Sprachpfleger Hilfe, ich werde «gefolgt»!

Von Mark Salvisberg

4.2.2020

«Gefolgt von» ist kein besonders gutes Deutsch
«Gefolgt von» ist kein besonders gutes Deutsch
Bild: iStock

Sie hat es bis zur Standardformulierung gebracht: die nicht lupenreine Wendung gefolgt von. Sie scheint den Sprachpfleger zu verfolgen. Dabei gebe es überraschend simple Lösungen, murrt dieser.

Behandeln verlangt den Wen-Fall, den Akkusativ: Die Ärztin behandelt Anna. Deshalb kann dieses Verb so – in der Passivform – verwendet werden: Sie wird behandelt.

Will man hingegen von einem Verb, das den Dativ verlangt, eine solche Passivform bilden, klingt das haarsträubend, und es ist auch falsch: Max traut Anna. «Sie wird getraut»? Nein. Doch wer weiss, wenn das Vertrauen anhält, werden die beiden ja wirklich noch getraut.

In der Bedeutung von jemanden verheiraten gilt nämlich wiederum der Akkusativ.

Wer liegt vor wem? – Und schon ist’s passiert

Beat Feuz liegt an der Spitze des Abfahrts-Weltcups, dicht «gefolgt von» Dominik Paris. Folgen. Auf Deutsch heisst es wem folgen und nicht wen. Die Pseudopassivform «gefolgt von» ist also, wie eingangs erwähnt, eigentlich regelwidrig.

Warum hat sich «gefolgt von» trotzdem eingebürgert?

Im Englisch und Französisch wird folgen im Akkusativ verwendet. Followed by ist somit korrekt, «gefolgt von» ist aber nur eine Möchtegern-Übersetzung davon.



Und der Franzose sagt: Elle le suit (Akkusativ). Das heisst auf Deutsch aber nicht «Sie folgt ihn», sondern ihm. So wird mindestens klar, wie der Fauxpas entstanden sein könnte.

Hier werden Sie geholfen!

Die Lösung ist, wie so oft, genauso einfach wie elegant; schreiben Sie: Beat Feuz liegt an der Spitze, es folgt/folgen Dominik Paris und XY. Oder aber: Feuz liegt an der Spitze, vor XY ...

Die missratene Wendung gefolgt von figuriert leider seit zig Jahren im Duden. Frei nach dem Motto: Je häufiger etwas falsch verwendet wird, desto «richtiger» wird es.



Ebenfalls im Duden steht: Hier werden Sie geholfen! Klingt in der Tat unbeholfen. Dem liegt derselbe Nicht-denk-Fehler zugrunde, allerdings wurde er absichtlich generiert. Bekannt wurde der Satz durch die deutsche Werbe-Ikone Verona Pooth ehemals Feldbusch.

Das Wörterbuch klärt sogleich auf, dass es sich hierbei um eine ironische Wendung handelt. Gut gemacht, Duden, denn ironisch oder nicht – manchmal fällt es einem schwer, zu unterscheiden, ob ein Fehler absichtlich, aus Unwissen oder aus opportunistischen Gründen dort eingetragen wurde.

Bleibt noch zu ergänzen, dass Dominik Paris sich leider verletzt hat. Somit wird Feuz im Weltcup bestimmt bald von jemand anderem «gefolgt».

Zur Person: Mark Salvisberg war unter anderem als Werbetexter unterwegs. Der Absolvent der Korrektorenschmiede PBS überarbeitet heute
täglich journalistische Texte bei einer grösseren Tageszeitung.

Möchten Sie, dass der Sprachpfleger ein bestimmtes Thema behandelt? Senden Sie eine E-Mail an redaktion2@swisscom.com mit Betreff «Sprachpfleger».

Die besten Tricks für Google Docs

Zurück zur Startseite