Verlag erscheint, erzählt Röschli, die im Emmental aufgewachsen ist, ihre Lebensgeschichte.

Darüber hinaus gibt sie weiter, was sie in Tausenden Gesprächen mit Verstorbenen erfahren hat, und macht zwei Dinge klar: Erstens, wir müssen uns vor dem Jenseits nicht fürchten, und zweitens, wri sind nie allein. Erst recht nicht im Moment unserers Todes.

«Bluewin» publiziert das Kapital «Die alte Frau im Zug» als exklusiven Vorabdruck– plus können die Leserinnen und Leser am Ende der Geschichte das Buch zu einem vergünstigten Preis direkt beim Verlag bestellen.

Die alte Frau im Zug

Ich bin überzeugt davon, dass es Ereignisse im Leben eines jeden Menschen gibt, die vorbestimmt sind. Sie verändern den Lauf unseres Lebens. Nichts ist danach mehr so, wie es einmal war. Es ist ein Richtungswechsel, der gut und bedeutsam ist, auch wenn wir nicht immer gleich den Sinn davon erkennen.

Wir haben drei Möglichkeiten, auf Ereignisse zu reagieren: Wir nehmen unser Schicksal an und schlagen dadurch den leichten Weg ein. Sträuben wir uns hingegen, wählen wir einen mittelschweren oder einen schweren Pfad. Denn sicher ist: Das, was uns vorbestimmt ist, wird eintreffen. Ob wir es annehmen oder nicht.

Man kann es mit einer Reise vergleichen. Einer Reise an einen Ort, wo wir etwas Wichtiges erledigen sollten, der Zeitpunkt aber nicht bestimmt ist. Wir können über die Autobahn auf direktem Weg da hinfahren oder einen beschwerlicheren Weg über die Landstrasse nehmen. Wir können das Unterfangen auch ganz ablehnen oder mittendrin umkehren.

Doch so sehr wir uns auch sträuben, das Leben wird uns immer wieder daran erinnern, dass die Reise eigentlich wichtig wäre, und jedes Mal den Druck erhöhen, bis wir sie endlich machen. Ich wählte wohl einen mittelschweren, steinigen Weg, denn ich wehrte mich lange dagegen, meine Bestimmung anzunehmen.

Mein Leben nahm eine Wendung, als ich 17 war. Ich hatte gerade das Musikkonservatorium abgebrochen und eine Lehre als Anwaltsassistentin begonnen. Meine Chefin war nicht nur eine glänzende Juristin, sie war auch eine grossartige Arbeitgeberin und Freundin; jeden Tag lernte ich etwas Neues dazu. Sie staunte immer wieder, wie gut ich mit schwierigen Klienten umgehen konnte, und riet mir mehrmals, ich solle Psychologie studieren. «Später vielleicht», gab ich ihr dann zur Antwort.

Das Arbeitsleben bereitete mir Freude, der Rest meines Alltags hingegen bedrückte mich immer mehr. Konnte ich in meiner Kindheit nur meinen Urgrossvater sehen, tauchten, seit ich etwa 15 Jahre alt war, immer häufiger unbekannte Geistwesen auf. Aus dem Nichts heraus standen sie vor mir. Sie blitzten vor meinen Augen auf, sprachen nicht und verschwanden nach einiger Zeit wieder. Es passierte überall, zum Beispiel im Zug, im Restaurant, im Büro, während eines Rockkonzerts.

Meist dauerte es eine Weile, bis ich überhaupt realisierte, ob es sich um einen Menschen oder um ein Geistwesen handelte. Es kam vor, dass ich mich im Zug hinsetzte, mein Gegenüber grüsste und erst wegen der verwunderten Reaktionen anderer Fahrgäste merkte, dass ich meinen Gruss an jemanden gerichtet hatte, den nur ich sah. Ich erinnere mich an ein Rockkonzert, das ich zusammen mit einer Freundin besuchte. In der Pause flüchtete ich panisch aus der Halle, da ich nur noch Geistwesen rund um mich herum sah und glaubte, verrückt zu werden.

Am meisten Angst hatte ich, wenn Verstorbene in der Nacht auftauchten. Bestimmt ist es nicht schwierig, nachzuvollziehen, was für ein Schrecken mir in die Knochen fuhr, wenn kurz vor dem Einschlafen die Umrisse eines Geistes zu sehen waren. Da war an Schlaf nicht mehr zu denken.

Damals wusste ich nicht, dass mir die Geistwesen nichts tun wollten. Sie nutzten vielmehr die Möglichkeit, mit mir in Kontakt zu treten, da ich sie ja sehen konnte. Ich verfügte jedoch nicht über die Technik, um mit ihnen klar kommunizieren zu können. Sobald sie das merkten, verschwanden sie auch wieder. Diese Ereignisse ängstigten mich, da ich nicht einordnen konnte, was ich gesehen hatte und wie ich damit umgehen sollte. Ich wusste einfach zu wenig darüber, wusste nicht, dass es meine medialen Fähigkeiten waren, die sich allmählich manifestierten.

Das begann sich an jenem Tag zu ändern, als ich auf dem Weg in die Berufsschule im Bummelzug nach Langenthal sass. Da ich für eine anstehende Prüfung Französisch lernen musste, interessierte ich mich nicht gross dafür, was um mich herum geschah. Wie ich später feststellte, hatte mir gegenüber eine ältere Frau Platz genommen. Sie war einfach gekleidet, mit langem Rock und einer Strickjacke.

Die Frau hatte mich wohl schon längere Zeit angestarrt. Als ich mein Buch zuklappte, sprach sie mich an: «Meitli, du hast das Gefühl, du wärst nicht normal. Aber ich kann dir versichern, du bist normaler als viele andere. Du besitzt eine Gabe, und du musst lernen, damit umzugehen.» – «Wie kommen Sie darauf?», fragte ich erschrocken. «Ich sehe das», erwiderte die Frau und drückte mir eine Visitenkarte in die Hand. «Sie kann dir helfen.»

Die Frau stand auf und verliess den Zug. Für einen Moment starrte ich regungslos auf die Karte, dann erst realisierte ich, dass die Frau gegangen war, und rannte ihr hinterher. Von der Zugtür aus sah ich noch, wie sie den Bahnsteig entlangging. Ich rief ihr hinterher, winkte, doch sie drehte sich nicht um und verschwand im Dunkel der Bahnhofsunterführung.

Ich ging zurück auf meinen Platz und las erst jetzt, was auf der Visitenkarte in meiner Hand stand: «Astropsychologische Lebensberatung», der Name einer Frau sowie eine Telefonnummer. «Astropsychologie?», fragte ich mich. Ich hatte nie davon gehört, konnte mir nichts Konkretes darunter vorstellen. Daheim zeigte ich die Karte meiner Mutter. Sie gab mir den Rat, dort anzurufen: «Versuch es, was kann schon passieren?»

Eine Woche später sass ich in einer kleinen, lichtdurchfluteten Wohnung in Roggwil. Esther, so hiess die Frau, war eine gut gekleidete, eloquente Mittdreissigerin und glich so gar nicht den «Hokuspokus-Tanten» mit Glaskugeln aus meiner Vorstellung. Sie bot mir das Du an und erklärte, sie werde zuerst mein astrologisches Diagramm zeichnen. «Geburtsdatum, Zeit und Ort, bitte?»

Je länger sie das Diagramm betrachtete, das sie erstellt hatte, desto mehr wuchs ihr Interesse an mir. Irgendwann sah sie mich durchdringend an und sagte: «Dein Horoskop zeigt, dass du grosse mediale Fähigkeiten hast, weisst du das?» – «Nein, woher auch?», antwortete ich leicht gereizt. «Ich war noch nie bei einer Astrologin.» – «Es geht hier nicht nur um Astrologie», antwortete Esther, «ich kann auch zu Verstorbenen Kontakt herstellen.»

Mein Puls schlug schneller. «Sieht sie wirklich Verstorbene?», fragte ich mich. «Womöglich die gleichen wie ich? Bin ich doch nicht abnormal?» Zig Fragen schossen mir durch den Kopf. Esther sass ruhig und konzentriert in ihrem Stuhl. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis sie wieder anfing zu sprechen. Sie sehe einen alten Mann, sagte sie und begann, ihn zu beschreiben. Schnell wurde klar: Esther beschrieb meinen Urgrossvater Jakob.

Auch ich sah ihn. Er war kurz zuvor im Raum erschienen und stand neben Esthers Stuhl. Wir sahen beide Urgrossvater Jakob, wie er lächelnd bei uns im Zimmer war! Ein zentnerschwerer Stein fiel von meinem Herzen. Ich war überwältigt. Endlich war da jemand, der die Geistwesen sah, so wie ich. Ich war nicht allein. Ich war nicht verrückt.

«Ich habe noch eine Botschaft von ihm an dich», sagte Esther dann. «Dein Urgrossvater wollte auf dich aufpassen, darum war er während deiner Kindheit so oft bei dir. Und er sagt, du sollst deine Fussgelenke schonen, sie sind deine Schwachstelle.»

Als ich zu Hause ankam, fühlte ich mich noch immer wie in Trance. Ich war dankbar, glücklich und bestürzt. Wie Schuppen fiel es mir von den Augen: Es musste einen Gott geben. Logisch. Wieso hatte ich nicht schon viel früher daran geglaubt? Obwohl ich meinen Urgrossvater von klein auf sehen konnte, zweifelte ich an einem Leben nach dem Tod. Auf einmal wusste ich: Vieles von dem, was ich immer geleugnet hatte – die biblische Geschichte, die Zehn Gebote, die Auferstehung –, das alles war vielleicht wahr. Es ergab einen Sinn.

Dann fielen mir in diesem Zusammenhang viele kleine Sünden ein, die ich begangen hatte und für die ich mich nun schämte. Ich kam zu dem Entschluss: Ich muss ein besserer Mensch werden. Ich würde zwar nicht öfter in die Kirche gehen, nein, was ich fühlte, hatte nichts mit der Institution zu tun. Doch von nun an wollte ich die Gebote ernst nehmen, weniger an mich denken und mehr für andere tun. Mein Weltbild war ins Wanken geraten. Und begann sich nun neu zusammenzusetzen.

Leserangebot: «Hallo Jenseits»

«Bluewin»-Leserinnen und -Leser können das Buch «Hallo Jenseits» unter dem Codewort bw18hj zum Spezialpreis von 24.90 Fr. statt 29.90 (inklusiv Porto und Verpackung) bestellen. Entweder direkt über www.woerterseh.ch, per Mail: leserangebot@woerterseh.ch oder telefonisch: 044 368 33 68. Achtung: Bitte das Codewort nicht vergessen.

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