Online-Shopping – der Ärger ist programmiert

Marianne Siegenthaler

2.9.2019 - 00:00

Angesichts all der Probleme, die sie mit den Online-Bestellungen hat, ist die Kolumistin fast schon froh sein, wenn überhaupt noch etwas geliefert wird. (Symbolbild)
Bild: Getty Images

Im Zeitalter der Digitalisierung sollte Einkaufen doch eigentlich ganz einfach sein. Aber dann macht man andere Erfahrungen und ist mitunter froh, wenn gar nicht erst geliefert wird.

Um 10 Uhr sollte der neue Geschirrspüler geliefert werden. Jetzt ist es 12.30 Uhr, und es läuft gar nichts. Doch. Der Telefonbeantworter im Haushaltgerätegeschäft, über den ich das Ding online bestellt habe. Die sind grad im Mittag, ich soll um 13.30 Uhr nochmals anrufen.

Nun gut, dann habe ich jetzt ja Zeit, mich um die anstehende DHL-Lieferung zu kümmern. Die ist nämlich für morgen «bis Tagesende» angekündigt. Aber ich bin morgen unterwegs. Gut, dass ich meine Sendung online verwalten kann.

Also dem Lieferanten einen geheimen Ort nennen, wo er das Päckli deponieren soll. Dafür muss ich mich registrieren. Klappt aber einfach nicht. Warum? Da wird eine fünfstellige Postleitzahl verlangt. Tja, schwierig.

Bereits der zweite Versuch

Immerhin tut sich jetzt in Sachen Geschirrspüler etwas. Der junge Mann taucht zwar über vier Stunden zu spät auf, aber er versteht seinen Job und hat das Gerät im Nullkommanix eingebaut. Sehr gut. Vor allem weil das bereits der zweite Versuch ist.

Die erste Maschine eines anderen Online-Händlers ging nicht rein. Nein, nicht wegen der Grösse. Sondern weil unten der Sockel auf irgendein Blech passen muss. Das sieht man von aussen nicht. Und weil ich nicht Küchenbauerin bin, weiss ich das auch nicht. Aber das hätte ich herausfinden können, wenn ich beim Hersteller nachgefragt hätte. Sagt mir die Frau vom Kundendienst. Und weil ich das nicht gemacht habe, bin ich jetzt 150 Franken Stornierungsgebühren los. Und der Haushaltgeräte-Onlineshop mich als treue Kundin.

Jedenfalls ist jetzt fertig mit Handabwaschen und -abtrocknen. Und das freut mich. Das hätte ich auch gern meinem Mann mitgeteilt. Der ist aber grad nur schlecht erreichbar. Sein neues Handy funktioniert nicht richtig, ist in der Reparatur. Seit über zwei Monaten. Richtig. Seit mehr als zwei (!!!) Monaten. Und es ist trotz zahlreichen Mails und Telefonaten kein Ende abzusehen.

Keine Reklamation ohne Foto

Dass es kompliziert wird, wenn es um Garantieleistungen geht, scheint die Regel zu sein. Denn die Chance ist gross, dass der Kunde irgendwann mal aufgibt. So wie ich mit dem Holzkohlegrill. Der hat nämlich, kaum online bestellt, angeliefert und zusammengeschraubt, bereits gerostet. Das ist für ein Teil, das draussen betrieben wird, suboptimal. Und das habe ich dem Kundendienst eines grossen Baucenters bei meiner Reklamation auch gesagt. Und Fotos geschickt.

Hat nichts genützt. Die wollten den Rost mit eigenen Augen sehen. Dazu hätte ich den Grill auseinanderschrauben und ins Auto packen müssen. Oder alternativ einen Anhänger mieten. Und dann den Rosthaufen durch die halbe Schweiz karren. Nicht mit mir. Der bleibt jetzt halt in Gebrauch, bis der Rauch durch die Rostlöcher zieht. Und dann kommt er ins Altmetall.

Angesichts all der Probleme, die man mit Online-Bestellungen in Sachen Lieferung, Stornierung oder Garantie hat, muss man fast schon froh sein, wenn gar nicht erst geliefert wird. Eine Freundin beispielsweise bestellte sich während ihrer Schwangerschaft ein Umstandskleid bei einem Online-Versandhändler. Das Päckli ist noch nicht angekommen. Der Bub ist inzwischen 20 Jahre alt.

Marianne Siegenthaler ist freie Journalistin und Buchautorin. Wenn sie grad mal nicht am Schreiben ist, verbringt sie ihre Zeit am liebsten im, am und auf dem Zürichsee.

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