Nina Burri: «Für jeden ziehe ich mich nicht aus»

Lukas Rüttimann

10.5.2018

Schlangenfrau Nina Burri hat genug von der Zensur auf Facebook und veröffentlicht ihren ersten Fotoband «Body in Motion». Warum sie sich so gern nackt zeigt, erklärt sie im Interview mit «Bluewin».

Bluewin: Frau Burri, warum sind Sie auf Bildern so oft nackt zu sehen?

Nina Burri: Ich benutze lieber das Wort «Akt» statt «nackt». Natürlich handelt es sich um Nacktbilder, aber sie haben alle einen künstlerischen Anspruch. Die Aufnahmen sind dezent und auf einem Niveau, das nicht billig wirkt. Ich muss mich jedenfalls nicht dafür schämen – und jeder, der sich die Bilder in «Body in Motion» anschaut, auch nicht.

Viele Bilder sind in freier Natur geschossen worden. Welche der Aufnahmen waren für Sie am schwierigsten?

Irgendwas war immer. Wenn ich mich verrenke, kann ein Shooting mehrere Stunden dauern. Da stirbst du manchmal fast. In Position kann ich weder essen noch trinken, obwohl das für den Körper extrem anstrengend ist. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Shooting in den kalifornischen Bergen, wo es geregnet und gestürmt hat, und ich echt nicht mehr wusste, wie ich mich auf dem Fels halten soll. Immerhin sind die Bilder super geworden.

Hemmungen haben Sie keine?

Die darf man nicht haben. Wer Hemmungen oder Probleme mit seinem Körper hat, sollte sich nicht nackt ablichten lassen. Man sieht das den Bildern fast immer an. Entweder macht man es mit Überzeugung, oder man machts nicht. Wenn ich die Mädchen bei Heidi Klums «Germany’s Next Topmodel»-Show sehe, die jeweils fast einen Nervenzusammenbruch haben und jammern, dass sie der Freund daheim so nicht am TV sehen darf, muss ich immer lachen.

Sind Sie Exhibitionistin?

Ich bin gelenkig, darum wäre ich wenn schon eine Flexhibitionistin (lacht). Es gibt für mich durchaus Grenzen. Mit meinem Verlag haben wir zum Beispiel ganz klar abgemacht, dass es keine Unten ohne-Fotos von mir geben wird. Das würde ich nicht machen.

Hinterfragen Sie sich? Woher kommt die Lust an der Präsentation?

Das war eine lange Entwicklung. Als Model arbeite ich schon seit über 20 Jahren auch mit meinen Körper. Der Wusch der Fotografen, mich künstlerisch nackt zu fotografieren, war immer da. Irgendwann habe ich damit angefangen, und es ist sehr gut angekommen. Wenn es stimmt und nicht billig oder schmutzig daherkommt, mache ich solche Fotos gerne. Ich kriege aber auch Anfragen, die für mich nie in Frage kämen. Für jeden ziehe ich mich nicht aus.

Welches Gefühl geben Ihnen Nacktfotos?

In gewisser Weise vielleicht ein exklusives, weil nur wenige solche Fotos machen. Ich sehe meist nur billige Fotos für Herrenmagazine, das ist etwas völlig anderes. Ein Beispiel: Ich habe ein Foto schiessen lassen mit mir unter einem Wasserfall. Zuerst trug ich ein Bikini-Höschen – und prompt hat es ausgesehen wie aus dem «Playboy». Dann habe ich einen Akt draus gemacht, worauf das Foto wie ein Gemälde wirkte, auf dem ich mit der Natur verschmelze. Die Grenzen zwischen ästhetisch und billig sind manchmal ganz fein.

Sie wurden für ihre Fotos auch schon angegriffen. Ein Artikel in einer Schweizer Illustrierten suggerierte, Sie wollen nur auffallen, weil es Ihnen nicht läuft.

Das war idiotisch. Kritik ist okay, aber nicht, wenn man keine Ahnung hat. Diese Journalistin hatte noch nie eine Show von mir gesehen und behauptete irgendwelche Dinge. Ich bin seit zehn Jahren im Geschäft und mein Terminkalender ist randvoll. Ich ziehe mich nicht aus, um Jobs zu kriegen. Ausserdem war das kritisierte Bild ein Spass auf Facebook, den sie nicht verstanden hat. Ich muss nicht allen gefallen, aber fundiert sollte die Kritik schon sein.

Die Zensur auf Facebook war einer der Gründe für das Buch ...

... (unterbricht) wollen Sie das neuste Kapitel in dieser Geschichte hören? Facebook hat mir verboten, mit dem Buchcover eine Promo-Kampagne zu fahren. Begründung: Die Pose sei explizit, man sehe zu viel Haut. Dabei sieht man nur meine Arme und mein Gesicht, das sich im Wasser spiegelt. Es ist wirklich unglaublich.

Vielleicht sind Sie bei Facebook auf einer schwarzen Liste gelandet.

Das würde Sinn machen. Jeder Zentimeter Haut, den ich zeige, ist schon zu viel.

Nina Burris erste Foto-Band «Body in Motion» ist im Werd Verlag erschienen.
Foto: ZvG

Sie haben in den USA gelebt. Wie oft hat man Ihnen dort gut bezahlte Nacktshows angeboten?

Schlecht bezahlte sehr oft. Aber ich bin nicht in die USA gegangen, um auf Pornoseiten zu landen. Ich trainiere als Kontorsionistin vier Stunden täglich, das lasse ich mir nicht durch billige Nacktshows kaputt machen. Aber wenn einer eine Million dafür zahlt, würde ich es mir vielleicht überlegen. (lacht)

Inzwischen leben Sie in der Schweiz und in Berlin. Was steht als nächstes an?

Mein Kalender im Mai ist voll, im Juni habe ich Shootings in Griechenland, dazu bin ich neu das Gesicht eines Brands, den ich noch nicht verraten darf, und daneben läuft immer noch das «Das Zelt» und diverse andere Sachen. Manchmal habe ich kaum Zeit, um Luft zu holen.

Und für Männer?

Auch keine Zeit, aber vielleicht können Sie mir einen suchen? (lacht) Im Ernst – mir fehlt es an nichts. Ich habe alles, was ich brauche, und freue mich, dass es gut läuft.

Buchhinweis: Nina Burri –  Body in Motion, Werd Verlag, 276 Seiten, 26,7 x 34,6 cm, Hardcover, mit 150 Abbildungen, ISBN 978-3-85932-907-2, 69 Franken

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