Sven Hartmann: «Als Katze würde ich in Zürich leben wollen»

2.4.2018 - 10:00, Fabienne Rüetschi

Sven Hartmann hat seine erste tiefgehende Bekannschaft mit einer Katze in jungen Jahren gemacht. Seine damalige Freundin zog mit ihrem Kater Jacob bei ihm in Zürich ein. Die Beziehung ging auseinander, aber Jacob blieb bei ihm.
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Der echte Jacob war ein Mischling zwischen einem «Tigerli» und einer Siamkatze. Er hatte ein beiges Fell mit grauen Streifen, schwarze Ohren, einen gestreiften Schwanz und stahlblaue Augen.
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Sven Hartmann (75) in seinem Atelier an der Schipfe in Zürich.
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Das Erfolgsgeheimnis von Kater Jacob? «Er ist eine positive Katze. Seine Geschichten ein Aufsteller. Er ist leicht tollpatschig, fällt aber immer wieder auf seine Füsse, was für eine Katze typisch ist.»
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Jacob hat natürlich auch eine Katzendame: Minca, eine elegante Dame. Die beiden haben mittlerweile auch Nachwuchs, drei Minca-Jacob-Mischlinge.
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Jacob begeistert die Leserschaft bereits seit mehr als 40 Jahren. Was sich im Laufe der Zeit nie verändert hat, ist sein Lächeln. Das ist sein Markenzeichen.
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Im neusten Buch «Fit mit Jacob» verrät Kater Jacob, wie er trotz stolzem Alter all die Jahre so geschmeidig geblieben ist.
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Jacob ist eine der berühmtesten Comic-Katzen der Welt. Gezeichnet von einem Schweizer, Sven Hartmann. Die Abenteuer des Katers entstanden in der ganzen Welt. Den Erschaffer von Jacob zieht es dennoch immer wieder nach Zürich.

Bluewin: Herr Hartmann, lieben Sie Katzen?

Sven Hartmann: (Lacht laut) Definitiv. Ich bin zwar als Kind mit einem Schäferhund aufgewachsen, Katzen sind mir aber definitiv näher, schon seit Jahrzehnten.

Sie sind der Erschaffer von Jacob, einer der berühmtesten Comic-Katzen der Welt. Wie sind Sie auf die Katze gekommen?

In jungen Jahren ist meine damalige Freundin mit ihrem Kater Jacob bei mir in Zürich eingezogen. Die Beziehung ging auseinander, die Freundin zog aus, aber Jacob blieb bei mir. Bald begann ich den Kater mit Filzstift zu skizzieren und Bildgeschichten zu kreieren. Plötzlich ging alles ganz schnell. Eines Tages meldete sich der Chefredaktor vom «Magazin» des «Tages-Anzeigers». Bald bekam der Kater Jacob auch in der Zeitschrift «Annabelle» einen festen Platz.

Ihre Inspiration für Jacob war also eine Stadtkatze. Wo würden Sie gerne leben, wenn Sie eine Katze in der Schweiz wären?

In Zürich. Die Stadt ist einfach ein Traum und alles ist zu Fuss erreichbar. Besonders gerne mag ich den See. Und mein Atelier habe ich am schönsten Ort überhaupt, an der Schipfe bei der Limmat. Mein Atelier oben im Dach ist schön hell, ideal zum Arbeiten. Seit über 40 Jahren arbeite ich hier. Damals wurden dort Atelierwohnungen für Künstler oder Grafiker gebaut. So förderte die Stadt das Kunstwerk.

Jacobs Abenteuer begeistern seit über 40 Jahren die Leserschaft. Sieben Bücher sind bisher erschienen. Was ist sein Erfolgsgeheimnis?

Jacob ist eine positive Katze. Seine Geschichten ein Aufsteller. Er ist leicht tollpatschig, fällt aber immer wieder auf seine Füsse, was für eine Katze typisch ist. Dann hatte ich einen guten Autor, mit dem ich jahrelang sehr fruchtbar zusammengearbeitet habe, Thomas Härtner. Und so hat das eine zum anderen geführt. Jacobs Abenteuer sind mittlerweile rund um den Globus erschienen, in Litauen, Holland, Frankreich, Südamerika oder Japan.

Sind Sie ihrem Zeichenstil in all den Jahren treu geblieben?

Jein, Jacob hat sich im Laufe der Zeit schon verändert, zumindest äusserlich. Das ist bei allen Figuren so. Ich denke da zum Beispiel an Mickey Mouse von Disney, diese Figur hat eine starke Entwicklung erfahren. Der echte Jacob war ein Mischling zwischen einem «Tigerli» und einer Siamkatze, er hatte ein beiges Fell mit grauen Streifen, schwarze Ohren, einen gestreiften Schwanz und stahlblaue Augen. Diese Eigenschaften erkennt man im ersten Buch noch sehr deutlich. Mit der Zeit wurde Jacob immer deutlicher zu einer Cartoon-Figur. Was sich jedoch nie verändert hat, ist sein Lächeln. Das ist sein Markenzeichen.

Mit Papa Moll läuft gerade ein erfolgreicher Comic-Klassiker in den Schweizer Kinos. Träumen Sie davon, dass auch Jacob eines Tages über die Leinwand tapst?

Wenn jemand mit Interesse auf mich zukäme, natürlich. Ich habe sogar schon Drehbücher gezeichnet. Aber das hat sich bisher nicht ergeben und man muss immer den Weg wählen, wo sich etwas ergibt im Leben.

Mit Jacob haben Sie einen grossen Teil ihres Lebensunterhalts verdient. Neben dem Geld: Was bedeutet Ihnen der Kater ganz persönlich?

Ich druck mich mitem Jacob us. Zeichnen ist für mich wie eine Art schreiben. Mir war immer wichtig, dass Jacob ein Kater bleibt, also nicht verkleidet ist oder menschliche Züge annimmt.

Hat er Sie auch schon mal genervt?

Nie. Neben Jacob habe ich zum Ausgleich auch andere Figuren für Firmen gezeichnet. Sim und San für Similisan zum Beispiel oder den giftgrünen Dackel für Grundig. Diese Aufträge kamen und gingen, Jacob blieb über die Jahre aber immer bei mir.

Katzen gelten als eigenwillige Tiere. Wie würden Sie sich selber beschreiben?

Eigenwillig und unkonventionell passt auch zu mir. Ich gehe oft mit dem Kopf durch die Wand. Auch wenn andere sagen, das funktioniert niemals. Genau das reizt mich. Jacob ist nur ein Teil meiner Tätigkeit. Da gibt es vieles mehr. Momentan richte ich gerade eine grosse Ausstellung in München aus, das Thema sind Meeresschnecken und Muscheln.

Eigenwillig und unkonventionell sind keine typischen Schweizer Eigenschaften.

Trotzdem würde ich mich als typischen Schweizer bezeichnen. Das wird mir bewusst, wenn ich in München bin. Da werde ich in Gesprächen oft still. Die Deutschen reden und denken anders als wir Schweizer. Wir sind viel farbiger in der Sprache, drücken uns differenzierter aus. Das sieht man an den verschiedenen Kantonsdialekten, die grösstenteils bestehen bleiben, während das Bayrische in München immer mehr verloren geht.

Was hat Sie nach München geführt?

In erster Linie der Heye Verlag, in dem die Jacob-Kalender erscheinen. Und private Gründe.

Sind Sie gerne in München?

Absolut, es ist eine gemütliche, weltoffene und lebendige Stadt. Aber zu Hause bin ich in Zürich.

Wo sind die meisten von Jacobs Abenteuer entstanden?

Weder in Zürich noch in München. Mit Thomas Härtner bin ich jedes Jahr jeweils für 14 Tage an einen Ort ausserhalb der Schweiz gereist mit dem Ziel, 100 Ideen auf Papier zu bringen. Text und Bild. Zudem durften wir uns nicht weiter als eine Autostunde vom Ort entfernen. Nicht, dass es zu sehr in Ferien ausartete. Diese Arbeitswochen führten uns nach Irland in ein Schloss, nach Ibiza in eine Finca, nach Florenz oder nach Portugal.

Dann brechen Sie gerne auch mal aus und bleiben nicht wie Katzen innerhalb ihres gewohnten Radius?

Durchaus ja. Mein Radius ist weitläufig. Eine unserer Arbeitswochen haben wir zum Beispiel auf den Malediven verbracht. Auf der Insel selber war der Radius dann aber doch sehr eingeschränkt. Da gab es nur tauchen und kreativ sein.

Ihr langjährigen Partner Thomas Härtner ist vor acht Jahren gestorben. Wie ging es mit Jacob weiter?

Der Tod von Thomas hat mich blockiert. Gezeichnet habe ich zwar weiter, aber es hat mich lange sehr beschäftigt. Mit den Jahren ist es besser geworden. Nun ist mit Hanspeter Brugger ein neuer Texter dazu gekommen, mit ihm ist das neue Buch «Fit mit Jacob» entstanden. Er schreibt anders, sehr lebendig. Ich bin positiv gestimmt.

Im Buch «Fit mit Jacob» verrät der Kater, wie er trotz stolzem Kateralter – er ist mittlerweile 40 – all die Jahre so geschmeidig geblieben ist. Wie halten Sie sich fit?

Früher war ich sehr sportlich. Waldlauf, Vita Parcours, Überquerung der Alpen mit Ski und Fell gehörten zu meinen Leidenschaften. Damals war ich fit. Jetzt mit 75 Jahren ist der Sport schwieriger geworden. Aber ich habe mir vorgenommen, die Übungen von Jacob regelmässiger zu machen.

Sie haben anfangs gesagt, sie mögen Katzen. Haben Sie aktuell eine?

Leider nicht. Ich bin  zu viel unterwegs. 

Zur Person: Sven Hartmann

Sven Hartmann wurde 1943 im Tessin geboren. In den Kunstgewerbeschulen in Basel und Zürich hat er sowohl gelernt als auch gelehrt. Er dekorierte Schaufenster, arbeitete als Bühnenbildner, schuf Lampen und Puppen, hat Trickfilme gemacht und ist schliesslich beim Zeichnen und Malen gelandet. Der Künstler lebt in Zürich und in München. 

Gesprächserie: «Wir sind die Schweiz»

Die Schweiz ist ein Land, in dem man gerne lebt, in dem fast alles funktioniert, manches sogar perfekt. In unserer Gesprächsserie «Wir sind die Schweiz» sprechen wir mit Menschen aus unserem Land über ihre Sicht auf die Heimat. Zuletzt sprachen wir mit Jodlerin Nadia Räss.

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