Was ist das eigentlich: Glück?

20.3.2018 - 00:00, Jan Ludwig, dpa/bb

Am 20. März feiert die Welt den Internationalen Tag des Glücks. Aber was verstehen Wissenschaftler unter Glück? Ist Glücklichsein erblich? Wo leben die glücklichsten Menschen? Und was hat ein Waisenkind aus Indien mit dem Weltglückstag zu tun?

Das «Streben nach Glück» ist nicht nur in der Unabhängigkeitserklärung der USA als Recht verbrieft. Auch die Vereinten Nationen bezeichnen es als «grundlegendes Ziel des Menschen». Höchste Zeit also, ein paar Fragen zu diesem Ziel zu beantworten.

Wie kommt man auf die Idee, einen Weltglückstag ins Leben zu rufen?

Im Jahr 1980 liegt ein Neugeborenes in den staubigen Strassen der indischen Metropole Kolkata Fur. Von Hunger und Durst entkräftet, droht es binnen Tagen zu sterben.

Doch Mitarbeiter von Mutter Teresas Hilfsorganisation nehmen sich des kleinen Jungen an. Sie nennen ihn Adam - wie der erste Mensch in der biblischen Erzählung. Im Alter von zwei Wochen adoptiert ihn dann eine Amerikanerin. Jayme Illien wird nun sein Name.

Schriftsteller Hermann Hesse (1877-1962) sagte über das Glück: «Glück ist Liebe, nichts anderes. Wer lieben kann, ist glücklich.» (Symbolbild)
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Aus dem Jungen wird ein Mann, der sein eigenes Glück anderen zuteil werden lassen will. Illien übernimmt die Leitung einer Organisation für Adoptionen, engagiert sich als Philanthrop, wird UN-Berater und setzt sich für einen Weltglückstag ein. Am 28. Juni 2012 ist er am Ziel: Die Vereinten Nationen beschliessen in einer Resolution den Internationalen Tag des Glücks.

Was ist das eigentlich: Glück?

Aus neurobiologischer Sicht fühlen wir uns dann glücklich, wenn eine Art guter Cocktail aus körpereigenen Chemikalien durchs Hirn strömt. Oxytocin zum Beispiel wird bei Umarmungen und beim Orgasmus ausgeschüttet, bei Frauen auch während der Geburt und beim Stillen. Als sogenanntes Bindungshormon macht es uns entspannter, vertrauensseliger und monogamer.

Wir empfinden auch ein Hochgefühl, wenn mehr Dopamin gebildet wird. Der Botenstoff regt im Hirn das «positive Belohnungszentrum» an, das eigentlich mesolimbisches System heisst. Dort entsteht ein Glücksgefühl. Dopamin spielt auch bei der Produktion von Endorphinen eine Rolle.

Das sind gewissermassen körpereigene Drogen - nur ohne heftige Nebenwirkungen. Endorphine lindern vor allem Schmerzen und stimulieren das Immunsystem. Weil unser Hirn so verschaltet ist, können Umarmungen gegen Traurigkeit helfen und Sex gegen Kopfschmerzen.

Liegt Glück in den Genen?

Zum Teil ja. Der Schlüssel zum Glück lautet SLC6A4. Was aussieht wie ein Passwort, ist in Wahrheit der Fachbegriff für ein Gen. SLC6A4 leitet das Hormon Serotonin in die Zellen weiter, und das lässt uns entspannt sein und gut gelaunt. Forscher gehen, grob gesagt, von zwei Arten dieses Gens aus: einer Langform und einer Kurzform. Wer ein längeres Gen hat, der hat mehr Serotonin in den Zellen - und sieht eher das Positive. Ein kürzeres Gen macht anfälliger für Pessimismus.

Also gute Gene, gute Laune? Wissenschaftler vermuten, dass Gene allgemein für ein Drittel bis die Hälfte unseres Wohlbefindens verantwortlich sind. Das würde erklären, warum manche Menschen von Natur aus glücklicher wirken als andere - bei ansonsten gleichen Umständen. Eineiige Zwillinge haben wiederum ein sehr ähnliches Glücksniveau, auch dann, wenn sie an unterschiedlichen Orten wohnen.

Was macht am glücklichsten?

Ein stabiles soziales Umfeld, Zuneigung und Liebe haben laut Forschern die nachhaltigste Wirkung. Wer sich in seiner Familie und unter Freunden angenommen fühlt, meistert auch schwierigere Lebensphasen leichter. Auch wer sich sozial engagiert, lebt im Schnitt zufriedener.

Reichtum macht übrigens ab einer gewissen Grenze kaum noch glücklicher. Es müssen vor allem die Grundbedürfnisse befriedigt werden, im besten Fall mit einem kleinen Polster. Darüber hinaus steigt das Glück nur noch sehr langsam an.

Wo leben die glücklichsten Menschen?

Letzte Woche wurde Finnland 2018 zum glücklichsten Land der Welt erkoren. Platz zwei schafft Dänemark, Platz drei Norwegen, gefolgt von Island. Ebenfalls in den Top Five: die Schweiz.

Österreich belegt Platz 12, Deutschland folgt erst auf dem 15. Platz. Deutlich zurückgefallen sind die USA. Sie stehen im diesjährigen World Happiness Ranking auf Platz 18 – vier Positionen schlechter als vergangenes Jahr.

Für den jährlichen «Weltglücksreport» vom «Netzwerk für Nachhaltige Entwicklung» der Vereinten Nationen schauen die Forscher auf Daten wie etwa das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, die Lebenserwartung und das persönliche Freiheitsempfinden.

Sechsmal haben die Experten bisher den Weltglücksbericht vorgelegt. In der Ausgabe von 2015 hatte es die Schweiz sogar an die erste Stelle geschafft.

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